Zaanse Schans - windmills in the Netherlands
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Niederlande per Rad: die Wasserlinie-Route entlang von Kanälen und Festungen

Die Niederlande sind für ihren außergewöhnlich hohen Radverkehrsanteil im Alltag bekannt, und die Wasserlinie-Route zählt zu den interessantesten Fernradwegen des Landes. Sie führt durch das Herz der Niederlande entlang der ehemaligen niederländischen Wasserverteidigungslinien und war für uns die ideale Gelegenheit, den Radtourismus im Land aus nächster Nähe kennenzulernen. Begegnet man auf niederländischen Radwegen tatsächlich so vielen Radtouristen, und wie sieht die Infrastruktur für längere Radreisen aus? Um das herauszufinden, machten wir uns auf den Weg – vorbei an Kanälen, Festungen, Windmühlen und den historischen Landschaften der Niederlande.
 
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Route on the map

Route: Purmerend (the Netherlands) - Haarlem - Uithoorn - Naarden - Utrecht - Gorinchem - De Biesbosch - Breda (the Netherlands)
GPX file (GPS track): cyclingthread.com-netherlands-2023.gpx
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Cycling the Waterline Route near Amsterdam
Mit dem Fahrrad auf der Wasserlinie-Route bei Amsterdam
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Die Wasserlinie-Route in den Niederlanden

Der ursprüngliche Name der Wasserlinie-Route lautet LF Waterlinieroute, wobei die Abkürzung „LF“ vom niederländischen Begriff Langeafstand Fietsroutes stammt und Fernradwege bedeutet. Die Route richtet sich an Radfahrer, die sich für die Geschichte der Niederlande, historische Befestigungsanlagen und die charakteristischen niederländischen Polderlandschaften interessieren. Sie führt durch ruhige Tieflandgebiete, Orte mit Bezug zum niederländischen Wassermanagement und entlang ehemaliger Wasserverteidigungslinien. Dank der hervorragenden Radinfrastruktur und des dichten Netzes an Serviceangeboten fühlen sich hier Paare, kleine Gruppen und Alleinreisende gleichermaßen wohl. Die Planung der Tagesetappen ist unkompliziert, und die meisten Orte entlang der Strecke bieten Unterkünfte, Restaurants und eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Man sollte jedoch bedenken, dass einige Abschnitte über öffentliche Straßen mit lokalem Autoverkehr führen, weshalb die Route für Familien mit kleinen Kindern nicht immer die beste Wahl ist.

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Family photo with the Westbroekse windmill
Mit dem Fahrrad durch die Niederlande
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Entlang der ehemaligen niederländischen Wasserverteidigungslinien

Die Wasserlinie-Route folgt den ehemaligen niederländischen Wasserverteidigungslinien, die in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurden – der Stelling van Amsterdam, einem Festungsring um Amsterdam, sowie der Neuen Holländischen Wasserlinie (Nieuwe Hollandse Waterlinie). Die Niederländer nutzten Wasser als natürliche Verteidigungswaffe: In Zeiten der Gefahr konnten sie gezielt weite Flächen zwischen den Festungen überfluten und so flache Überschwemmungsgebiete schaffen, die für Infanterie, Pferde und Artillerie unpassierbar waren. Ein System aus Kanälen, Schleusen, Deichen und Pumpwerken ermöglichte eine präzise Regulierung des Wasserstands in den Poldern und schützte die wichtigsten Städte sowie die Zufahrtsstraßen nach Amsterdam. Festungen entstanden an den Stellen, an denen Gegner versuchen konnten, die überfluteten Gebiete zu umgehen – etwa an Deichen, Brücken, Eisenbahnlinien und höher gelegenen Landschaftsbereichen.

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Fort Honswijk near Houten, the Netherlands
Fort Honswijk – die Neue Holländische Wasserlinie
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Von Norden nach Süden durch die Niederlande

Die Route beginnt in Edam am Ufer des Markermeers, zwischen den nördlichen Poldern und ehemaligen Hafenstädten. Der erste Abschnitt führt durch dem Meer abgewonnenes Land, ein Netz aus Kanälen und Küstenebenen mit Bezug zum niederländischen Hochwasserschutz in Richtung Haarlem. Anschließend beschreibt die Route einen weiten Bogen um Amsterdam und erreicht Muiden sowie Naarden – Orte, die mit der Holländischen Wasserlinie verbunden sind und in denen noch heute Bastionsfestungen, Schleusen und Deiche zu sehen sind, die einst für die kontrollierte Überflutung der Polder genutzt wurden. Danach setzt sich die Strecke in Richtung Utrecht fort, einem der wichtigsten Punkte des ehemaligen niederländischen Verteidigungssystems.

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Cycling along the Stelling van Amsterdam
Mit dem Fahrrad entlang der Stelling van Amsterdam

Südlich von Utrecht überquert die Route den Lek und die Waal – zwei Rheinarme – und erreicht Woudrichem, das am Zusammenfluss von Maas und Waal liegt. Im letzten Abschnitt verläuft die Strecke nahe dem Nationalpark De Biesbosch – einer Deltalandschaft des Rheins mit ehemaligen Feuchtgebieten – in Richtung Nordbrabant. Offiziell endet die Route in Bergen op Zoom in den tiefliegenden Küstengebieten an der Nordsee. Aus logistischen Gründen und wegen der günstigen Bahnverbindungen haben wir unsere Reise auf der Wasserlinie-Route verkürzt. Deshalb starteten wir in Purmerend und beendeten die Tour in Breda.

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De Knotwilg - a campsite in De Biesbosch National Park
De Knotwilg – ein Campingplatz im Nationalpark De Biesbosch
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Berühmte Windmühlenstandorte in den Niederlanden

Eine der größten Attraktionen der Wasserlinie-Route sind zwei berühmte Orte, an denen sich größere Gruppen traditioneller niederländischer Windmühlen besichtigen lassen. Obwohl sie nicht direkt an der Route liegen, sind beide mit nur einem kurzen Abstecher während einer Reise entlang der ehemaligen niederländischen Wasserverteidigungslinien gut erreichbar. Der erste ist das berühmte Zaanse Schans nördlich von Amsterdam bei Zaandam. Es zählt zu den bekanntesten Landschaften der Niederlande – mehrere historische Windmühlen stehen hier entlang von Kanälen und ehemaligen Industriegebieten der Region Zaan. Der zweite Ort ist das deutlich größere und spektakulärere Kinderdijk bei Rotterdam. Entlang der Kanäle und wasserwirtschaftlichen Anlagen stehen hier nicht weniger als 19 historische Windmühlen, die zum UNESCO-Welterbe gehören.

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Cycling in Kinderkijk in the Netherlands
Mit dem Fahrrad in Kinderdijk in den Niederlanden
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Niederländische Lösungen für mehr Sicherheit beim Radfahren

Die Route entlang der niederländischen Festungsanlagen verläuft überwiegend auf Asphaltwegen entlang von Kanälen und Flüssen, oft auf den Kronen der Hochwasserschutzdeiche. Speziell angelegte Radwege und ruhige Nebenstraßen dominieren die Strecke und führen zwischen ehemaligen Festungen und den Bauwerken der niederländischen Wasserverteidigungslinien hindurch. Unterwegs begegnet man häufig zwei für die Niederlande typischen Lösungen zur Verbesserung der Sicherheit des Radverkehrs. Die erste ist die Fietsstraat, also eine „Fahrradstraße“, auf der Radfahrer Vorrang haben und Autos lediglich als „Gäste“ gelten, die ihre Geschwindigkeit dem Radverkehr anpassen müssen. Die zweite ist die sogenannte „2-minus-1-Straße“, auf der sich Autos und Radfahrer eine schmale Fahrbahn teilen.

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Auto te gast - a bicycle street in the Netherlands
Fietsstraat – eine Fahrradstraße in den Niederlanden

Schotter- oder Naturbeläge kommen nur sehr selten vor und beschränken sich meist auf kurze Abschnitte in Schutzgebieten oder Zufahrtswege zu den Festungen. In historischen Städten und rund um ehemalige Festungsanlagen gibt es außerdem kurze Kopfsteinpflaster- und Natursteinabschnitte auf alten Plätzen und Straßen. Dank der hohen Verkehrskultur in den Niederlanden beeinträchtigen die Abschnitte auf öffentlichen Straßen weder den Fahrkomfort noch das Sicherheitsgefühl spürbar. Dennoch sollte man sie bei der Planung einer Reise berücksichtigen, insbesondere wenn man mit kleinen Kindern oder weniger erfahrenen Radfahrern unterwegs ist.

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One of the rare gravel sections of the Waterline Route
Einer der seltenen Schotterabschnitte der Wasserlinie-Route
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Koga WorldTraveller direkt ab Werk

Bevor wir jedoch losfuhren, wartete noch eine weitere angenehme Aufgabe auf uns. Im Zentrallager der niederländischen Marke Koga in Heerenveen mussten wir Olas Fahrrad abholen – das neue Modell Koga WorldTraveller. Wer sagt, dass es riskant ist, mit einem fabrikneuen Fahrrad zu einer mehrtägigen Tour aufzubrechen, hat... offenbar noch keine Erfahrungen mit Koga gemacht ;) Schon ab den ersten Kilometern funktionierte das Fahrrad vollkommen problemlos und erwies sich schnell als eines der komfortabelsten Räder, die wir je gefahren sind. Auf den ersten Blick mag der WorldTraveller für die flachen niederländischen Strecken etwas zu massiv wirken, doch auf langen Etappen mit Gepäck zeigt er seine Stärken eindrucksvoll. Sein etwas höheres Gewicht und die breiteren Reifen werden durch eine hervorragende Fahrstabilität, eine sehr gelungene Geometrie und hochwertige Komponenten ausgeglichen, sodass sich das Fahrrad überraschend leicht und angenehm fahren lässt.

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Koga WorldTraveller straight out of the box
Koga WorldTraveller direkt ab Werk
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Mit dem Fahrrad entlang des Noordhollandsch Kanaal

Wir begannen unsere Reise auf der Wasserlinie-Route im ruhigen Städtchen Purmerend. Schon nach kurzer Zeit erreichten wir einen malerischen Radweg entlang des Noordhollandsch Kanaal. Der Noordhollandsch Kanaal war eines der bedeutendsten wasserbaulichen Projekte der Niederlande im 19. Jahrhundert. Er wurde zwischen 1820 und 1824 gebaut und verband Amsterdam mit dem Hafen von Den Helder, wodurch eine neue Schifffahrtsverbindung zwischen der Nordsee und der niederländischen Hauptstadt entstand. Der Kanal war rund 75 Kilometer lang und diente mehrere Jahrzehnte lang als wichtigste Route für große Seeschiffe, die mehr als ein Dutzend Stunden lang durch Nordholland geschleppt wurden. Mit der Zeit erwies sich der Kanal jedoch als zu schmal und zu kurvenreich. Nach der Eröffnung des Nordseekanals im Jahr 1876 verlor er seine strategische Bedeutung. Heute dient der Noordhollandsch Kanaal vor allem der Freizeitschifffahrt, dem regionalen Transport und dem Hochwasserschutz. Seine Ufer zählen zu den charakteristischsten Landschaften für Radtouren in Nordholland.

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The cycle path along the North Holland Canal
Der Radweg entlang des Noordhollandsch Kanaal

Nach wenigen Kilometern erreicht die Route das Fort bij Spijkerboor – das größte Landfort der ehemaligen Stelling van Amsterdam, versteckt zwischen den Poldern der Region Beemster bei Purmerend. Es wurde an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erbaut und sollte im Falle einer gezielten Überflutung der Umgebung den westlichen Beemsterringvaart-Kanal sowie die Zufahrtsstraßen nach Amsterdam schützen. Es war eines der modernsten und am besten bewaffneten Forts der gesamten Verteidigungslinie und verfügte unter anderem über einen gepanzerten Geschützturm mit einem Doppelschnellfeuergeschütz aus dem Jahr 1911, der bis heute erhalten ist. Das Fort bij Spijkerboor gehört zu den markantesten Orten entlang der LF Waterlinieroute. Heute können Besucher seine Innenräume, ehemaligen Munitionslager und Schutzräume besichtigen.

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Fort bij Spijkerboor in the Netherlands
Fort bij Spijkerboor in den Niederlanden

In dieser Gegend erleben wir eine Szene, die die Atmosphäre des Radfahrens in Holland – und eigentlich in den gesamten Niederlanden – perfekt widerspiegelt. Gerade legt eine kleine Fahrrad- und Personenfähre am Anleger des Vinkenhop-Kanals an, und eine Gruppe von Fahrgästen geht an Land – natürlich überwiegend Radfahrer. Direkt daneben steht ein typischer niederländischer Wegweiser mit der Markierung der Wasserlinie-Route sowie den Nummern des niederländischen Radknotenpunktsystems. Im Hintergrund erstreckt sich die für diese Region typische ruhige Wohnlandschaft mit Wasserläufen, kleinen Brücken und lokalen Fahrradstraßen. Diese besondere Mischung aus Kanälen und Radverkehr wird uns während der gesamten weiteren Reise durch die Niederlande begleiten.

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Pedestrian and cycling ferry in North Holland
Fahrrad- und Personenfähre in Nordholland
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Zaanse Schans – ein berühmter Windmühlenstandort

Den nächsten Abschnitt der Route haben wir leicht angepasst, um den ersten der berühmten Windmühlenstandorte zu erreichen – Zaanse Schans. Es handelt sich um ein Freilichtmuseum der niederländischen Landschaft und Industrie des 18. und 19. Jahrhunderts, in dem traditionelle Holzhäuser, Lagerhäuser, Werkstätten und acht charakteristische Windmühlen entlang des Flusses Zaan erhalten geblieben sind. Einige von ihnen sind noch heute in Betrieb, sodass Besucher ehemalige Sägemühlen, Ölmühlen und Gewürzmühlen besichtigen können. Über Jahrhunderte hinweg war diese Region eines der wichtigsten Industriezentren der Niederlande und nutzte die Windkraft zum Antrieb von Hunderten Produktionsanlagen. Hier entstand eine der ersten modernen Industrieregionen Europas mit Schwerpunkten in der Holzverarbeitung sowie der Herstellung von Farben, Gewürzen und Lebensmitteln.

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Zaanse Schans - an open-air windmill museum in the Netherlands
Zaanse Schans – ein Freilichtmuseum mit Windmühlen in den Niederlanden

Heute zählt Zaanse Schans zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Niederlande und ist einer jener Orte, an denen man Overtourism hautnah erleben kann – besonders im Sommer und zur Mittagszeit, wenn die schmalen Wege und der Bereich rund um die Windmühlen von Besuchern überfüllt sind. Wer einen der berühmten Postkarten- und Instagram-Orte Europas sehen möchte, sollte deshalb einen kurzen Abstecher von der Route einplanen. Uns selbst hat Zaanse Schans jedoch eher enttäuscht. Es handelt sich lediglich um eine kleine Gruppe von Windmühlen, von denen die meisten aus anderen Regionen hierher versetzt wurden. Besonders fotogen wirkt der Ort eigentlich nur von einer Seite – vom Ufer der Zaan aus. Dreht man die Kamera um, blickt man auf gewöhnliche Gebäude am gegenüberliegenden Flussufer, die viel von der besonderen Atmosphäre nehmen. Am treffendsten lässt sich wohl sagen, dass Zaanse Schans landschaftlich dem wirklich beeindruckenden Kinderdijk nicht das Wasser reichen kann.

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Zaanse Schans - windmills in the Netherlands
Windmühlen in Zaanse Schans, Niederlande

Nach wenigen Kilometern kehren wir auf die Wasserlinie-Route und zum Festungsring der Stelling van Amsterdam zurück, der die niederländische Hauptstadt noch immer in einem weiten Bogen umgibt. Hier führt die Route durch die typisch niederländische Landschaft aus Kanälen, Poldern und feuchten Wiesen, die von einem Netz aus Deichen und Schleusen durchzogen wird. Wir passieren kleine Orte und die Vororte von Amsterdam und nutzen dabei immer wieder sowohl Radwege als auch die bereits erwähnten Fahrradstraßen. Leider verbinden wir den Abschnitt rund um Haarlem vor allem mit strömendem Regen, vor dem wir uns rasch in unsere Unterkunft flüchteten. Die Erkundung des schönen Haarlem verschieben wir daher auf unsere nächste Reise in die Niederlande. Vielleicht entlang von EuroVelo 12?

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Water tower in Aalsmeer
Wasserturm in Aalsmeer
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Mit dem Fahrrad entlang der niederländischen Wasserverteidigungslinien

Als wir unsere Radtour nach dem verregneten Nachmittag des Vortages fortsetzten, kehrten die Bilder des schönen, ganz gewöhnlichen Holland zurück. Und ebenso die Festungsanlagen – ein weiterer Abschnitt des Verteidigungsrings der Stelling van Amsterdam rund um Amsterdam. Dazu gehört auch das Fort aan de Drecht in Uithoorn – ein Betonfort aus dem Jahr 1911, das am Fluss Drecht als Teil des Verteidigungssystems zum Schutz der südlichen Zufahrten nach Amsterdam errichtet wurde. Wie viele andere Festungen dieser Verteidigungslinie sollte es jene Stellen sichern, die nicht überflutet werden konnten – Straßen, Deiche und höher gelegene Geländepunkte. Vor dem Hauptgebäude ist bis heute die originale gepanzerte Artilleriestellung erhalten geblieben, die an den militärischen Charakter des gesamten Systems erinnert. Das ehemalige Militärgelände wurde inzwischen restauriert und beherbergt heute Ausstellungsräume, Werkstätten und kleine gastronomische Betriebe.

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Fort aan de Drecht in the Netherlands
Fort aan de Drecht in den Niederlanden

Gleich hinter Uithoorn beginnt einer der schönsten Abschnitte der gesamten Route – mehrere Kilometer Fahrradstraße entlang des kleinen Flusses Oude Waver und später des etwas größeren Gein. Direkt am Rand von Amsterdam öffnet sich plötzlich die Landschaft, und der Fluss, dem wir folgen, schlängelt sich ruhig durch die niederländische Kulturlandschaft. Der Höhepunkt dieses Abschnitts ist eine wunderschöne Szenerie mit der Mondriaan-Windmühle in der Hauptrolle, die zu einem meiner Lieblingsfotos dieser Reise wurde. Die Windmühle ist bis heute in Betrieb und beherbergt sogar eine kleine Pension. Interessanterweise trägt sie ihren Namen nach dem Maler Piet Mondrian, einem der Wegbereiter der abstrakten Kunst, der die Windmühle am Fluss Gein in mehr als einem Dutzend seiner Gemälde verewigte.

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Cycling the Waterline Route in the Netherlands
Mit dem Fahrrad auf der Wasserlinie-Route in den Niederlanden

Wenig später passieren wir ein weiteres Fort der Stelling van Amsterdam – das Fort bij Nigtevecht, das am Amsterdam-Rhein-Kanal liegt, wo sich wichtige Wasserwege und ehemalige Verkehrsverbindungen nach Amsterdam kreuzen. Das Fort wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Teil des niederländischen Wasserverteidigungssystems errichtet und sollte jene Bereiche schützen, die im Falle eines Angriffs nicht wirksam überflutet werden konnten. Charakteristisch sind seine Erdwälle, die Backsteinkasernen und der breite Wassergraben, der die gesamte Anlage umgibt. Ursprünglich verfügte das Fort auch über gepanzerte Artillerietürme, die jedoch während des Zweiten Weltkriegs von den Deutschen demontiert und an anderen Befestigungen wiederverwendet wurden. Heute beherbergt das Innere die moderne interaktive Ausstellung Bewapend met water („Mit Wasser bewaffnet“), die erklärt, wie die niederländischen Wasserlinien funktionierten und wie das Leben der hier stationierten Soldaten während des Ersten Weltkriegs aussah. Besucher können unter anderem nachvollziehen, wie die gezielte Überflutung der Umgebung des Forts gesteuert wurde.

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Fort bij Nigtevecht near Amsterdam
Fort bij Nigtevecht bei Amsterdam
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Die beeindruckende Infrastruktur der Niederlande

Nur wenige hundert Meter weiter steht ein beeindruckendes Beispiel niederländischer Radinfrastruktur – die Liniebrug. Diese moderne Brücke für Radfahrer und Fußgänger überspannt den Amsterdam-Rhein-Kanal und zeichnet sich durch ihre filigrane Konstruktion mit einem hohen Stahlbogen aus. Sie wurde speziell für den Radverkehr gebaut und ist Teil der Radverbindung zwischen Amsterdam und Utrecht. Besonders auffällig sind die langen, sanft ansteigenden Rampen, die es Radfahrern ermöglichen, den erheblichen Höhenunterschied über dem stark befahrenen Schifffahrtskanal bequem zu überwinden. Von oben lassen sich Frachtschiffe, Binnenschiffe und Freizeitboote auf einer der wichtigsten Wasserstraßen des Landes beobachten. Die Brücke gehört auch zu den Bauwerken, die ich bereits in meinem Artikel über die interessantesten Fahrradbrücken Europas vorgestellt habe.

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Liniebrug over the Amsterdam-Rhine Canal
Liniebrug über den Amsterdam-Rhein-Kanal

Obwohl sich die Verteidigungslinie der Stelling van Amsterdam langsam ihrem Ende nähert, gibt es weiterhin viel zu entdecken. Zu den letzten Festungen entlang unserer Route gehört Fort Uitermeer, das wunderschön an der Vecht liegt und von Feuchtgebieten und Wiesen umgeben ist. Die ersten Befestigungen entstanden hier bereits im 19. Jahrhundert, das heutige Fort wurde jedoch später als Teil des Amsterdamer Wasserverteidigungssystems neu errichtet. Charakteristisch ist seine niedrige, kreisförmige Bauweise mit einem zentralen Innenhof, der sich hinter dicken, heute grasbewachsenen Wällen verbirgt – fast wie moderne Wohnhäuser mit begrünten Dächern. Durch diese Konstruktion war das Fort schwerer zu beschießen und fügte sich zugleich hervorragend in die flache Polderlandschaft ein. Seine Aufgabe bestand darin, die nahe gelegenen Deiche, Schleusen und Übergänge zu kontrollieren, über die Angreifer die überfluteten Gebiete hätten umgehen können.

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Fort Uitermeer along the Waterline Route
Fort Uitermeer an der Wasserlinie-Route
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Die Geschichte der niederländischen Festungsanlagen im Muiderslot

An der Mündung der Vecht in die ehemalige Zuiderzee liegt eine der letzten Befestigungen der Stelling van Amsterdam – die Westbatterij in Muiden. Auf der gegenüberliegenden Flussseite erhebt sich das berühmte Muiderslot. Über Jahrhunderte kontrollierte diese mittelalterliche Burg den wichtigen Wasserweg nach Amsterdam und spielte schon lange zuvor eine bedeutende Rolle bei der Verteidigung dieser Region. Zur Zeit der Stelling van Amsterdam gewann die Umgebung von Muiden erneut strategische Bedeutung – hier sollten Schleusen, Deiche und Festungsanlagen die östlichen Zufahrten zur Stadt schützen. Heute wirkt das Muiderslot wie eine klassische niederländische Bilderbuchburg mit seinem Backsteinbau, den Türmen und dem Wassergraben, der die Mauern umgibt. Im Inneren können Besucher historische Wohnräume, Waffensammlungen, alte Küchen und Ausstellungen zur mittelalterlichen Lebensweise sowie zur Geschichte der niederländischen Festungsanlagen besichtigen.

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Muiderslot Castle in near Amsterdam
Schloss Muiderslot bei Amsterdam
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Naarden – eine sternförmige Festungsstadt

Wenige Kilometer später erscheint auf dem Bildschirm unserer Drohne ein weiteres Postkartenmotiv. Es ist Naarden – eine der besterhaltenen Festungsstädte Europas, berühmt für ihren charakteristischen sternförmigen Grundriss mit Bastionen und Wassergräben. Das heutige Verteidigungssystem entstand größtenteils im 17. Jahrhundert zum Schutz der Niederländischen Republik und wurde später in die niederländischen Wasserverteidigungslinien integriert. Aus der Luft ist die geometrische Anordnung von Wällen, Kanälen und begrünten Bastionen besonders gut zu erkennen – ein System, das über Jahrhunderte hinweg Artillerieangriffe erheblich erschweren sollte. Naarden spielte auch während des Achtzigjährigen Krieges gegen Spanien eine bedeutende Rolle – 1572 wurde die Stadt Schauplatz des berüchtigten Massakers an ihrer Bevölkerung durch spanische Truppen. Heute präsentiert sich die ehemalige Festung friedlich und malerisch, während ihr historisches Zentrum mit Cafés, kleinen Gassen und historischen Gebäuden innerhalb der alten Befestigungsanlagen zum Bummeln einlädt.

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Star-shaped fortified town of Naarden
Die sternförmige Festungsstadt Naarden
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Legakkers – entstanden durch Torfabbau

Unser nächster Tag beginnt mit einigen Kilometern durch eine etwas grünere Landschaft. Hier stoßen wir auf die sogenannten Legakkers – schmale Streifen aus Torf und Land, die zwischen ehemaligen Torfabbaugebieten erhalten geblieben sind. Über Jahrhunderte war Torf ein wichtiger Brennstoff in den Niederlanden. Nach seinem Abbau blieben lange Gräben zurück, die sich nach und nach mit Wasser füllten und die charakteristische Landschaft aus Seen und schmalen Inseln entstehen ließen. Heute wirken viele dieser Gebiete wie ein Wasserlabyrinth mit Yachthäfen, Häusern, kleinen Anlegestellen und Kanälen, die sich bis zum Horizont erstrecken. Besonders aus der Drohnenperspektive wird deutlich, wie stark der jahrhundertelange Umgang mit dem Wasser – sowohl als Verkehrsweg und wirtschaftliche Ressource als auch als Verteidigungsmittel – das heutige Erscheinungsbild der Niederlande geprägt hat.

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Legakkers - Loosdrechtse Plassen near Utrecht
Legakkers – Loosdrechtse Plassen bei Utrecht

In Nieuwersluis erreichen wir die erste größere Festungsanlage des Tages und zugleich die erste, die wir bereits entlang der Neuen Holländischen Wasserlinie (Nieuwe Hollandse Waterlinie) sehen. Das Fort Nieuwersluis wurde Ende des 19. Jahrhunderts an einer strategisch wichtigen Stelle zwischen der Vecht und dem Amsterdam-Rhein-Kanal errichtet. Seine Aufgabe bestand darin, Schleusen und Straßen zu schützen, die durch überflutbare Gebiete führten. Charakteristisch sind die massiven Betonunterstände, die Erdwälle und der breite Wassergraben, der die gesamte Anlage umgibt. Viele Jahre diente das Fort außerdem als Militärgefängnis und später als Arrestanstalt für Soldaten. Heute wirkt die ehemalige Festung deutlich friedlicher – umgeben von Grün und Wasser gehört sie zu den markantesten Punkten der Neuen Holländischen Wasserlinie auf diesem Abschnitt der Route.

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Fort Nieuwersluis on the New Dutch Waterline
Fort Nieuwersluis an der Neuen Holländischen Wasserlinie
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Mit dem Fahrrad auf einer niederländischen „2-minus-1-Straße“

Hinter Nieuwersluis fahren wir auf einem der vielen Abschnitte der Route, die über niederländische „2-minus-1-Straßen“ verlaufen. Dieses Konzept soll den Autoverkehr beruhigen und gleichzeitig Radfahrern auf schmalen Nebenstraßen mehr Platz bieten, ohne dass dafür ein separater Radweg gebaut werden muss. In der Mitte bleibt eine gemeinsame Fahrspur für Autos, während auf beiden Seiten breite Radfahrstreifen markiert sind, die Autofahrer nur kurzfristig zum Begegnen anderer Fahrzeuge befahren dürfen. In den letzten Jahren gab es jedoch zahlreiche Proteste von Radverkehrsorganisationen in den Niederlanden, die kritisieren, dass diese Radfahrstreifen zu schmal seien und daher keine ausreichende Sicherheit für Radfahrer böten.

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2-minus-1 road in Nieuwersluis
2-minus-1-Straße in Nieuwersluis

Das Fort Maarsseveen am Stadtrand von Utrecht ist ein gutes Beispiel dafür, wie ehemalige Bauwerke der niederländischen Wasserlinien heute ein neues Leben als Teil der lokalen Gemeinschaft führen. Hier finden Konzerte, Freiluftveranstaltungen, Workshops, Treffen und lokale Feste statt, während einige der früheren Militärgebäude in ein Restaurant und Erholungsbereiche umgewandelt wurden. Heute ist das ehemalige Fort von Spazierwegen, Grünanlagen und beliebten Freizeitbereichen am Wasser umgeben. Es zeigt eindrucksvoll, wie ehemalige militärische Infrastruktur ganz selbstverständlich Teil des modernen Stadtlebens und der Alltagserholung in den Niederlanden werden kann.

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Fort Maarsseveen in Utrecht
Fort Maarsseveen in Utrecht
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Ein viel zu kurzer Aufenthalt im schönen Utrecht

Utrecht begrüßte uns mit zwei malerischen Windmühlen – der Westbroekse Molen und der Buitenwegse Molen, die wir für ein Erinnerungsfoto nutzten. Beide dienten einst dazu, die umliegenden Polder zu entwässern und überschüssiges Wasser in höher gelegene Kanäle zu pumpen, sodass die Umgebung von Utrecht trocken blieb. Ihre Aufgabe bestand darin, den Wasserstand in Gebieten unterhalb des Niveaus der umliegenden Flüsse und Kanäle zu regulieren, wo Landwirtschaft und Besiedlung ohne ständige Entwässerung nicht möglich gewesen wären. Die charakteristischen Holzkonstruktionen trieben archimedische Schrauben oder Wasserräder an, die das Wasser zwischen den verschiedenen Ebenen der Polder bewegten. Interessanterweise stehen hier die größte und die kleinste Windmühle der Provinz Utrecht direkt nebeneinander. Heute gehören sie zu den markantesten Sehenswürdigkeiten am nördlichen Stadtrand.

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The Netherlands - bicycles and windmills
Die Westbroekse Molen bei Utrecht

Utrecht erwies sich als eine der angenehmsten Großstädte entlang der gesamten Wasserlinie-Route. Das historische Zentrum hat sich eine deutlich ruhigere und ursprünglichere Atmosphäre bewahrt als Amsterdam, obwohl es ebenfalls voller Grachten, Fahrräder und historischer Gebäude ist. Der charakteristischste Ort der Stadt ist die Oudegracht – der Hauptkanal Utrechts mit seinen einzigartigen Kaianlagen und Kellergewölben, die direkt bis ans Wasser reichen und heute Cafés, Restaurants und kleine Geschäfte beherbergen. Über der Altstadt erhebt sich der hohe Domturm, der verbliebene Teil der ehemaligen St.-Martins-Kathedrale und eines der Wahrzeichen der Stadt. Beeindruckend ist auch die Radinfrastruktur Utrechts – allen voran das riesige Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof, das als eines der größten seiner Art weltweit gilt.

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Bicycles and scooters in the centre of Utrecht
Fahrräder und Motorroller im Zentrum von Utrecht

Zu den sehenswerten Orten der Stadt zählt auch das zum UNESCO-Welterbe gehörende Rietveld-Schröderhuis. Dieses modernistische Wohnhaus wurde 1924 vom niederländischen Architekten Gerrit Rietveld entworfen und gilt als eines der bedeutendsten Beispiele der De-Stijl-Bewegung weltweit. Charakteristisch sind seine klaren geometrischen Formen, verschiebbaren Wände und die Verwendung der Primärfarben Rot, Blau und Gelb, inspiriert von den Werken Piet Mondrians. Noch heute wirkt das Gebäude erstaunlich modern und zeigt, wie revolutionär die Ideen des niederländischen Modernismus bereits vor hundert Jahren waren. Vom Stadtzentrum führt ein breiter und beliebter Radweg direkt dorthin.

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The Rietveld Schröderhuis in Utrecht
Das Rietveld-Schröderhuis in Utrecht
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Der berühmteste Regenbogen-Radweg der Welt

Der bereits erwähnte Radweg ist die tägliche Pendelstrecke der Studierenden zur Universität Utrecht. Gleichzeitig gehört er dank seines charakteristischen regenbogenfarbenen Belags zu den bekanntesten Radwegen der Welt. Die farbigen Streifen wurden als Symbol für Vielfalt, Offenheit und Gleichberechtigung gestaltet – Werte, für die Utrecht und seine akademische Gemeinschaft bekannt sind. Der Radweg entwickelte sich schnell zu einem beliebten Fotomotiv und zu einem der bekanntesten modernen Wahrzeichen des Radverkehrs in Utrecht. Er zeigt außerdem, wie selbst ganz gewöhnliche Radinfrastruktur in den Niederlanden Teil der Identität und des öffentlichen Raums einer Stadt werden kann.

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Rainbow cycle path at Utrecht University
Regenbogen-Radweg an der Universität Utrecht
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Eine Übernachtung auf einem Campingplatz in einem Fort

Als hätten wir noch nicht genug niederländische Festungsanlagen gesehen, befand sich unsere Unterkunft an diesem Tag natürlich in ... einem alten Fort! Im Fort Werk aan de Korte Uitweg gibt es einen kleinen Campingplatz sowie Übernachtungsmöglichkeiten in den ehemaligen Militärgebäuden. Das Fort wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Teil der Neuen Holländischen Wasserlinie errichtet und sollte Schleusen sowie Straßen schützen, die durch überflutbare Gebiete führten. Heute haben die ehemaligen Kasernen und Lagergebäude eine völlig neue Funktion erhalten – man kann mitten in den historischen Festungsanlagen übernachten, umgeben von Erdwällen, Wassergräben und viel Grün. Der Campingplatz ist ruhig, klein und bei Radreisenden in Mittelholland sehr beliebt. Am Abend herrscht hier eine ganz besondere Atmosphäre – einen niederländischeren Tagesabschluss als eine Übernachtung in einem ehemaligen Fort der Wasserlinie kann man sich kaum vorstellen.

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Camping at Werk aan de Korte Uitweg
Camping im Fort Werk aan de Korte Uitweg

Die Liste der Orte, die wir am folgenden Tag besuchten, begann mit dem lebendigen und farbenfrohen Culemborg. Fast bedauerten wir, dass es noch zu früh am Tag und damit auch zu früh für eine längere Pause vom Radfahren war. Das historische Zentrum ist voller schmaler Gassen, Cafés und kleiner Geschäfte in ehemaligen Kaufmannshäusern. Über Jahrhunderte war Culemborg eine bedeutende Handelsstadt am Lek und hat bis heute große Teile seiner alten Befestigungsanlagen und des mittelalterlichen Straßennetzes bewahrt. Besonders markant ist das Binnenpoort – eines der wenigen erhaltenen Stadttore der Niederlande, das an die Zeit erinnert, als sich Städte wie Culemborg mit Mauern und Wassergräben schützten. Sehenswert ist außerdem das ehemalige Elisabeth Weeshuis – das erste eigens als Waisenhaus errichtete Gebäude der Niederlande, das hier seit dem 16. Jahrhundert besteht.

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Market square in Culemborg
Marktplatz in Culemborg
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Jedes Fort erzählt ein Stück niederländischer Geschichte

Auf den nächsten Kilometern fiel uns ein kleiner, schlichter Betonbunker direkt am Straßenrand ins Auge – eines der vielen erhaltenen Bauwerke der Neuen Holländischen Wasserlinie. Dieser Bunker ist jedoch etwas Besonderes, denn er wurde halbiert, sodass Besucher sein Inneres und den Aufbau seiner dicken Stahlbetonwände sehen können. Solche Bauwerke entstanden überwiegend in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Ergänzung der älteren Forts und des Überflutungssystems. Heute wirkt der Bunker fast wie eine minimalistische Skulptur inmitten der ruhigen niederländischen Landschaft und macht die militärische Bedeutung dieser Gegend vor nur hundert Jahren anschaulich. Er gehört zu jenen kleinen Details entlang der Route, die eindrucksvoll zeigen, wie groß und sorgfältig geplant das gesamte niederländische Wasserliniensystem war.

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Cut-open bunker of the New Dutch Waterline
Geöffneter Bunker der Neuen Holländischen Wasserlinie

Zwischen den grünen Wassergräben erhebt sich das Fort bij Herwijnen (Fort bij de Nieuwe Steeg), das Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Das Fort ist von breiten Wassergräben und Erdwällen umgeben, die die darunter verborgenen Unterstände und Artilleriestellungen vor Beschuss schützen sollten. Die Anlage entstand an einer strategisch wichtigen Stelle an der Waal, wo das Wasserliniensystem bedeutende Übergänge und Deiche im Flusstal sichern sollte. Charakteristisch sind die beiden bis heute erhaltenen Betonunterstände des Typs groepsschuilplaats, die während der Mobilmachungszeit vor dem Zweiten Weltkrieg innerhalb der Festungsanlage errichtet wurden. Besonders aus der Drohnenperspektive wird die geometrische Anordnung der Wassergräben, Erdwälle und begrünten Dächer der alten Befestigungen sichtbar, die fast mit der umgebenden Polderlandschaft verschmelzen.

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Fort bij Herwijnen near Gorinchem
Fort bij Herwijnen bei Gorinchem
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Die besterhaltenen Festungsstädte der Niederlande

Gorinchem erschien uns als eine wunderschöne Stadt, obwohl wir sie bei Regen besuchten. Sie gehört zu den besterhaltenen Festungsstädten der Niederlande, deren charakteristische sternförmige Befestigungsanlagen auch heute noch aus der Luft deutlich zu erkennen sind. Gorinchem entwickelte sich zu einem bedeutenden Handelshafen an Waal und Merwede, und seine strategische Lage machte die Stadt über Jahrhunderte zu einem wichtigen Verteidigungspunkt der Niederländischen Republik. Im Zentrum sind Teile der alten Stadtmauern, Bastionen sowie historische Gebäude mit schmalen Gassen, Grachten und zahlreichen Backsteinhäusern erhalten geblieben. Ein weiterer charakteristischer Ort ist der große Marktplatz, der von Cafés und historischen Kaufmannshäusern umgeben ist. Beim Spaziergang durch Gorinchem fällt schnell auf, dass die Stadt trotz ihrer Beliebtheit bei Touristen eine ruhigere und deutlich lokalere Atmosphäre bewahrt hat als die größten Städte der Niederlande. Hier überquert die Wasserlinie-Route die Waal, und eine kleine Fähre bringt Reisende von Südholland nach Nordbrabant und in die nächste reizvolle Stadt entlang der Route – Woudrichem.

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Aerial view of Gorinchem
Luftaufnahme von Gorinchem

Woudrichem gehört zu den stimmungsvollsten Kleinstädten entlang der Wasserlinie-Route. Die Stadt liegt dort, wo Waal und Afgedamde Maas zur Merwede zusammenfließen, und ihre strategische Lage bestimmte über Jahrhunderte ihre Bedeutung für die Verteidigung der Niederlande. Bereits im 14. Jahrhundert erhielt Woudrichem die Stadtrechte, wurde mit Mauern umgeben und befestigt; später wurden die Anlagen Teil der Neuen Holländischen Wasserlinie. Bis heute ist der nahezu vollständige Grundriss der ehemaligen Festungsstadt mit Bastionen, Wassergräben, historischem Hafen und schmalen Gassen zwischen Backsteinhäusern erhalten geblieben. Im alten Hafen liegen noch immer traditionelle niederländische Segelschiffe vor Anker und erinnern an die Fischereigeschichte der Stadt sowie an die jahrhundertelange Verbindung ihrer Bewohner mit dem Fluss. Eines der Wahrzeichen der Stadt ist die gotische St.-Martins-Kirche mit ihrem massiven Turm, der den Spitznamen Mosterdpot („Senftopf“) trägt.

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Cycling through the streets of Woudrichem
Mit dem Fahrrad durch die Straßen von Woudrichem

Gemeinsam mit Gorinchem und dem Schloss Loevestein, das mit einer kleinen Fahrradfähre erreichbar ist, bildet Woudrichem das berühmte „Festungsdreieck“. Die Stadt hat außerdem einen interessanten Bezug zur Geschichte der Zeitmessung in den Niederlanden: In ihrer Nähe verlief der frühere Amsterdamer Meridian, der viele Jahre lang zur Bestimmung der offiziellen Landeszeit diente. Auch die Bedeutung der Merwede ist in Woudrichem allgegenwärtig. Seit Jahrhunderten gehört sie zu den wichtigsten Wasserstraßen der Niederlande und wurde für den Warentransport zwischen den Seehäfen und dem Landesinneren genutzt. Interessanterweise entstand die Merwede dort, wo einst die Maas mündete, nachdem sich ihr Lauf infolge großer Überschwemmungen und zahlreicher wasserbaulicher Maßnahmen der Niederländer verändert hatte.

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Woudrichem from above
Woudrichem aus der Luft
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Ruhe und Natur im Nationalpark De Biesbosch

Hinter Woudrichem, südlich der Merwede, veränderte sich die Landschaft erneut. Sie wurde noch ruhiger und naturnäher. In diesem Abschnitt passten wir den Verlauf der Wasserlinie-Route an unsere eigenen Pläne an und bogen nach Westen in Richtung Nationalpark De Biesbosch ab. Der Nationalpark De Biesbosch gehört zu den größten Süßwasser-Feuchtgebieten Europas und zu den außergewöhnlichsten Naturlandschaften der Niederlande. Er entstand nach der verheerenden Elisabethenflut von 1421, die weite landwirtschaftliche Flächen überflutete und das Flusssystem im Rhein-Maas-Delta dauerhaft veränderte. Heute prägen ein dichtes Netz aus Kanälen, Flussarmen, Schilfflächen und Auwäldern die Landschaft, zwischen denen schmale Radwege und kleine Fähren verkehren.

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Map of De Biesbosch National Park
Karte des Nationalparks De Biesbosch

De Biesbosch gehört außerdem zu den Orten in den Niederlanden, an denen der Einfluss der Gezeiten noch deutlich spürbar ist. Trotz der großen Entfernung zur Nordsee steigt und fällt der Wasserstand hier weiterhin sanft mit Ebbe und Flut. Zugleich ist das Gebiet eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete des Landes sowie Schauplatz eines erfolgreichen Biber-Wiederansiedlungsprogramms, durch das die Tiere in den 1980er-Jahren nach Jahrhunderten der Abwesenheit zurückkehrten. Nach mehreren Tagen zwischen Festungen, Kanälen und historischen Städten zeigte uns De Biesbosch eine völlig andere Seite der Niederlande – wilder, ruhiger und überraschend naturnah. Die besondere Atmosphäre wurde zusätzlich durch einen farbenprächtigen Sonnenuntergang und Vogelschwärme verstärkt, die über den nahe gelegenen Feuchtgebieten kreisten.

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Cycling through De Biesbosch National Park
Mit dem Fahrrad durch den Nationalpark De Biesbosch

Im Nationalpark De Biesbosch konnten wir auch die unterschiedlichen Familienkonstellationen beobachten, in denen die Niederländer zu Radreisen aufbrechen. Besonders charmant war der Anblick eines Vaters, der gemeinsam mit seinen beiden Töchtern auf einem einzigen Fahrrad unterwegs war. Es ist ein weiteres Beispiel für das faszinierende Thema der niederländischen Fahrradkultur und dafür, wie selbstverständlich das Fahrrad hier in den Alltag integriert ist. Ich weiß nicht einmal, ob es sich um ein serienmäßig gebautes Modell oder eher um einen lokalen Umbau handelte, doch die Szene zeigte perfekt, in welche Richtung sich die niederländische Gesellschaft seit Jahren entwickelt – mit dem Fahrrad als natürlichem Verkehrsmittel, Reisebegleiter und Möglichkeit, gemeinsam Zeit mit der Familie zu verbringen.

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Family cycling in De Biesbosch National Park
Familie auf Fahrradtour im Nationalpark De Biesbosch

Wer auf der Wasserlinie-Route durch die Niederlande unterwegs ist, sollte sich auf zahlreiche Querungen von Flüssen und Kanälen einstellen – sowohl auf kleinen als auch auf großen Gewässern. Am Vortag hatten wir bereits zweimal eine Fähre und anschließend ein kleines Wassertaxi über Lek und Merwede genutzt. Nach dem Verlassen des Nationalparks De Biesbosch erwartete uns dann eine weitere kleine, aber – wie man sieht – beliebte Überfahrt über den schmalen Steurgat-Kanal. Fahrräder sind überall selbstverständlich willkommen, und Fähren sowie Boote sind auf die Bedürfnisse von Radfahrern ausgelegt. Manchmal muss man allerdings kurz warten – entweder bis zur planmäßigen Abfahrt oder, wie auf dem Foto, bis die kleine Fähre vom gegenüberliegenden Ufer zurückkehrt.

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Small bicycle ferry near De Biesbosch National Park
Kleine Fahrradfähre beim Nationalpark De Biesbosch
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Einfache Navigation dank der niederländischen Knotenpunkte

Die Navigation mit dem Fahrrad in Nordbrabant und entlang der gesamten Route ist einfach und dürfte niemandem Schwierigkeiten bereiten. Man kann einer klassischen Papierkarte folgen, die Informationstafeln mit Karten entlang der Strecke nutzen oder per GPS mit einer zuvor gespeicherten GPX-Datei navigieren. Die Niederlande gehören außerdem zu den Ländern, in denen das Radknotenpunktsystem (knooppunten) besonders gut funktioniert und an unzähligen Kreuzungen im ganzen Land zu finden ist. Auf den Wegweisern lassen sich problemlos sowohl die Markierungen der Wasserlinie-Route (Waterlinieroute), der Maasroute als auch die Nummern der benachbarten Radknotenpunkte erkennen, wodurch sich eigene Routenvarianten leicht planen lassen. Besonders gut gefielen mir die großen Übersichtstafeln aus Naturholz – schlicht, ästhetisch und perfekt passend zur ruhigen und hervorragend organisierten Landschaft der niederländischen Radwege.

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Signposts and nodes on the Waterline Route
Wegweiser und Knotenpunkte an der Wasserlinie-Route
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Das angenehme Breda zum Abschluss der Reise

Unsere Reise auf der Wasserlinie-Route endete in der angenehmen Stadt Breda. Besonders aufmerksam wurden wir auf das Maczek Memorial Breda – ein modernes Museum und Denkmal, das dem polnischen General Stanisław Maczek und den Soldaten der 1. Panzerdivision gewidmet ist, die die Stadt im Herbst 1944 von der deutschen Besatzung befreiten. Breda wurde dank der Entscheidungen der polnischen Befehlshaber ohne schwere Kämpfe und größere Zerstörungen eingenommen, da sie die historische Altstadt und die Zivilbevölkerung schützen wollten. Das Museum erzählt auf moderne und sehr persönliche Weise sowohl die Geschichte der Soldaten der Division als auch den Alltag der befreiten niederländischen Bevölkerung. Besonders bewegend sind die Erinnerungen der Einwohner von Breda, die die polnischen Soldaten bis heute als ihre Befreier in Erinnerung behalten haben. Auch heute ist in der Stadt leicht zu erkennen, dass das Andenken an General Maczek lebendig geblieben ist – Straßen, Kreisverkehre und Einrichtungen tragen seinen Namen, und bei lokalen Gedenkveranstaltungen sind regelmäßig polnische Fahnen und Symbole zu sehen.

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Maczek Memorial Breda
Maczek Memorial Breda
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Die Wasserlinie-Route gehört zu den besten

Wir bewerten die gesamte Wasserlinie-Route sehr hoch und sehen sie eindeutig unter den besten Radfernrouten Europas (ein Update folgt in Kürze!). Für die Radinfrastruktur vergeben wir 5 von 5 Punkten – auch wenn es gar nicht so viele vollständig getrennte Radwege gibt, sorgen Fahrradstraßen und Radfahrstreifen für ein sehr hohes Maß an Komfort und Sicherheit. Auch bei den Sehenswürdigkeiten ist die Höchstwertung gerechtfertigt – die Wasserlinie-Route ist eine Reise voller faszinierender Orte. Für die Landschaft vergeben wir 3 Punkte, denn obwohl sie oft grün und naturnah ist, ist sie zugleich sehr flach und vielerorts stark besiedelt. Die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, insbesondere mit der Bahn – 5 Punkte. Die Unterkunftsmöglichkeiten – 4 Punkte, da wir das gastronomische Angebot nicht überall als besonders vielfältig empfanden. Die touristischen Informationen über die Route und die Region sind hingegen vorbildlich – besonders wenn man bedenkt, dass die Wasserlinie-Route erst 2021 geschaffen wurde.

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Cycling along the Dutch canals
Mit dem Fahrrad entlang der niederländischen Kanäle
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Ruhige Übernachtungen auf niederländischen Campingplätzen

Während unserer Reise übernachteten wir sowohl in Hotels als auch auf Campingplätzen. Die erste und die letzte Nacht verbrachten wir unter einem festen Dach, die Nächte unterwegs auf zuvor ausgewählten Campingplätzen. Alle Plätze waren sehr gepflegt, sauber und ruhig, und wir trafen überall auf freundliche Nachbarn, die mit Wohnmobil, Zelt oder Fahrrad unterwegs waren. Die Niederländer lieben diese Art des Reisens offensichtlich, was sich deutlich in der Qualität der touristischen Infrastruktur und der Organisation der Campingplätze widerspiegelt. Besonders in Erinnerung geblieben sind uns die Übernachtung auf dem Campingplatz in einem ehemaligen Fort sowie unser Aufenthalt inmitten der Natur des Nationalparks De Biesbosch. Auch in den Hotels standen uns sichere Abstellmöglichkeiten für unsere Fahrräder zur Verfügung, was wir bereits bei der Buchung abgeklärt hatten.

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Accommodation in De Biesbosch National Park
Übernachtung im Nationalpark De Biesbosch
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Die ersten Kilometer auf Koga-Fahrrädern

Der Test der Koga-WorldTraveller-Fahrräder, zu dem unsere Reise entlang der niederländischen Wasserverteidigungslinien wurde, verlief ausgesprochen erfolgreich. Ein typisches Expeditionsrad mit höherem Gewicht, aber ohne Elektroantrieb zu fahren, war eine sehr interessante Erfahrung – vor allem, weil sie sich in der Praxis als überraschend angenehm erwies. Die auf den ersten Blick schwere Konstruktion fühlte sich während der Fahrt erstaunlich lebendig an, was vermutlich auf die hochwertigen Komponenten, die gelungene Geometrie und die durchdachte Gesamtkonstruktion des Fahrrads zurückzuführen ist. Unsere Kogas meisterten sowohl die glatten Asphalt-Radwege als auch die raueren Abschnitte bei den Forts und Hochwasserschutzdeichen problemlos. Wie man sieht, habe ich vor der Reise noch die Lenkergriffe ausgetauscht und einen Rückspiegel montiert – was an einem Fahrrad wie diesem vielleicht etwas ungewöhnlich wirkt. Aber mal ehrlich – was wäre ein Fahrrad ohne Spiegel ... ;)

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A Koga bike on the Waterline Route
Ein Koga-Fahrrad auf der Wasserlinie-Route
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Amsterdam als interessante Ergänzung der Route

Wenn Sie Amsterdam noch nicht besucht haben oder nach früheren Besuchen noch tiefer in die Atmosphäre der Stadt eintauchen möchten, bietet eine Reise auf der Wasserlinie-Route die perfekte Gelegenheit dazu. Und obwohl Amsterdam zu den beliebtesten Reisezielen Europas gehört, gibt es hier noch immer Orte ohne Menschenmassen, deren Besuch den eigenen Blick auf die Welt erweitern kann. Aus der langen Liste der Sehenswürdigkeiten wählten wir unter anderem das berühmte Rijksmuseum und das Amsterdam Museum. Anschließend unternahmen wir zur Entspannung und um die besondere Stimmung der Stadt auf uns wirken zu lassen eine Grachtenfahrt durch Amsterdam. Das klingt zunächst nach einer typischen Touristenattraktion, ermöglicht aber einen völlig anderen Blick auf die Stadt – ruhiger, entspannter und malerischer als die belebten Straßen im Zentrum. Vom Wasser aus lassen sich die charakteristischen schmalen Grachtenhäuser, die Brücken über die Kanäle und das Alltagsleben der immer kleiner werdenden Zahl echter Einheimischer besonders gut beobachten.

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Historic architecture of Amsterdam
Historische Architektur in Amsterdam

Das Rijksmuseum, das Nationalmuseum der Niederlande, ist ein absoluter Klassiker und bietet die Gelegenheit, Werke der größten Meister der niederländischen Malerei zu bewundern – darunter Rembrandt, Johannes Vermeer und Frans Hals. Die meisten Besucher zieht es zur berühmten Nachtwache von Rembrandt, um die sich fast immer Menschen aus aller Welt versammeln – auch wenn das Gemälde bei unserem Besuch gerade restauriert wurde. Andere bleiben fasziniert vor Vermeers Die Milchmagd stehen. Wieder andere können den Blick nicht von der charakteristischen blau-weißen Delfter Keramik lösen, die über Jahrhunderte zu den Symbolen niederländischer Handwerkskunst und des Handels gehörte. Ebenso beeindruckend wie die Sammlung ist das Museumsgebäude selbst – groß, repräsentativ und lichtdurchflutet. Beim Rundgang durch die Galerien wird deutlich, wie sich die niederländische Kultur und Kunst im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben. Und dann ist da noch die Fahrradunterführung unter dem Gebäude – auch sie ist eine Form von Kunst, wenn auch einer ganz anderen Art.

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The Milkmaid by Johannes Vermeer at the Rijksmuseum
Die Milchmagd von Johannes Vermeer im Rijksmuseum

Das Amsterdam Museum bietet wiederum eine Fülle an Informationen über die Geschichte der Stadt – auf eine sehr angenehme und anschauliche Weise vermittelt. Unter anderem erfuhren wir, wie sich Amsterdam von einer kleinen Fischersiedlung zu einem der bedeutendsten Häfen und Handelszentren Europas entwickelte. Viel Raum widmet die Ausstellung außerdem dem Alltagsleben der Einwohner, der kolonialen Vergangenheit der Stadt und ihren modernen gesellschaftlichen Veränderungen. Das Museum wirkt weniger „postkartenhaft“ als das Rijksmuseum, vermittelt dafür aber ein deutlich besseres Verständnis dafür, woher der heutige Charakter Amsterdams stammt.

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Exhibition at the Amsterdam Museum
Ausstellung im Amsterdam Museum

Auch für Menschen, die sich intensiv mit Fahrradkultur und moderner Mobilität beschäftigen, bietet die Stadt unzählige Eindrücke. In Amsterdam ist das Fahrrad keine Ergänzung des Verkehrssystems, sondern dessen vollständig integrierte Grundlage – mit eigener Infrastruktur, Vorrang an Kreuzungen und riesigen Fahrradparkhäusern an den Bahnhöfen. Besonders beeindruckend ist die Zahl der Menschen, die unabhängig von Alter oder Wetter täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen fahren. Für alle, die sich mit Verkehrs- und Infrastrukturplanung beschäftigen, bleibt Amsterdam einer der spannendsten Beobachtungsorte Europas. Und dann ist da noch das außergewöhnliche Fahrradparkhaus für 7.000 Fahrräder, das direkt vor dem Bahnhof Amsterdam Centraal unter der Wasseroberfläche gebaut wurde – wow!

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Underwater bicycle parking near the central station in Amsterdam
Unterirdisches Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof Amsterdam
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Eine hervorragende Reise entlang der niederländischen Wasserlinien

Es war eine hervorragende Reise. Heute kann ich ohne jeden Zweifel sagen, dass die Niederlande zu den besten Ländern Europas für den Radtourismus gehören. Manche mögen Berge, Anstiege und abwechslungsreicheres Gelände vermissen, doch für viele Radreisende wird das nahezu vollkommen flache Profil ein großer Vorteil sein, weil es ermöglicht, sich ganz auf die Landschaften, Städte und den entspannten Rhythmus der Reise zu konzentrieren. Kombiniert mit der hervorragenden Radinfrastruktur, den ausgezeichnet organisierten Routen und dem einzigartigen historischen sowie ingenieurtechnischen Hintergrund wird die Wasserlinie-Route zu einer großartigen Inspiration für einen Radurlaub.

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Have a safe ride! 💚

Simon Thread
(Szymon Nitka)

I'm a passionate cycling traveler and the voice behind Cycling Thread. I explore Europe on two wheels, documenting the most scenic routes, inspiring places and cyclist-friendly practices. My writing blends personal experience with practical insights and a deep love of travel. I'm also a contributor to National Geographic Traveler magazine.

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