Die Schweizer Alpen entdecken: Auf der Seen-Route durch die Schweiz radeln
Die Schweiz wie von einer Postkarte - so beschreibt die offizielle Website der Schweizer Velorouten die Seen-Route und ihre Attraktionen. Und tatsächlich ist dies die perfekte Zusammenfassung der mehr als 500 Kilometer langen Strecke, die nicht nur zehn wunderschöne Schweizer Seen miteinander verbindet, sondern auch ins malerische Werdenberg, ins wunderschöne Luzern am Fuss des markanten Pilatus, ins einzigartig gelegene Iseltwald am Ufer des Brienzersees, in die Heimat des berühmten Gruyère-Käses sowie zu den UNESCO-geschützten Weinbergen des Lavaux am Genfersee führt. In unserer Interpretation der Seen-Route haben wir zudem Zürich und Lausanne einbezogen, die den Start- und Endpunkt unserer abwechslungsreichen Veloreise durch die Schweiz bildeten.
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Route on the map
GPX file (GPS track): cyclingthread.com-switzerland-2022.gpx
Seen-Route in der Schweiz - Inhaltsverzeichnis
- Neun nationale Velorouten in der Schweiz
- Mit dem Handbike auf einer Schweizer Veloroute
- Der Zürichsee statt des Bodensees
- Zwei Tage im überraschenden Zürich
- Das Schweizerische Nationalmuseum für alle, die das Land verstehen möchten...
- ...und ein Strand am See für die Bewohner
- Auf der Regionalroute Nr. 94 zur Seen-Route
- Die beliebte Expat-Stadt Zug
- Aussergewöhnliche Schweizer Velorouten
- Luzern - die schönste Stadt der Schweiz
- Das fantastische Verkehrshaus der Schweiz
- Entlang des Sees mit Blick auf den Pilatus
- Anstieg zwischen den Seen
- Mehrere Prozent Steigung sind eine echte Herausforderung
- Der Wasserfall, an dem Sherlock Holmes sein Ende fand
- 1,5 Kilometer durch die Aareschlucht
- Traditionelle Rösti mit Ei zum Abendessen
- Postkarten-Schweiz am Brienzersee
- Der Charme von Iseltwald
- Zwischen den Seen, wie der Name schon sagt
- Ein besonderer roter Fahrstreifen für Velofahrer
- Das längste Treppenrennen der Welt
- Ein Hotel mit Blick auf den Thunersee
- Veloreisen im Swisstainable-Stil
- Traditionelle Holzhäuser im Simmental
- Velofahrer, wähle deinen Anstieg
- Madonna und Polanski in Alpine Hollywood
- Rougemont gehört zu den schönsten Dörfern der Schweiz
- Eine Nacht im Schweizer Agrotourismus
- Keine radfahrerfreundlichen Unterkünfte in der Schweiz
- Die Ballonhauptstadt der Schweiz - Château-d’Oex
- Ein Halt auf der Grand Tour of Switzerland
- Französisch links, Deutsch rechts
- Geburtstagsfondue mit Gruyère-Käse
- Gruyères - Burgen, Aliens und das Tibet-Museum
- Selbst die besten Routen haben ihre schwächeren Abschnitte
- Eine spektakuläre Veloroute durch aussergewöhnliche Weinberge
- Die drei Sonnen der Lavaux-Weinberge
- Das olympische Lausanne - ein perfektes Finale
- Das Olympische Museum in der Welthauptstadt des Sports
- Sechs Tage reichen für die Seen-Route nicht aus
- Rhein-Route, Seen-Route, Jura-Route...
Neun nationale Velorouten in der Schweiz
Die Seen-Route ist eine der neun nationalen Velorouten der Schweiz. Diese Routen sind zwischen 250 und 500 Kilometer lang und führen durch alle Regionen des Landes. Von diesen nationalen Routen sind wir bereits die Rhein-Route (Nummer 2), die hier beschriebene Seen-Route (Nummer 9) sowie die Jura-Route (Nummer 7) gefahren, die wir direkt nach der Seen-Route bereist haben. Die Schweizer Velorouten, die in nationale, regionale und lokale Routen unterteilt sind, werden auf der Website von SchweizMobil vorgestellt. Dort finden sich grundlegende Informationen zu Länge und Schwierigkeitsgrad jeder Route, Karten, Höhenprofile, Beschreibungen der Tagesetappen und sogar eine eigene App. Dieses Netz aus neun nationalen Routen ist ein hervorragender Ausgangspunkt für die Planung einer Veloreise durch die Schweiz - selbst für besonders anspruchsvolle Radtouristen. Allerdings sind nur drei dieser Routen vergleichsweise einfach, da sie Flüssen folgen - die Rhein-Route, die Rhone-Route und die Aare-Route.
Mit dem Handbike auf einer Schweizer Veloroute
Obwohl die meisten Schweizer Velorouten aufgrund der Topografie des Landes eine gewisse Kondition erfordern, erleichtert die fortschrittliche Organisation des Velotourismus das Reisen erheblich. Irgendwo im Simmental gelang mir ein eindrucksvolles Foto, das die Frage beantwortet, wie Velorouten gestaltet werden sollten. Einige Schotterabschnitte der Schweizer Seen-Route sind sogar für Menschen mit einem Handbike befahrbar - einem mit den Armen angetriebenen Rollstuhl, der häufig von Personen mit eingeschränkter Mobilität genutzt wird. Das zeigt den Schlüssel zu erfolgreichem Velotourismus: Die Infrastruktur sollte nicht nur für fitte Erwachsene zugänglich sein, sondern auch für Seniorinnen und Senioren, Familien mit Kindern, Menschen mit Behinderungen und sogar für Nutzer von Lastenrädern - unabhängig vom Untergrund. Diese durchdachte Form des Velotourismus versuche ich in unseren Reiseberichten zu zeigen und wünsche mir ihre breite Umsetzung in ganz Europa.
Der Zürichsee statt des Bodensees
Da sich der erste Abschnitt der Seen-Route weitgehend mit der bereits von uns gefahrenen Rhein-Route überschneidet und wir Wiederholungen möglichst vermeiden möchten, begannen wir unsere Reise in Zürich am Zürichsee, nur etwa 25 Kilometer von der Seen-Route entfernt. So konnten wir Zürich kennenlernen und gleichzeitig bereits bekannte Strecken auslassen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der ausgelassene Anfangsabschnitt landschaftlich ausgesprochen reizvoll ist und sich auf jeden Fall lohnt, wenn man die Region noch nicht kennt. Er folgt zunächst dem Bodensee, quert das Rheindelta, verläuft durch das breite Alpenrheintal und besucht anschliessend vier Alpenseen, darunter das südliche Ende des Zürichsees. Dadurch verlängert sich die Route um rund 200 Kilometer, sodass für die komplette Seen-Route etwa acht statt der hier beschriebenen fünf Velotage erforderlich sind.
Zwei Tage im überraschenden Zürich
Zürich begrüsste uns mit einer unerwarteten Überraschung - seiner Topografie. Der Weg zu der Wohnung, die wir für zwei Tage gemietet hatten und die auf der Karte kurz und einfach aussah, verwandelte sich am Abend in eine Serpentinenfahrt durch die Stadt mit fast 100 Höhenmetern zwischen dem Hauptbahnhof und dem Universitätsviertel. Ich hätte nie erwartet, mitten in einer europäischen Stadt auf Steigungen zu treffen, die an San Francisco erinnern. Der morgendliche Blick von unserem Balkon machte jedoch alles wett - vor uns lag die grösste zusammenhängende Stadtlandschaft der Schweiz, umgeben von Hügeln. Tausende Büros im Finanzzentrum des Landes erwachten zum Leben, während wir unseren Ferienkaffee auf dem Balkon genossen. Gegenüber erhob sich der Uetliberg (knapp ausserhalb unseres Blickfeldes) mit seinem beliebten Aussichtsturm, der über die Uetlibergbahn erreichbar ist. In der Ferne schaukelten Hunderte von Yachten und Booten auf dem Zürichsee. Schon bald würden sich die Uferpromenaden mit Zürcherinnen und Zürchern füllen, die den Sommer geniessen - einige von ihnen später auch auf den Dachterrassen der umliegenden Gebäude, die zu aussergewöhnlichen Clubs umgestaltet wurden.
Das Schweizerische Nationalmuseum für alle, die das Land verstehen möchten...
Für unseren ersten Aufenthalt in Zürich wählten wir das Schweizerische Nationalmuseum direkt neben dem Hauptbahnhof. Zu den Dauerausstellungen gehören „Geschichte der Schweiz“, „Ideen Schweiz“ und „Einfach Zürich“, die unsere Reise perfekt ergänzten. Das Museum überfordert nicht mit einer Fülle von Exponaten, und die Ausstellungen erklären die einzelnen Themen prägnant und verständlich. Schon seit Langem habe ich den Eindruck, dass die Schweizer verstanden haben, dass heutige Museumsbesucher selten mehrere Stunden mit einer Ausstellung verbringen möchten und dass eine kompakte Wissensvermittlung sowohl das Verständnis als auch die Zufriedenheit erhöht. Aus dem Schweizerischen Nationalmuseum nahm ich unter anderem die Geschichte von Guillaume Henri Dufour mit - einem Ingenieur und Offizier des 19. Jahrhunderts, der zu den fünf Gründern der heutigen Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung gehörte und zugleich Kartograf war. Auf seine Initiative entstand Mitte des 19. Jahrhunderts die erste topografische Karte der Schweiz. Die zur Darstellung des Reliefs verwendete Schattierungstechnik war so herausragend, dass die Dufourkarte als Meilenstein der europäischen Kartografie gilt.
...und ein Strand am See für die Bewohner
Die Altstadt von Zürich wirkt etwas anders als das, was man gewöhnlich mit historischen Stadtzentren verbindet. Vielleicht ist sie einfach zu gepflegt, um das typische Gefühl einer „alten“ Stadt hervorzurufen. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören das Renaissance-Rathaus, das Grossmünster - eine romanische Kirche von grosser Bedeutung für die Reformation - sowie bekannte Strassen und Gassen wie die Bahnhofstrasse oder die Augustinergasse, die man am besten zu Fuss oder dort, wo es erlaubt ist, mit dem Velo erkundet. Besonders genossen haben wir die sommerliche Atmosphäre Zürichs, die sich an den Stränden und Badeplätzen am Zürichsee zeigte. Die Uferbereiche waren hervorragend auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Einwohner und vermutlich auch vieler Besucher abgestimmt. Einige schwammen im See und ruhten sich später auf weit draussen verankerten Flossen aus. Andere sonnten sich mit Freunden auf den grossen Wiesen entlang des Ufers. Wieder andere entspannten unter Sonnenschirmen in den zahlreichen Cafés und Restaurants und tranken dabei oft ein charakteristisches orangefarbenes Sommergetränk aus den typischen runden Gläsern.
Auf der Regionalroute Nr. 94 zur Seen-Route
Die ersten 25 Kilometer in Richtung Seen-Route führten entlang der Sihl auf der Regionalroute Nr. 94, die in der Nähe des Hauptbahnhofs beginnt. Offenbar hatten wir einen beliebten Ausflugsweg erwischt, denn zahlreiche Zürcherinnen und Zürcher waren mit ihren Familien in dieselbe Richtung unterwegs. Auf weiten Abschnitten verlief die Route direkt am Flussufer, sogar noch innerhalb der Stadt Zürich. Später schützte sie die Radfahrer im dicht bewaldeten Tal vor der starken Sonne. Schon diese kurze Strecke zeigte uns, dass auch die regionalen zweistelligen Velorouten der Schweiz hervorragend vorbereitet, attraktiv geführt und zuverlässig signalisiert sind. Zudem bewältigten wir die ersten 200 Höhenmeter angenehm und beinahe unbemerkt, während wir die Natur entlang der Strecke genossen.
Die beliebte Expat-Stadt Zug
Auf dem Weg nach Luzern machten wir Halt in Zug, einer Stadt am gleichnamigen See. In den engen Gassen der Altstadt suchten wir nach dem Blick auf den Zytturm, den markanten Turm aus dem 14. Jahrhundert. Einst war er Stadttor und Teil der Befestigungsanlagen, heute ist er mit seiner Uhr eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Einen schönen Blick über Zug bietet der Guggi, ein kleiner Hügel im Stadtzentrum, der beim Bau des Gotthardtunnels im späten 19. Jahrhundert entstand. Das eigentliche Wahrzeichen der Stadt ist jedoch die eher unscheinbare Burg Zug aus dem 11. Jahrhundert, in der heute ein historisches Museum untergebracht ist. Trotz ihres bescheidenen Erscheinungsbildes erfreut sich Zug grosser Beliebtheit bei Expats, was sich in ihren Spitzenplätzen in internationalen Städterankings der letzten Jahre widerspiegelt. Besonders geschätzt werden die berühmten niedrigen Steuern sowie die Nähe zu den Alpen, die als Freizeitregion ausserordentlich attraktiv sind.
Aussergewöhnliche Schweizer Velorouten
Zwischen Zug und Luzern entdeckten wir, was uns die Seen-Route in den kommenden Tagen bieten würde. Hellblaue Wegweiser mit einer Velonummer [9] führten uns entweder über ruhige, schmale öffentliche Strassen, die vor allem von Anwohnern genutzt werden und auf Radfahrer eingestellt sind, oder über Wege, die ausschliesslich Fussgängern und Velofahrern vorbehalten waren. Die Oberflächen wechselten zwischen Asphalt und festem, gut befahrbarem Schotter. Die Signalisation war tadellos - klar, verständlich und genau dort vorhanden, wo sie gebraucht wurde. Kurz vor Luzern ertappten wir uns sogar dabei, über die schweizerische Ordnungsliebe zu schmunzeln: Ein wunderschöner Fussweg verlief direkt am smaragdgrünen Wasser der Reuss, während Radfahrer auf eine parallel verlaufende Strasse einige Dutzend Meter weiter geleitet wurden, leider hinter einer Wand aus Bäumen. Wenig später bat ich Ola um ein Erinnerungsfoto unter einer Gruppe von Velowegweisern, die an einer Stelle zusammenstanden, und kurz darauf gelangten wir auf einen attraktiven gemeinsamen Fuss- und Veloweg entlang des Flusses, der uns direkt ins Zentrum von Luzern führte.
Luzern - die schönste Stadt der Schweiz
Luzern wird oft als die schönste Stadt der Schweiz bezeichnet. Nach einer kurzen Fahrt durch die Strassen dieser vor über 800 Jahren gegründeten Stadt fanden wir keinen Grund, dieser Einschätzung zu widersprechen. Zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten gehört der Weinmarkt mit dem ältesten gotischen Brunnen der Stadt, der an die historische Wehrpflicht der Luzerner Bürger erinnert. Etwas weiter befindet sich der Kornmarkt mit dem Rathaus, wo wir zufällig auf ein Konzert eines tschechischen Chors stiessen. Die grösste Aufmerksamkeit der Besucher ziehen jedoch die beiden schräg über die Reuss führenden Holzbrücken auf sich - die Kapellbrücke und die Spreuerbrücke. Die Kapellbrücke gilt als die älteste überdachte Holzbrücke Europas und wurde Mitte des 14. Jahrhunderts als Teil der Stadtbefestigung errichtet, um Luzern vor Gefahren vom Vierwaldstättersee zu schützen, an dessen Ufer die Stadt liegt. Mit der Brücke verbunden ist der Wasserturm, ein weiteres Element der mittelalterlichen Befestigungsanlagen, der im Laufe der Jahrhunderte unter anderem als Gefängnis, Verhörraum, Schatzkammer und Stadtarchiv diente. Jenseits dieser historischen Brücken erhebt sich, vom nördlichen Reussufer aus betrachtet, der Pilatus - ein beliebtes Ausflugsziel für Besucher von Luzern.
Es besteht kein Zweifel daran, dass Luzern ebenso wie Zürich deutlich mehr Zeit verdient als nur einen Nachmittag oder einen kurzen Vormittagsbesuch. Bei der Recherche zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt fand ich mindestens fünf bis sieben Orte, die einen Besuch wert wären. Dazu gehört der Gletschergarten, in dem Spuren eines Gletschers erhalten geblieben sind, der die Gegend des heutigen Luzern einst unter einer bis zu 800 Meter dicken Eisschicht begrub. Ebenfalls faszinierend ist das Bourbaki-Panorama, das an das Panorama Racławicka in Breslau erinnert. Das 115 Meter lange Rundbild zeigt die 88.000 Soldaten starke Armee von General Charles-Denis Bourbaki, die während des Deutsch-Französischen Krieges Ende des 19. Jahrhunderts im neutralen Schweiz interniert wurde. Wie sich herausstellte, sollten wir einige Tage später auf der Jura-Route noch mehr über Bourbakis Armee erfahren. Zu den weiteren bemerkenswerten Museen in Luzern zählen das Natur-Museum Luzern, das jede Reise um eine geografische Perspektive bereichert, das Historische Museum Luzern, das Kunstmuseum Luzern sowie das Richard-Wagner-Museum.
Das fantastische Verkehrshaus der Schweiz
Eine Veloreise hat ihre Prioritäten, und deshalb wählten wir das Verkehrshaus der Schweiz als letzten Programmpunkt vor der Weiterfahrt auf unserer Route. Das Museum beherbergt Exponate zu praktisch allen Verkehrsmitteln, die jemals in der Schweiz unterwegs waren. Besonders eindrucksvoll ist der Kontrast zwischen dem modernen Hochgeschwindigkeitszug Stadler Smile, der heute durch den kürzlich eröffneten Gotthard-Basistunnel - den längsten Eisenbahntunnel der Welt - fährt, und historischen Lokomotiven sowie verschiedenen Wagen aus der Schweizer Eisenbahngeschichte. Doch das ist nur ein Teil des Museums, das sich ebenso dem Strassenverkehr, der Luftfahrt, der Schifffahrt und sogar den Bergbahnen widmet. Besonders hervorzuheben ist das umfangreiche Angebot für Kinder und Jugendliche - nahezu jeder Bereich verfügt über interaktive Stationen, an denen die jüngsten Besucher spielerisch lernen können. Eine interessante Besonderheit ist die Fassade eines Gebäudes, die vollständig mit Autobahnschildern aus der ganzen Schweiz bedeckt ist. So lässt sich die eigene Reiseroute durch die Schweiz wunderbar nachvollziehen - auch wenn ich nicht verstehe, warum die Schilder nicht entsprechend ihrer geografischen Lage auf der Karte angeordnet wurden.
Entlang des Sees mit Blick auf den Pilatus
Die ersten 15 Kilometer ab Luzern verlaufen auf der Seen-Route entlang der malerischen Ufer des Vierwaldstättersees, dessen Küstenlinie als die abwechslungsreichste der Schweiz gilt. Dieser Abschnitt zeigt beispielhaft, wie hohe Standards bei Qualität und Sicherheit im regionalen Velotourismus umgesetzt werden können. Beim Verlassen von Luzern fuhren wir zunächst durch ruhige Stadtstrassen, bevor wir auf unterschiedlichste Velowege trafen - von klassischen asphaltierten Radwegen bis hin zu einem kurzen Schotter-Singletrail direkt am See. Das Highlight war jedoch ein hölzerner Velosteg, der gewissermassen an eine der Uferstrassen „angehängt“ wurde. Besonders breit war er zwar nicht, und mit einem Anhänger hätte man für entgegenkommende Radfahrer anhalten müssen, doch sein Charme war unbestreitbar. Wäre er nicht so tief über dem Wasser gebaut worden, könnten Fotos dieses Velowegs am Vierwaldstättersee leicht mit den berühmten Radstegen am Gardasee im Trentino in Italien verwechselt werden. Während eines grossen Teils dieses Abschnitts rund um den Vierwaldstättersee begleitete uns im Hintergrund der mächtige Pilatus - eines jener typischen Schweizer Panoramen, das uns seit unserer Ankunft in Luzern nicht mehr losliess.
Anstieg zwischen den Seen
In der Nähe von Sarnen mit seinem reizvollen historischen Marktplatz begann unser sanfter Anstieg zum Brünigpass. Die Seen-Route mied weiterhin stark befahrene Strassen und führte uns über ruhige Nebenstrassen sowie gut gepflegte Schotterwege. Zunächst passierten wir den kleinen Wichelsee, danach den deutlich grösseren Sarnersee und den Lungerersee. Von den höher gelegenen Abschnitten blickten wir auf die türkisfarbenen Wasserflächen der aufeinanderfolgenden Seen hinunter. Jeder von ihnen lag etwas höher als der vorherige, was zusätzliche Anstiege erforderte. Hinweise auf die grössten Herausforderungen lieferten die Schweizer Velowegweiser, die Länge, Höhenunterschied und manchmal sogar die durchschnittliche sowie maximale Steigung eines Anstiegs angaben. Auf einem zwei Kilometer langen Abschnitt bei Giswil war eine Steigung von 12 Prozent ausgeschildert, tatsächlich fanden wir jedoch Passagen mit mehr als 16 Prozent vor. Trotzdem verblassten diese Werte im Vergleich zur Pilatusbahn, die seit 1889 zwischen Alpnach und dem Gipfel des Pilatus verkehrt und mit einer maximalen Steigung von 48 Prozent die steilste Zahnradbahn der Welt ist.
Mehrere Prozent Steigung sind eine echte Herausforderung
Steigungen von mehr als zehn Prozent stellen für jeden Velofahrer eine Herausforderung dar, und nur die Stärksten bewältigen solche Anstiege ohne grössere Anstrengung - besonders mit Gepäcktaschen. Weniger erfahrene Radreisende sollten sich davon jedoch nicht entmutigen lassen. Erstens waren derart steile Anstiege auf unserer Route eher selten. Zweitens waren sie nie besonders lang. Und drittens folgt auf jeden Anstieg irgendwann eine Abfahrt - eine der grossen Wahrheiten des Veloreisens. Es lohnt sich, die Zähne zusammenzubeissen und einen schwierigen Anstieg entweder in mehrere Abschnitte mit Pausen aufzuteilen oder das Velo einfach ein Stück zu schieben. Nach dem Anstieg zum Brünigpass mit seinen zweistelligen Steigungswerten wurden wir mit einem spektakulären Abschnitt in Richtung Meiringen belohnt. Zunächst führte die Strecke über eine Panoramastrasse mit Blick auf das Aaretal und einen der Gletscher im Wetterhornmassiv, bevor eine fünf Kilometer lange Waldabfahrt mit durchschnittlich rund zehn Prozent Gefälle folgte.
Der Wasserfall, an dem Sherlock Holmes sein Ende fand
Die Aufmerksamkeit der ganzen Welt wurde auf Meiringen gelenkt, als der britische Schriftsteller Arthur Conan Doyle seinen berühmten Detektiv Sherlock Holmes an den etwa fünf Kilometer entfernten Reichenbachfällen sterben liess. In der Erzählung „Das letzte Problem“ kämpfen Holmes und sein Erzfeind James Moriarty am Rand des tosenden Wasserfalls miteinander und stürzen in die Tiefe, wo sie spurlos verschwinden. Doch Sherlock Holmes kehrte in späteren Geschichten lebendig zurück - Conan Doyle erklärte dies damit, dass Holmes seinen Tod lediglich vorgetäuscht hatte. Diese Wendung schadete der Beliebtheit von Meiringen bei den Fans des Detektivs keineswegs. 1988 wurde hier die erste und älteste Sherlock-Holmes-Statue der Welt enthüllt, und 1991 eröffnete das Sherlock Holmes Museum. Zu den Ausstellungsstücken gehört eine detailgetreue Rekonstruktion des Arbeitszimmers des Detektivs aus der Baker Street in London, wie es in den Romanen beschrieben wird. Die Strasse von Meiringen zu den Reichenbachfällen führt steil bergauf und ist für Fans der Geschichten eine lohnende Herausforderung.
1,5 Kilometer durch die Aareschlucht
Eine weitere faszinierende Sehenswürdigkeit in der Nähe von Meiringen, die sich hervorragend in eine Reise auf der Seen-Route einbauen lässt, ist die Aareschlucht. Ein Spaziergang durch die rund 1.400 Meter lange und bis zu 200 Meter tiefe Schlucht bietet beeindruckende Ausblicke auf die engen Felspassagen, die der Fluss Aare über Jahrtausende in den Kalkstein geschnitten hat. An ihrer schmalsten Stelle misst die Schlucht nur einen Meter Breite. Der gut ausgebaute Rundweg führt durch in den Fels gehauene Tunnel und über Metallstege, die über dem Schluchtgrund schweben und immer neue Perspektiven auf die spektakuläre Felslandschaft eröffnen. Eine seltene und zugleich praktische Besonderheit der Aareschlucht sind die Bahnhöfe an beiden Enden des Weges, die eine schnelle Rückkehr zum Ausgangspunkt ermöglichen.
Traditionelle Rösti mit Ei zum Abendessen
In Meiringen liessen wir den Tag mit einem beliebten Schweizer Gericht ausklingen: Rösti. Dabei handelt es sich um grob geriebene Kartoffeln, die zu einem grossen Fladen in Pfannengrösse gebraten werden - ganz anders als die kleinen Kartoffelpuffer, die wir gewohnt sind. Ursprünglich war Rösti ein einfaches Gericht der weniger wohlhabenden Bevölkerung des Kantons Bern. Knusprig gebraten, mit Speck zubereitet und in einer Variante mit Käse und Ei, in einer anderen mit einer lokalen Weisswurst serviert, schmeckte das Gericht ausgezeichnet, was unseren Kellner, der zugleich Besitzer des Hotels war, sichtlich freute. Rösti auf der Hotelterrasse im Licht der untergehenden Sonne über Meiringen zu geniessen, war ein besonders schöner Abschluss eines aktiven Tages. Und als hätte Meiringen nicht schon genügend Attraktionen zu bieten, gilt der Ort auch als Geburtsstätte der Meringue, die hier um 1600 erstmals von einem Bäcker namens Gasparini gebacken worden sein soll. Zum Glück - oder vielleicht auch leider - stand sie nicht auf der Speisekarte unseres Hotels.
Postkarten-Schweiz am Brienzersee
Nach dem malerischen Vierwaldstättersee erwartete uns auf dem nächsten Abschnitt der Route eine weitere Reihe von Orten, die wie aus einer Postkarte wirkten. Den Anfang machte der Brienzersee mit seiner fast unwirklich türkisfarbenen Wasseroberfläche. Diese verdankt ihre Farbe den Mineralien in den Sedimenten, die von den umliegenden Flüssen und Bächen - vor allem von der Aare - in den See transportiert werden. Besonders gut lässt sich dieses Phänomen von den höher gelegenen Ufern des Brienzersees beobachten, wo das Delta der Aare grosse Mengen feinster Sedimente in den See einträgt, die sich später im Wasser verteilen. Nach einem kurzen, aber intensiven Anstieg führt die Route über den Giessbach, dessen Wasserfälle zu den beliebtesten Ausflugszielen für Fahrgäste der Ausflugsschiffe auf dem See gehören. Der berühmte Wasserfall stürzt in 14 Kaskaden über mehr als 500 Höhenmeter ins Tal. Direkt daneben, mit herrlichem Blick auf den türkisfarbenen See, steht das elegante Grandhotel Giessbach mit seinen 70 individuell eingerichteten Zimmern. Zum Hotel, das rund 100 Meter über dem See liegt, gelangt man mit der Giessbachbahn, einer der ältesten Standseilbahnen Europas.
Der Charme von Iseltwald
Einige Kilometer weiter ragt eine kleine Halbinsel in das türkisfarbene Wasser des Sees hinein, auf der sich heute ein Kongress- und Konferenzzentrum befindet. Hier liegt das Dorf Iseltwald, an dessen Stelle im Mittelalter die Burg Seeburg stand. Eine Strassenverbindung erhielt der Ort erst nach dem Bau der A8; zuvor war Iseltwald aufgrund seiner abgeschiedenen Lage ausschliesslich auf dem Wasserweg erreichbar. Die Seen-Route verläuft entlang des Südufers des Brienzersees und wechselt dabei zwischen schmalen asphaltierten Bergstrassen und Schotterwegen, die mit Wanderwegen kombiniert sind. Aufgrund der Steigungen auf einigen Schotterabschnitten und des starken Fussgängerverkehrs in der Nähe der Giessbachfälle weisen Schilder Radfahrer an mehreren Stellen an, kurz abzusteigen und zu schieben. Übrigens trafen wir auf dem Abschnitt zwischen Interlaken und den Giessbachfällen die grösste Zahl an Velofahrern unserer Reise - überwiegend auf E-Bikes, da dieser Teil der Route ein beliebtes Ziel für Tagesausflüge ist.
Zwischen den Seen, wie der Name schon sagt
Am Ende des türkisfarbenen Brienzersees erreichten wir den bekannten Ort Interlaken. Seinen Ruhm verdankt er jedoch nicht einer besonders gut erhaltenen Altstadt, bemalten Bürgerhäusern oder einem beeindruckenden Schloss, wie es bei vielen anderen Schweizer Städten der Fall ist. Interlaken hat seinen Namen vor allem seiner spektakulären Lage zwischen dem Brienzersee und dem Thunersee sowie den nahezu unbegrenzten Möglichkeiten für Sport und Tourismus im Sommer wie im Winter zu verdanken. Die Wanderwege und Skipisten der Region umfassen Hunderte von Kilometern, und rund um Interlaken gibt es nicht weniger als 45 Bergbahnen. Einige von ihnen erschliessen berühmte Gipfel wie Jungfrau, Eiger und Mönch. Auf uns selbst machte Interlaken allerdings keinen besonderen Eindruck, und wir hatten sogar das Gefühl, dass es zu jenen Orten gehört, die man am besten von einem Bergweg oder Aussichtspunkt aus betrachtet. Eine angenehmere Atmosphäre fanden wir dagegen im benachbarten Unterseen. Zu den schönsten Sehenswürdigkeiten seines Stedtli, wie die Altstadt hier genannt wird, gehört eine malerische Reihe farbiger Häuser direkt am Ufer der Aare.
Ein besonderer roter Fahrstreifen für Velofahrer
Nach dem Verlassen von Interlaken und Unterseen gelangten wir auf einen weiteren aussergewöhnlichen Abschnitt der Seen-Route. Da weder genügend Platz noch technische Möglichkeiten für einen separaten Veloweg vorhanden waren, wurde auf einer Strasse in Richtung der Autobahn A8 ein mehrere Hundert Meter langer roter Velostreifen markiert. Trotz eines Tempolimits von 60 km/h befinden sich die Velofahrer auf diesem auffälligen roten „Teppich“ an einer Stelle zwischen einer Geradeausspur und einer Spur zu einer Autobahnausfahrt. Wer mit einer sensibleren Gruppe unterwegs ist, etwa mit Kindern, sollte hier besonders aufmerksam sein. Auch wenn dieser Abschnitt nicht ganz frei von Risiken wirkt, beeindruckte mich die aussergewöhnliche Sorgfalt, mit der die Schweizer die Sichtbarkeit und Sicherheit der Velotouristen gewährleistet haben, um ihnen eine sichere Weiterfahrt in Richtung Thunersee zu ermöglichen.
Das längste Treppenrennen der Welt
Der grösste Teil des rund 15 Kilometer langen Abschnitts der Seen-Route zwischen Interlaken und Spiez verläuft auf einem Veloweg direkt am Ufer des Thunersees. Im Gegensatz zum türkisfarbenen Brienzersee zeigt sich der Thunersee in einem tiefen Dunkelblau - eine Besonderheit, die sogar in Reiseführern erwähnt wird und die ich am nächsten Tag auf meinen Fotos von Spiez selbst bestätigen konnte. Über der Landschaft erhebt sich die nahezu perfekte Pyramidenform des Niesen, auch als Schweizer Pyramide bekannt. Von seinem Gipfel eröffnet sich ein spektakulärer Blick auf die Umgebung, darunter den Thunersee, an dessen Ufer wir an diesem Tag unterwegs waren, sowie das Simmental, das uns am folgenden Tag erwartete. Einer Legende zufolge lassen sich von dort oben zwölf alte Kirchen rund um den Thunersee erkennen, die im 10. Jahrhundert von König Rudolf II. von Burgund und Italien nach einer göttlichen Prophezeiung erbaut worden sein sollen. Die Treppe entlang der Standseilbahn zum Gipfel gilt laut Guinness World Records mit 11.674 Stufen als die längste Treppe der Welt. Jedes Jahr findet hier ein Wettlauf auf den Niesen statt.
Ein Hotel mit Blick auf den Thunersee
Das Wahrzeichen von Spiez ist sein Schloss, das zusammen mit einer fast 1.000 Jahre alten romanischen Kirche an einer hervorragenden Lage zwischen einem kleinen Weinberg und einer Bucht des Thunersees mit zahlreichen Yachten und Booten steht. Einer seiner Besitzer aus dem 16. Jahrhundert, Franz Ludwig von Erlach, soll 37 Kinder gehabt haben. Für uns wird Spiez jedoch immer mit dem ausgezeichneten Hotel verbunden bleiben, in dem wir übernachteten. Die kühlen, skandinavisch inspirierten Innenräume bildeten einen interessanten Kontrast zur warmen Sommeratmosphäre auf der grossen Gemeinschaftsterrasse, die aus mehreren zusammengelegten Hotelbalkonen entstanden war. Dieser etwas improvisierte Treffpunkt wurde am Abend zum Schauplatz einer wunderbaren Begegnung unter Fremden - darunter ein Paar aus Luxemburg mit grossem Altersunterschied, eine lebhafte Familie aus Deutschland, zwei niederländische Wissenschaftler und zwei polnische Veloreisende. In einer solchen Gesellschaft fiel es schwer, ein weiteres Glas Wein abzulehnen, auch wenn am nächsten Morgen wieder eine Etappe auf dem Programm stand. Zur besonderen Stimmung trug zudem das eindrucksvolle Morgenpanorama von Spiez mit seinem Schloss, der romanischen Kirche, dem Yachthafen und den angrenzenden Weinbergen bei - eine Erinnerung, die uns von dieser Reise besonders geblieben ist.
Veloreisen im Swisstainable-Stil
Die Tage zwischen Spiez, Gstaad, Château-d'Oex und Gruyères gehörten zweifellos zu den schönsten unserer mehrtägigen Reise auf der Seen-Route. Gleichzeitig verkörperten sie perfekt die Philosophie des „Swisstainable“-Reisens, die die Schweiz seit Jahren fördert. Eine Swisstainable-Reise dauert mindestens mehrere Tage, ist umweltbewusst und eng mit der Natur, lokalen Traditionen und regionalen Produkten verbunden. Genau so fühlte sich unsere Fahrt durch die Täler der Simme, der Kleinen Simme und später der Saane an. Die Route verlief auf unsere bevorzugte Art - über ruhige, schmale Asphaltstrassen, die oft ausschliesslich uns gehörten und nur gelegentlich von Bewohnern der umliegenden Bauernhöfe genutzt wurden. Die Hauptstrassen lagen meist weit entfernt auf der anderen Seite des Tals, sodass wir dem Verkehrslärm entkommen konnten. Auf unserer Seite begegneten wir einer charmanten, traditionellen Schweiz, geprägt von malerischen Bauernhöfen und den sanften Gipfeln der Berner und Freiburger Alpen.
Traditionelle Holzhäuser im Simmental
Im Simmental bewunderten wir zahlreiche beeindruckende, grosse Holzhäuser, die typisch für das ländliche Gesicht der Schweiz sind. Zwei Themenwege - der Simmentaler Hausweg und der Obersimmentaler Hausweg - widmen sich dieser traditionellen ländlichen Architektur. Entlang jedes Weges finden sich etwa 30 bis 40 Häuser entlang des Flusses, einige davon direkt an oder in unmittelbarer Nähe der Seen-Route. Die Themenwege bieten eine hervorragende Gelegenheit, die lokale Zimmermannskunst des 17. und 18. Jahrhunderts kennenzulernen. Viele Häuser besitzen erhaltene oder restaurierte Schnitzereien und Fassadenmalereien, oft ergänzt durch Dutzende rote und weisse Geranien. Die Grösse der Gebäude und der Reichtum ihrer Verzierungen spiegeln den Wohlstand wider, den die Bewohner des Tals einst durch Viehhandel und Landwirtschaft erlangten. Ein weiterer Themenweg widmet sich den kleinen, oft romanischen Kirchen, die über das gesamte Simmental verstreut sind.
Velofahrer, wähle deinen Anstieg
Auf einem Abschnitt unserer Route stiessen wir auf eine weitere Schweizer Informationstafel für Velofahrer. Diesmal erfuhren wir, dass es zwei Möglichkeiten gab, die Stadt Zweisimmen zu erreichen: über die Route mit 410 Höhenmetern Anstieg (unten dargestellt) oder über eine normale Strasse mit weniger als der Hälfte dieser Höhendifferenz (oben auf blauem „Strassenhintergrund“ dargestellt). Allerdings sorgte die Angabe zur Steigung für Verwirrung, denn weder die Karte noch unser GPS-Track deuteten darauf hin, dass uns ein 18 Kilometer langer Anstieg mit durchschnittlich sieben Prozent Steigung bevorstand. Wir kamen zu dem Schluss, dass die Angabe wohl die maximale und nicht die durchschnittliche Steigung beschrieb - was sich später bestätigte. Mit einer kleinen Portion Genugtuung registrierten wir eine seltene Ungenauigkeit im ansonsten so präzisen Schweizer Informationssystem für Touristen. Denn wäre die durchschnittliche Steigung nicht deutlich hilfreicher als nur der Maximalwert? Oder sollten nicht vielleicht beide Werte angegeben werden? Unabhängig davon zeigt auch dieses Beispiel, wie sehr die Schweiz an die Bedürfnisse von Veloreisenden denkt.
Ein anspruchsvollerer Anstieg erwartete uns zwischen Zweisimmen und dem Saanenmöserpass, auch wenn wir diesmal keine speziellen Informationstafeln für Velofahrer entdeckten - vielleicht haben wir sie einfach übersehen. Die schmale Strasse, die hauptsächlich von örtlichen Landwirten genutzt wurde, führte steil durch die Berge, mit mehreren Abschnitten zwischen 10 und 15 Prozent Steigung und an einer Stelle sogar deutlich darüber. Langsam, aber stetig legten wir die Kilometer bis zum kleinen Ort Saanenmöser zurück, wo wir eine kurze Pause einlegten. Kaffee und Kuchen in einem gemütlichen Café waren eine wohlverdiente Belohnung für die Anstrengung. Kurz darauf folgte eine schnelle Abfahrt nach Gstaad. Es war erneut ein landschaftlich wunderschöner Abschnitt - eine perfekte Kombination aus alpinen Panoramen, weiten offenen Räumen, dem Wind in den Ohren und einer leeren Strasse, die zum nächsten Ziel führte, diesmal nach „Alpine Hollywood“. Wunderschön!
Madonna und Polanski in Alpine Hollywood
Gemächlich fuhren wir durch das Zentrum von Gstaad, dem eleganten Ferienort, der oft als „Alpine Hollywood“ bezeichnet wird. Prominente aus aller Welt verbringen hier ihre Ferien, und selbst Madonna feierte bereits ihren Geburtstag in Gstaad. Die makellos gepflegten Holzchalets wirkten, als wären sie erst kürzlich errichtet worden, während sich in ihren Erdgeschossen die luxuriösen Boutiquen befanden, die man von der Schweiz erwartet. Über der Promenade flatterten Fahnen, die für bevorstehende Veranstaltungen warben - zunächst für das Gstaad Menuhin Festival, das vom berühmten Geigenvirtuosen Yehudi Menuhin gegründet wurde, später für das jährliche ATP-Tennisturnier, das 1981 vom Polen Wojciech Fibak gewonnen wurde. Eine weitere polnische Verbindung zu Gstaad ist Roman Polanski, der hier ein Haus besitzt. Am Ende der Promenade hielten wir an einem Brunnen an, um unsere Trinkflaschen aufzufüllen. Direkt gegenüber prangte unter einer reich verzierten Holzfassade das Logo von Prada. Schmunzelnd über diesen Kontrast fuhren wir weiter - und wussten bereits, dass dies längst nicht die letzte landschaftliche, ästhetische oder kulturelle Überraschung des Tages sein würde.
Rougemont gehört zu den schönsten Dörfern der Schweiz
Der Tag endete mit einem echten Höhepunkt in Rougemont, das als eines der schönsten Dörfer der Schweiz gilt. Eine Fahrt durch Rougemont fühlte sich an wie ein Fest traditioneller lokaler Holzarchitektur. Einige Gebäude sind fast 400 Jahre alt, und ihre Fassaden sind mit geschnitzten oder gemalten Motiven, Bildern und Ornamenten geschmückt. Selbstverständlich ergänzen gepflegte Blumen, Beete und Sträucher den besonderen Charme des Ortes. Am Rand von Rougemont befindet sich eine ehemalige Abtei mit einer romanischen Kirche aus dem 11. Jahrhundert sowie einem Schloss aus dem 16. Jahrhundert, das an der Stelle des früheren Klosters errichtet wurde. Das Innere der Kirche beeindruckte uns nicht nur durch die Verbindung von romanischer Schlichtheit und feiner Dekoration, sondern auch durch eine dezente farbige Beleuchtung, die von Besuchern aktiviert wird und sich anschliessend automatisch wieder ausschaltet. Habe ich übrigens schon erwähnt, dass die meisten dieser schönen romanischen Kirchen frei zugänglich sind? Rougemont eignet sich ausserdem hervorragend als Ausgangspunkt für den Wintersport, da eine Seilbahn das Dorf mit dem Skigebiet von Gstaad verbindet.
Eine Nacht im Schweizer Agrotourismus
Auf dem Weg nach Château-d’Oex waren wir neugierig auf unsere bevorstehende Übernachtung auf einem Bauernhof. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen echten landwirtschaftlichen Betrieb am Rand des Dorfes handelte - mit den typischen Gerüchen eines Bauernhofs und einem Hof voller landwirtschaftlicher Maschinen. Das störte uns keineswegs, ganz im Gegenteil. Es machte Freude, mit dem Velo über den Hof zu rollen und anschliessend ein gemütliches, holzverkleidetes Interieur zu betreten, wie man es aus vielen Pensionen und Bauernhofunterkünften kennt. Beim ausgezeichneten Frühstück am nächsten Morgen, das vollständig aus regionalen Produkten bestand, erfuhren wir, dass unser Gastgeber Vorsitzender einer lokalen Vereinigung für Agrotourismus war und sich für die Förderung dieser Art von Unterkünften in der Schweiz engagierte. Leider war die Übernachtung auf dem Bauernhof nur geringfügig günstiger als Hotels oder Pensionen in der Umgebung. Vielleicht bedeutet Agrotourismus in der Schweiz einfach nicht automatisch günstige Unterkünfte?
Keine radfahrerfreundlichen Unterkünfte in der Schweiz
Die Schweiz verfügt nicht über ein eigenes Verzeichnis radfahrerfreundlicher Unterkünfte wie Velohotels oder fahrradfreundliche Pensionen, dennoch hatten wir kaum Probleme, unsere Velos sicher unterzubringen. Die meisten Gastgeber sind an Velotouristen längst gewöhnt. Übernachtet haben wir unter anderem in einer günstigen Pension in Meiringen, in einem komfortablen Hotel in Spiez sowie auf einem charmanten Bauernhof in Château-d’Oex. Dennoch lohnt es sich, ein solides Schloss mitzunehmen, falls man gebeten wird, die Velos beispielsweise im Innenhof einer Unterkunft abzustellen.
Die Ballonhauptstadt der Schweiz - Château-d’Oex
Château-d’Oex ist ein weiteres charmantes Schweizer Städtchen. Bekannt ist es vor allem für seine hervorragenden Bedingungen für den Ballonsport, die durch die umliegenden Berghänge begünstigt werden. Von hier starteten 1999 der Schweizer Forscher Bertrand Piccard - Sohn und Enkel weiterer berühmter Schweizer Entdecker - und der Engländer Brian Jones zu ihrer Ballonfahrt um die Welt. Innerhalb von drei Wochen legten sie mehr als 40.000 Kilometer zurück und stellten damit einen Rekord für die längste ohne Zwischenlandung absolvierte Ballonreise auf. Angesichts des klaren Himmels am Vortag und der besonderen Atmosphäre der Luft fiel es leicht, sich vorzustellen, wie die Sonne in diesen alpinen Tälern ideale thermische Bedingungen für solche Unternehmungen schaffen kann. Wir selbst bevorzugten jedoch festen Boden unter den Füssen und den Platz auf einem Velosattel statt in einem Korb, der Hunderte Meter über dem Boden schwebt. Wer mehr über den Ballonsport erfahren möchte, findet in Château-d’Oex mit dem Espace Ballon ein kleines Museum, das sich diesem Thema sowie der aussergewöhnlichen Reise von Piccard und Jones widmet.
Ein Halt auf der Grand Tour of Switzerland
Château-d'Oex ist das Zentrum des Regionalen Naturparks Gruyère Pays-d’Enhaut und zugleich einer der offiziellen Stopps der Grand Tour of Switzerland, der bekanntesten Autoroute für Touristen durch die schönsten Regionen der Schweiz. Obwohl die Route in erster Linie für Autofahrer und Reisemobilisten konzipiert wurde, bietet sie auch Veloreisenden einen hervorragenden Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes - gewissermassen einen schweizerischen „Kulturkanon“. Die Grand Tour of Switzerland umfasst zehn Routen durch verschiedene Regionen, 46 Sehenswürdigkeiten, 22 Seen, fünf Alpenpässe und insgesamt 13 UNESCO-Welterbestätten. An jedem offiziellen Stopp steht ein markanter roter Bilderrahmen, der Besucher dazu einlädt, Erinnerungsfotos aufzunehmen und eine Sammlung der schönsten Orte der Schweiz anzulegen. Die einzelnen Routen und Sehenswürdigkeiten der Grand Tour werden in einem kostenlosen PDF-Reiseführer auf myswitzerland.com vorgestellt.
Französisch links, Deutsch rechts
Die Landschaften des Naturparks Gruyère Pays-d’Enhaut begleiteten uns auf den ersten 30 Kilometern des Tages. Unsere Route führte weiter durch das Tal der Saane, die sich durch die Freiburger Alpen schneidet und das Rückgrat der historischen Region Gruyères bildet. Der Fluss heisst auf Deutsch Saane und auf Französisch Sarine und markiert zugleich eine Sprachgrenze zwischen der deutsch- und französischsprachigen Schweiz. Die französischsprachigen Schweizer verwenden sogar den Ausdruck „outre Sarine“ („jenseits der Sarine“), wenn sie vom deutschsprachigen Teil des Landes sprechen. Der grösste Teil dieses Abschnitts verlief über herrliche schmale Asphaltstrassen an den sanft gewellten Osthängen des breiten Tals, mit beeindruckenden Ausblicken auf die gezackten Silhouetten der Freiburger und Berner Alpen. Unterwegs passierten wir Grandvillard - ein weiteres der schönsten Dörfer der Schweiz, umgeben von kleinen Kapellen und begleitet vom Kreisen roter Milane am Himmel - bevor wir schliesslich Gruyères erreichten.
Geburtstagsfondue mit Gruyère-Käse
Am Ende dieser Etappe erreichten wir wohl den kulinarisch interessantesten Ort unserer Reise und zugleich ein weiteres Beispiel für Swisstainable-Reisen - die Käserei von Gruyère, in der der weltberühmte Gruyère-Käse hergestellt wird. Täglich liefern 36 lokale Bauern ihre Milch an die Käserei, in der bis zu 48 Käselaibe pro Tag produziert werden. Besucher können den Herstellungsprozess während eines rund halbstündigen Rundgangs durch die Produktionsanlagen kennenlernen. Danach empfiehlt es sich, auf der Terrasse des gemütlichen und zugleich angenehm unkomplizierten Restaurants Platz zu nehmen. Zufälligerweise fiel unser Besuch auf meinen Geburtstag, und ein Fondue aus Gruyère-Käse war die perfekte Art, diesen Tag zu feiern. Auf dem Tisch standen alle klassischen Zutaten: die spezielle Gabel zum Eintauchen von Brot, Gemüse oder Fleisch in den geschmolzenen Käse sowie Pfeffer als traditionelle Beilage zu diesem Schweizer Nationalgericht. Dabei erinnerten wir uns an die verregnete Geburtstagsfeier des Vorjahres unter einem Unterstand am Bahnradweg in Hessen in Deutschland.
Gruyères - Burgen, Aliens und das Tibet-Museum
Die Käserei von Gruyère befindet sich nicht direkt in Gruyères, sondern im darunterliegenden Dorf Pringy. „Darunterliegend“, weil Gruyères als hervorragend erhaltene Burgsiedlung auf einem Hügel liegt. Sie besteht aus zwei Schlössern und einer dazwischenliegenden Vorburg, die die Form eines kurzen Marktplatzes mit Häusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert hat. Das gesamte Dorf ist von Mauern umgeben und frei vom motorisierten Verkehr. Interessanterweise kommen viele Besucher nicht wegen des grösseren Château de Gruyères aus dem späten 13. Jahrhundert hierher, sondern wegen des kleineren Château St. Germain. Dort befindet sich die Sammlung von H.R. Giger, dem inzwischen verstorbenen Schweizer Künstler, der für das Design des Aliens und der futuristischen Kulissen des Films Alien einen Oscar erhielt. Zu den weiteren Attraktionen des kleinen Gruyères zählen das Tibet-Museum, die Fondue-Akademie, eine Schweizer Schokoladenfabrik sowie zahlreiche Restaurants mit regionalen Spezialitäten.
Selbst die besten Routen haben ihre schwächeren Abschnitte
Keine Route besteht ausschliesslich aus Begeisterung und schönen Erinnerungen, und auch die Seen-Route hatte ihren schwächsten Abschnitt. Die Strecke von Bulle nach Châtel-Saint-Denis vor dem Genfersee forderte uns so sehr, dass ich erst jetzt bemerke, dass sie kaum mehr als 20 Kilometer lang war. Damals fühlte sie sich eher wie 40 oder 50 eintönige Kilometer mit ständigem Auf und Ab, starkem Gegenwind, wenig interessanten Ausblicken und kaum Möglichkeiten zum Auffüllen der Trinkflaschen an. Kein Wunder also, dass wir unsere Ankunft in Châtel-Saint-Denis mit einer Pause in einem Café neben einem Supermarkt feierten und uns darüber freuten, dass nur noch wenige Kilometer bis zur Abfahrt an den spektakulären Genfersee übrig waren. Andererseits sind 20 weniger spannende Kilometer auf einer insgesamt fast 350 Kilometer langen Route kein schlechtes Ergebnis. Interessanterweise empfiehlt die Schweizer Website SchweizMobil, die Seen-Route in der entgegengesetzten Richtung zu fahren - vielleicht hätten wir diesen Abschnitt dann anders wahrgenommen.
Eine spektakuläre Veloroute durch aussergewöhnliche Weinberge
Die offizielle Seen-Route endet nach der Durchfahrt durch Vevey in Montreux. Wie bereits zu Beginn unserer Reise änderten wir jedoch auch die letzten Kilometer der Route. Statt nach Osten in Richtung Montreux abzubiegen, fuhren wir entlang des Genfersees nach Westen in Richtung Lausanne und folgten dabei den Wegweisern der nationalen Veloroute Nr. 1, der Rhone-Route. Für uns war dies logistisch die bessere Lösung, da Lausanne näher bei Nyon liegt, wo wir die Jura-Route beginnen wollten. Gleichzeitig konnten wir so mehr vom Genfersee entdecken. Es stellte sich als ausgezeichnete Entscheidung heraus, denn kurz hinter Vevey erreichten wir die Weinberge des Lavaux. Dort befand sich einer der schönsten Abschnitte einer Veloroute, die wir je erlebt haben. Auf einem Weg über steinerne Terrassen an einem steilen Hang zwischen Weinreben, unter tiefblauem Himmel und in der strahlenden Sonne zu fahren, war ein aussergewöhnliches Erlebnis. Wäre der Tag nicht bereits weit fortgeschritten gewesen und hätten wir nicht noch einige Kilometer vor uns gehabt, wären wir wahrscheinlich deutlich länger geblieben, um die Atmosphäre dieses Ortes zu geniessen.
Die drei Sonnen der Lavaux-Weinberge
Die zum UNESCO-Welterbe gehörenden Weinberge des Lavaux verdanken ihren besonderen Charakter einer Überzeugung, die seit Generationen von den Winzern der Region weitergegeben wird. Ihrer Ansicht nach verdanken die hier produzierten Weine ihre aussergewöhnliche Qualität der Wärme von „drei Sonnen“. Die erste ist die eigentliche Sonne, die jeden Morgen über dem Genfersee aufgeht und die Weinberge mit ihrer Energie versorgt. Die zweite „Sonne“ ist das Licht, das von der Wasseroberfläche des Sees reflektiert wird und die Reben von unten beleuchtet und erwärmt, auch an Stellen, die von den direkten Sonnenstrahlen nicht erreicht werden. Die dritte Quelle der Wärme sind die steinernen Terrassen, die tagsüber Sonnenenergie speichern und sie nachts wieder abgeben. Dadurch entsteht ein besonderes Mikroklima, das die Wärme länger hält, als es die Wetterbedingungen vermuten lassen würden. Diese einzigartige Kombination natürlicher Faktoren, verbunden mit der aussergewöhnlichen Schönheit der Landschaft und den hervorragend angelegten Velowegen, machte das Lavaux für uns zum schönsten Ort der gesamten Reise.
Das olympische Lausanne - ein perfektes Finale
So wie Zürich ein hervorragender Ausgangspunkt für unser Schweizer Veloabenteuer war, erwies sich Lausanne als ebenso gelungener Schlusspunkt. Die Fahrt zu unserer Wohnung gegenüber dem Rathaus erinnerte uns erneut an Zürich, denn auch hier mussten wir zunächst einen steilen Anstieg durch die Stadt bewältigen. Zwischen dem Seeufer und dem Stadtzentrum lagen 120 Höhenmeter auf Strassen mit Steigungen von fünf bis sechs Prozent. Die Wahl der Unterkunft erwies sich als Volltreffer - zwei Tage lang konnten wir die lebendige Atmosphäre der Place de la Palud geniessen, des Herzens der Altstadt, das von den stolzen Einwohnern mit einer riesigen Schweizer Flagge geschmückt worden war. Gleich um die Ecke befinden sich die historischen Escaliers du Marché, die bereits im 13. Jahrhundert erwähnt wurden und hinauf zur über der Altstadt thronenden Kathedrale Notre-Dame führen.
Das Olympische Museum in der Welthauptstadt des Sports
Lausanne ist in Europa wohl einzigartig mit dem internationalen Sport verbunden - ein Ruf, der durch die regelmässigen Erwähnungen der Stadt bei Auslosungen und Zeremonien grosser Sportveranstaltungen zusätzlich gestärkt wird. Diese Stellung verdankt Lausanne dem Sitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sowie 58 weiterer weltweiter und europäischer Sportverbände, die Disziplinen wie Fussball, Radsport, Basketball, Bogenschiessen, Tischtennis, Fechten, Boxen oder Rudern vertreten. Auf diesen Status weist bereits ein Schild am Bahnhof von Lausanne hin, das Besucher in der „Olympischen Hauptstadt“ willkommen heisst - ein Slogan, der auch auf der Website und in den Werbematerialien der Stadt verwendet wird. Für uns war daher das Olympische Museum die wichtigste Sehenswürdigkeit, spektakulär gelegen an den Hängen oberhalb des Genfersees.
Im Inneren des Museums tauchten wir tief in die Geschichte der olympischen Bewegung ein. Die Ausstellung beginnt mit Pierre de Coubertin, dem Gründer des IOC, und führt durch zahlreiche Exponate, Präsentationen und Filme. Besonders eindrucksvoll waren die Sammlungen olympischer Fackeln, Maskottchen und Medaillen aller Spiele, die zugleich die Entwicklung des internationalen Designs dokumentieren. Selbst wer sich nicht besonders für Sport interessiert, wird im Olympischen Museum von Lausanne einen Ort finden, an dem man während einer Veloreise durch die Schweiz gerne etwas länger verweilt.
Sechs Tage reichen für die Seen-Route nicht aus
Für die rund 350 Kilometer der Seen-Route planten wir sechs Tage ein, einschliesslich eines Tages in Zürich. Rückblickend war das mindestens zwei Tage zu wenig. Mit zusätzlicher Zeit hätten wir mehr Sehenswürdigkeiten in Luzern und Lausanne besuchen können, wo ein halber Tag mehr - oder besser noch ein ganzer zusätzlicher Tag - ideal gewesen wäre. Die Schweiz ist schliesslich ein faszinierendes Land mit einer Fülle moderner Attraktionen, regionaler Traditionen und historischer Schätze. Bewährt hat sich dagegen die Entscheidung, die Etappenlängen aufgrund der verfügbaren Unterkünfte auf rund 70 Kilometer pro Tag festzulegen. Diese Distanz ermöglichte es uns, interessante Orte entlang der Strecke zu besichtigen und gleichzeitig die körperliche Belastung in einem angenehmen Rahmen zu halten.
Rhein-Route, Seen-Route, Jura-Route...
Im Zug von Lausanne nach Nyon, wo unser nächstes kurzes Schweizer Veloabenteuer begann, fragte ich mich, ob die Seen-Route vielleicht sogar die Schweizer Etappe der Rhein-Route übertrifft, die ich oft als die schönste Veloroute Europas bezeichnet habe. Vielleicht sollten sich beide den ersten Platz auf unserer Liste der besten Velorouten Europas teilen. Die Rhein-Route besitzt ihre grossartigen Höhepunkte und führt durch vier unterschiedliche Landschaftstypen der Schweiz, während die Seen-Route geschlossener wirkt und in ihren ruhigen Alpentälern vielleicht noch mehr Fahrgenuss bietet. Und was ist mit der Jura-Route? Das erfährst du in unserem nächsten Reisebericht aus der Schweiz.
Back to topHave a safe ride! 💚
Simon Thread
(Szymon Nitka)
I'm a passionate cycling traveler and the voice behind Cycling Thread. I explore Europe on two wheels, documenting the most scenic routes, inspiring places and cyclist-friendly practices. My writing blends personal experience with practical insights and a deep love of travel. I'm also a contributor to National Geographic Traveler magazine.


