Kärnten Seen-Schleife - mit Velovista durch Kärnten radeln
Kärnten hat eine neue Veloroute - die Kärnten Seen-Schleife ist eine 420 Kilometer lange Reise entlang von Flüssen, vorbei an Seen und durch die Berglandschaften im Süden Österreichs. Die Route verbindet viele der schönsten Orte der Region und bietet eine abwechslungsreiche Mischung aus entspannten Abschnitten und anspruchsvolleren Etappen. Man kann sie individuell als mehrtägige Veloreise fahren und dabei die hervorragende Fahrradinfrastruktur Kärntens nutzen oder im Rahmen der Velovista entdecken, einer Radveranstaltung, die jedes Frühjahr stattfindet. Nach dem Drauradweg und der Alpenüberquerung auf dem Alpe-Adria-Radweg ist dies eine weitere ausgezeichnete Möglichkeit für alle, die einen sommerlichen Velourlaub in Österreich planen.
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Route on the map
GPX file (GPS track): cyclingthread.com-carinthia-2025.gpx
Kärnten Seen-Schleife - Inhaltsverzeichnis
- Kärnten - Alpen, Seen, Flüsse und Velofahren
- Die Schleife der Route ist in Villach gebunden
- Velowege, öffentliche Strassen, Waldwege und... Wasserwege
- Zum vierten Mal auf der Schleife, zum ersten Mal bei Velovista
- Die Kärnten Seen-Schleife entwickelt sich weiter
- Übernachtungen in Hotels, Pensionen und auf Campingplätzen
- Eine schöne Burg und eine beeindruckende Greifvogelschau
- Benediktinerabtei mit jahrhundertelanger Geschichte
- Gemächlich durch die Kärntner Moorlandschaften
- Mit der ältesten Bergbahn auf die Gerlitzen Alpe
- Mehr als 100 Kärntner Attraktionen mit der Kärnten Card
- Die magische Welt der Puppen und Kärntner Traditionen
- Kärntner Käser bei der Arbeit in der Kaslabn beobachten
- Der Millstätter See - das Juwel Kärntens
- Eine Erinnerung an die Fahrt durch die Ostalpen
- Eine Veloroute, die über einen See führt
- Ein perfekter Ort für Familienferien mit dem Velo
- Noch eine Attraktion mit der Kärnten Card
- Durch das malerische Gailtal radeln
- Köstliches Slow Food in Kärnten
- Eine angenehme Pause im Schatten des Dobratsch
- Von einem Flussufer zum anderen
- Eine schöne Erinnerung an den Alpe-Adria-Radweg
- Über den Pressegger See zum Faaker See
- Sehr angenehme 80 Kilometer entlang der Drau
- Originelle Informationstafeln entlang der Route
- Der Drauradweg - fünf Sterne vom ADFC!
- Sehr touristische Kulisse am Klopeiner See
- Charmantes Alpen-Adria-Flair in Klagenfurt
- Mehr als 150 Miniaturbauwerke aus aller Welt
- Maria Saal - ein bedeutender Wallfahrtsort
- Der Fürstenstein - ein Symbol Kärntens
- Eine der eindrucksvollsten Burgen Europas
- Noch ein wunderschöner Ort in Kärnten
- Sankt Veit an der Glan als Wendepunkt der Route
- Wörthersee - überraschend wenig Fahrvergnügen
- Das gastfreundliche Villach beschliesst die Radreise
- Ein letzter Blick auf das geliebte Kärnten
- Hohe Servicequalität und Verantwortung für die Umwelt
- Kärnten - eine europäische Spitzenregion für den Radtourismus
Kärnten - Alpen, Seen, Flüsse und Velofahren
Kärnten ist das südlichste der neun österreichischen Bundesländer - und zugleich jenes mit der geringsten Bevölkerungsdichte von nur 60 Einwohnern pro Quadratkilometer. Es bietet ideale Bedingungen für ruhiges, naturnahes Veloreisen fernab von Menschenmengen, umgeben von Bergen, Seen und viel Grün. Obwohl Kärnten wie andere Alpenregionen für Veloreisende in den Ostalpen liegt, unterscheidet es sich durch seine besondere Landschaftsform. Das Zentrum des Bundeslandes wird vom weiten und sanft gewellten Klagenfurter Becken eingenommen. Diese von niedrigen Gebirgszügen umrahmte und von Tälern durchzogene Landschaft wirkt offener und zugänglicher als klassische Hochgebirgsregionen. Mitten hindurch fliesst die Drau - einer der grössten Flüsse Österreichs -, die eine natürliche Achse für Verkehr und Besiedlung bildet. In den breiteren Talbereichen liegen zahlreiche Seen, an denen sich die wichtigsten Tourismuszentren Kärntens entwickelt haben. Verbunden werden sie durch die landschaftlich reizvolle Kärnten Seen-Schleife, die durch einige der schönsten Regionen im Süden Österreichs führt.
Die Schleife der Route ist in Villach gebunden
Der offizielle Name der neuen Route - Kärnten Seen-Schleife - wird in anderen Sprachen als Carinthian Lake Loop übersetzt, obwohl das deutsche Wort „Schleife“ auch eine Schleife im Sinne einer Schleifenbindung bezeichnet. Tatsächlich erinnert die Form der Route an eine Schleife, deren beide Enden in Villach zusammenlaufen. Die westliche und die östliche Runde sind mit jeweils rund 210 Kilometern nahezu gleich lang. Die westliche Schleife ist anspruchsvoller und beinhaltet zwei längere alpine Anstiege zu höher gelegenen Seen entlang der Strecke. Die östliche Schleife weist ein sanfteres Höhenprofil auf und nutzt über weite Strecken den attraktiven Drauradweg, ergänzt durch einen neuen landschaftlich reizvollen Abschnitt im Glantal. Insgesamt ergibt sich eine rund 420 Kilometer lange Route voller landschaftlicher Vielfalt - ideal für eine mehrtägige Veloreise, die bei gemütlichem Tempo problemlos eine ganze Woche füllen kann.
Villach eignet sich sowohl als Ausgangspunkt zur Erkundung Kärntens mit dem Velo als auch als Start- und Zielort einer mehrtägigen Rundreise. Die Stadt ist bequem mit dem Auto erreichbar, das sich für einige Tage beispielsweise auf dem kostenlosen Willroider-Parkplatz im Zentrum oder auf einem der zahlreichen Campingplätze in der Umgebung abstellen lässt, etwa am Faaker See. Zudem bietet Villach gute Bahnverbindungen zu anderen Städten der Region, darunter Klagenfurt, Salzburg, Lienz und das italienische Udine. Täglich verkehren mehrere fahrradfreundliche Fernzüge aus Wien nach Villach, die über spezielle Stellplätze für Velos verfügen. Dank dieser vielfältigen Anreisemöglichkeiten lässt sich eine Veloreise nach Kärnten einfach und komfortabel organisieren.
Velowege, öffentliche Strassen, Waldwege und... Wasserwege
Die Kärnten Seen-Schleife verläuft grösstenteils auf komfortablen und sicheren Velowegen, die oft vom motorisierten Verkehr getrennt sind. Auf einigen Abschnitten führt die Route jedoch auch über öffentliche Strassen mit unterschiedlicher Verkehrsbelastung. Laut Daten von Komoot entfallen rund 120 Kilometer auf eigenständige Velowege, während etwa 180 Kilometer auf öffentlichen Strassen zurückgelegt werden. Dazu gehören zahlreiche ruhige Nebenstrassen sowie einige wenige, meist kurze, stärker befahrene Abschnitte. Der verbleibende Teil besteht aus gut gepflegten Schotterwegen, gelegentlichen schmalen Singletrails und sogar - einmal - aus einem sechs Kilometer langen Abschnitt, der mit dem Schiff zurückgelegt wird. Dank dieser Vielfalt ist die Route abwechslungsreich und für die meisten Velofahrer gut geeignet, auch wenn an einigen Stellen etwas mehr Aufmerksamkeit erforderlich ist, insbesondere bei Fahrten mit Kindern.
Zum vierten Mal auf der Schleife, zum ersten Mal bei Velovista
Die Kärnten Seen-Schleife sind wir inzwischen bereits viermal gefahren. Unser erster Besuch fand 2020 statt, kurz nach der offiziellen Eröffnung der Route. Ich erinnere mich an diese Reise als wunderbare Verbindung von alpinen Landschaften und sommerlicher Atmosphäre. Später kehrten wir zweimal zurück, um einzelne Abschnitte der Route während längerer Fahrten auf dem Drauradweg und dem Alpe-Adria-Radweg zu erkunden, die beide durch Kärnten führen. Meine vierte Fahrt auf der Kärnten Seen-Schleife erfolgte anlässlich der Premiere der Velovista, deren erste Ausgabe im Mai 2025 stattfand. Gemeinsam mit mehr als 400 Teilnehmern - überwiegend aus Österreich und Deutschland, aber auch aus Italien, Slowenien, der Schweiz, Ungarn, Tschechien und Polen. Die Veranstaltung basierte vollständig auf der Kärnten Seen-Schleife und bot zahlreiche Gelegenheiten für interessante Begegnungen und den Austausch von Erfahrungen in einer internationalen Gruppe.
Die Velovista 2025 dauerte fünf Tage, von denen vier den einzelnen Etappen mit Tagesdistanzen zwischen 40 und 80 Kilometern gewidmet waren. Start und Ziel befanden sich in Villach, die Übernachtungen erfolgten in Sankt Kanzian und Klagenfurt. Im Teilnehmerpaket waren Unterkunft und Vollverpflegung enthalten, wobei ausschliesslich regionale Spezialitäten aus Kärnten serviert wurden. Die Veranstalter organisierten zudem den Gepäcktransport zwischen den Übernachtungsorten, den die meisten Teilnehmer nutzten, auch wenn einige bewusst mit klassischen Gepäcktaschen unterwegs waren. Ergänzt wurde das Programm durch Konzerte und kulturelle Veranstaltungen mit starkem regionalem Bezug, die der gesamten Reise einen unverwechselbar kärntnerischen Charakter verliehen. Die meisten Teilnehmer reisten mit ihrem eigenen Velo an, vor Ort bestand jedoch auch die Möglichkeit, eines zu mieten.
Die Kärnten Seen-Schleife entwickelt sich weiter
Ein Foto aus dem kleinen Ort Vorderberg erinnert daran, dass die Kärnten Seen-Schleife noch immer weiterentwickelt wird. Wer diese Route durch Kärnten fährt, sollte damit rechnen, dass die ausgeschilderte Strecke gelegentlich leicht von der offiziellen Routenführung abweicht - oder auch von dem Track, den ich hier auf Grundlage unserer Reise veröffentliche. Im offiziellen GPX-Track der Kärnten Seen-Schleife auf Outdooractive, der über die offizielle Website der Route erreichbar ist, wurden bereits mehrere Abschnitte angepasst. In solchen Fällen lohnt es sich, die Karte zu prüfen und vor Ort den Wegweisern zu folgen. So auch in Vorderberg, wo die tatsächliche Streckenführung von der offiziellen Route abweicht und kurz die Gail verlässt, um über eine Brücke im Ortszentrum zu führen.
Eine ähnliche Situation gibt es in der Nähe des wunderschönen Weissensees. Als wir die Kärnten Seen-Schleife zum ersten Mal fuhren, führte die Hauptroute von Osten hinauf zum See und beinhaltete anschliessend eine Schifffahrt. Heute nähert sich die offizielle Streckenführung dem Weissensee von Westen. Dennoch zeige ich in diesem Artikel die östliche Variante und empfehle ausdrücklich, den Weissensee auf diesem Weg zu erreichen und den entsprechenden Abschnitt der Route mit dem Schiff zurückzulegen. Diese Fahrt ist eine grossartige Bereicherung jeder Veloreise - weiter unten im Text erzähle ich mehr darüber.
Übernachtungen in Hotels, Pensionen und auf Campingplätzen
Ob im Rahmen der organisierten Velovista oder während einer individuell geplanten Veloreise - entlang der Route steht eine grosse Auswahl an Unterkünften unterschiedlicher Kategorien und Preisklassen zur Verfügung. Wir haben bereits in Pensionen, Hotels und auf Campingplätzen übernachtet und diese über einen bekannten Buchungsdienst reserviert. Gleich am ersten Tag der diesjährigen Reise, während unserer Übernachtung in Villach, wurde ich erneut daran erinnert, wie willkommen Veloreisende in Kärnten sind. Das Hotel, in dem ich übernachtete, bot nicht nur einen offenen Abstellbereich für Velos im Servicehof, sondern auch einen speziellen abgeschlossenen Fahrradraum in einem ehemaligen Geschäftslokal in einer nahegelegenen Strasse, das eigens für diesen Zweck angemietet wurde.
Eine schöne Burg und eine beeindruckende Greifvogelschau
Zu den ersten Sehenswürdigkeiten entlang der Kärnten Seen-Schleife gehört die Burgruine Landskron, die auf einem markanten Felsen oberhalb von Villach thront. Die im 14. Jahrhundert errichtete Burg war über Jahrhunderte ein bedeutendes Verwaltungs- und Verteidigungszentrum der Region, bevor sie im 19. Jahrhundert durch einen Brand zur malerischen Ruine wurde. Heute ist Landskron vor allem für die Adler Arena bekannt, in der spektakuläre Vorführungen mit Greifvögeln wie Adlern, Geiern, Eulen und anderen Arten stattfinden. Die Vögel fliegen dabei völlig frei und ohne Absperrungen nur wenige Meter über die Köpfe der Zuschauer hinweg, während die Vorführung von einem erfahrenen Falkner moderiert wird. Die Schau gehört zu den Attraktionen, die mit der Kärnten Card kostenlos besucht werden können. Allerdings sollte man beachten, dass die Zufahrtsstrasse zur Burg sehr steil ist und stellenweise bis zu 15 Prozent Steigung aufweist. Bereits die Auffahrt bis zum Burgtor kann selbst für trainierte Velofahrer eine Herausforderung sein.
Benediktinerabtei mit jahrhundertelanger Geschichte
Der erste See an der Kärnten Seen-Schleife ist der Ossiacher See - ein wunderschön gelegener See, der grösstenteils von einem asphaltierten Veloweg direkt am Ufer umgeben wird. An seinem Ostufer liegt der Ort Ossiach, der vor allem für seine beeindruckende Benediktinerabtei bekannt ist, deren Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Über Jahrhunderte spielte das Kloster eine zentrale Rolle im geistlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben der Region und war zugleich Gotteshaus, Bildungsstätte und Treffpunkt der lokalen Gemeinschaften. Die Kirche mit ihren markanten architektonischen Details vereint verschiedene Baustile, die während zahlreicher Umbauten und Erweiterungen entstanden sind, und erzählt damit ein Stück Kärntner Geschichte. Die ruhige Klosteranlage, eingebettet zwischen See und Alpenhängen, lädt dazu ein, einen Moment innezuhalten und die Atmosphäre eines Ortes zu erleben, der fast tausend Jahre Geschichte miterlebt hat.
Gemächlich durch die Kärntner Moorlandschaften
Während wir das Nordufer des Sees umrunden, begegnen wir immer mehr Spaziergängern auf dem Weg zum geschützten Moorgebiet Bleistätter Moor. Hier beginnt einer der sieben Wanderwege des Slow-Trails-Netzwerks - jener „langsamen Wege“, die dazu einladen, die wertvollsten Naturorte Kärntens in ruhigem Tempo zu entdecken. Es ist eine interessante Initiative, die zu einem bewussten Naturerlebnis anregt, auch wenn die Wege leider nicht für Velofahrer vorgesehen sind. Aus der Ferne können wir lediglich die ausgedehnten Moorflächen und den markanten Aussichtsturm bewundern, der direkt am Ufer des Ossiacher Sees steht.
Mit der ältesten Bergbahn auf die Gerlitzen Alpe
Kurz bevor wir den Abschnitt der Route rund um den Ossiacher See verlassen, halten wir an der Talstation in Annenheim. Unsere Velos lassen wir unter der Aufsicht des Personals zurück und steigen wenig später in die Kanzelbahn, die uns auf die Gerlitzen Alpe bringt. Sie ist die älteste Bergbahn Österreichs - ursprünglich 1928 eröffnet, auch wenn die heutige Anlage aus dem Jahr 1987 stammt. Nach einem kurzen zweiten Abschnitt mit einem Sessellift erreichen wir den Gipfel der Gerlitzen Alpe auf 1.909 Metern Höhe. Von hier eröffnet sich ein beeindruckender Blick auf die Gurktaler Alpen, und die zahlreichen Gleitschirmflieger, die genau an dieser Stelle starten und über Kärnten schweben, machen das Erlebnis noch eindrucksvoller. Besonders schön ist der Blick auf den Ossiacher See, der die Gerlitzen Alpe zu einem aussergewöhnlichen Aussichtspunkt macht. Im Sommer laden ausserdem ein Bergrestaurant und eine Sonnenterrasse zu einer Pause ein, bevor es wieder hinunter ins Tal geht.
Mehr als 100 Kärntner Attraktionen mit der Kärnten Card
Die Idee, mit der Bahn auf die Gerlitzen Alpe zu fahren - ebenso wie viele andere Sehenswürdigkeiten in Kärnten zu besuchen -, entstand dank der Kärnten Card. Diese regionale Vorteilskarte ermöglicht freien Eintritt zu mehr als hundert Attraktionen in der gesamten Region. Dazu gehören Museen, Freibäder, Freizeitparks, Bergbahnen, Aussichtstürme und Panoramastrassen. Die Karte gilt während der gesamten Sommersaison, wobei der Preis von der Aufenthaltsdauer und dem Alter des Nutzers abhängt. Besonders praktisch ist, dass viele der enthaltenen Attraktionen mehrfach besucht werden können, was bei der Tagesplanung grosse Flexibilität bietet. Die vollständige Liste aller Leistungen findet sich auf der Website der Kärnten Card sowie in der dazugehörigen App. Wer einige Tage in Kärnten verbringt und die Region aktiv erkunden möchte, für den lohnt sich die Karte auf jeden Fall. Die interaktive Karte auf der Website erleichtert zusätzlich die Planung und zeigt, welche Sehenswürdigkeiten sich in der Nähe befinden.
Die magische Welt der Puppen und Kärntner Traditionen
Nach dem Ossiacher See folgt der erste grössere Anstieg der Route - fast 300 Höhenmeter hinauf in Richtung des nächsten Sees, des Millstätter Sees. Bevor wir ihn erreichen, legen wir einen Halt im charmanten Dorf Einöde bei Villach ein, wo sich die Elli Riehl Puppenwelt befindet. In einem schönen alpinen Holzhaus erwartet die Besucher eine aussergewöhnliche Sammlung von rund 700 handgefertigten Puppen, die die Künstlerin über mehrere Jahrzehnte hinweg geschaffen hat. Elli Riehl (1902-1977) stellte in ihren Arbeiten das Alltagsleben und die Bräuche der ländlichen Kärntner Bevölkerung des 20. Jahrhunderts dar. Ein bemerkenswertes Detail aus der Geschichte dieses Ortes ist, dass während des Zweiten Weltkriegs ein von ihr geschaffenes Puppen-Hochzeitszugensemble Adolf Hitler geschenkt wurde, da sie damals weit über Kärnten hinaus bekannt war. Die Puppenwelt ist einen Besuch wert, ebenso wie das nahegelegene Pilzmuseum, das während unseres Aufenthalts leider geschlossen war. Beide Attraktionen können mit der Kärnten Card kostenlos besucht werden.
Kärntner Käser bei der Arbeit in der Kaslabn beobachten
Vorbei an zwei malerischen Seen - dem Afritzer See und dem Feldsee - erreichen wir Radenthein, einen kleinen Ort kurz vor dem Millstätter See. Hier lohnt sich selbst für einen kurzen Besuch ein Halt bei der Käserei Kaslabn, die bereits durch ihre moderne Holzarchitektur auffällt. Im Erdgeschoss befindet sich ein Geschäft mit Käse- und Bio-Milchprodukten aus der Region, doch das eigentliche Herzstück liegt eine Etage tiefer. Über eine unscheinbare Treppe gelangt man zu einer grossen Glasscheibe, hinter der die Käser bei ihrer Arbeit beobachtet werden können. Zu bestimmten Zeiten werden zudem kurze Vorführungen für Besucher angeboten. Hinter einer weiteren Glaswand reifen die regionalen Käsesorten langsam heran und entwickeln dabei ihren charakteristischen Geschmack. Die Kaslabn ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie in Österreich aus einer traditionellen alltäglichen Tätigkeit ein modernes, nachhaltiges Unternehmen mit touristischer Anziehungskraft entstehen kann.
Der Millstätter See - das Juwel Kärntens
Schon bald beginnen wir zu bedauern, dass wir Spittal an der Drau, rund 15 Kilometer entfernt, als Übernachtungsort gewählt haben - zu gerne hätten wir noch mehr Zeit rund um den Millstätter See verbracht. Er ist der zweite grosse See entlang unserer Route und wirkt vom hoch gelegenen Ufer in Millstatt am See aus betrachtet ausgesprochen beeindruckend. Als Juwel Kärntens bekannt, ist der Millstätter See zwölf Kilometer lang und erreicht Tiefen von bis zu 140 Metern. Wanderführer empfehlen die umliegenden Alpenhänge, von denen sich spektakuläre Ausblicke auf den See eröffnen. Zu den lokalen Besonderheiten zählen der „Weg der Liebe“, das einzigartige Baumheiligtum mit der Sieben-Nadel-Kiefer sowie der geheimnisvolle Lochvisierstein. Der hier verlaufende Millstätter See Höhensteig wurde mit dem österreichischen Wandergütesiegel ausgezeichnet - ein Hinweis darauf, dass dieser Ort nicht nur zum Velofahren einlädt, sondern auch dazu, gelegentlich vom Sattel abzusteigen.
Über dem unteren Teil von Millstatt erhebt sich der Lindenhof - heute ein Hotel- und Appartementkomplex, einst Teil der Benediktinerabtei. Die erhaltenen Klostergebäude gehören zu den bedeutendsten Beispielen romanischer Architektur in Kärnten. Obwohl das Wetter an diesem Tag wechselhaft war, herrschte im Ort reges Leben. Viele Menschen flanierten durch die Strassen, und die Gastgärten der Restaurants waren gut besucht. Das galt ebenso für das Restaurant im markanten Badehaus Kärnten und sogar für das auffällige Café Kap 4613 in Form einer modernen Pyramide, das am Ortsausgang von Millstatt in Richtung Spittal an der Drau liegt.
Eine Erinnerung an die Fahrt durch die Ostalpen
An Spittal an der Drau erinnerten wir uns von einer Reise vor einigen Jahren, als wir unsere Fahrt durch die Ostalpen im Drautal beendeten, nachdem wir von Bregenz bis nach Villach geradelt waren. Damals erschien uns die Stadt eher kommerziell geprägt und stark auf Unterhaltung ausgerichtet. Dieses Mal wurde unser Eindruck jedoch durch das Renaissance-Schloss Porcia deutlich positiver. Die Österreicher betrachten es als das bedeutendste Renaissancebauwerk nördlich von Italien. Besonders an einem sommerlichen Nachmittag, wenn die Sonne den Arkadenhof erhellt und sich das leise Stimmengewirr der Besucher darin verliert, entfaltet das Schloss seinen besonderen Reiz. Seine elegante Architektur, die offenen Galerien und die ruhige Atmosphäre sprechen nicht nur Geschichtsinteressierte an. Das im 16. Jahrhundert nach italienischen Vorbildern errichtete Schloss war einst die Residenz von Gabriel von Salamanca, einem spanischen Berater Kaiser Ferdinands I. Heute beherbergt es das Regionalmuseum, und im Sommer wird der Innenhof zur Bühne für Konzerte und Theateraufführungen.
Eine Veloroute, die über einen See führt
Obwohl dies der kürzeste Tag unserer Reise war, erinnern wir uns besonders gerne an ihn zurück. Nach einigen Kilometern auf dem bekannten Drauradweg entlang der Drau - über den ich am Ende des Artikels noch ausführlicher schreibe - bogen wir nach Süden ab und begannen den mehrkilometerlangen Anstieg in Richtung Stockenboi und weiter zum Weissensee. Anfangs war die Strasse steil und fordernd, doch bald wurde sie angenehmer, und schon wenig später lag das türkisfarbene Wasser des Sees vor uns. Die Ausblicke waren schlicht grossartig. Noch schöner wurde das Erlebnis durch das Wissen, dass unser Campingplatz am gegenüberliegenden Ufer nur noch eine kurze Strecke entfernt lag. Fast die Hälfte dieser Distanz würden wir jedoch nicht auf dem Velo, sondern an Bord eines Schiffes zurücklegen. Es war die perfekte Gelegenheit, die Räder für eine Weile beiseitezustellen und die ruhige Atmosphäre der Alpenlandschaft aus einer ganz anderen Perspektive zu geniessen.
Der Weissensee gehört ohne Zweifel zu den aussergewöhnlichsten Seen entlang der gesamten Route. Er ist der höchstgelegene Badesee Österreichs, dessen Wasser im Sommer Temperaturen von bis zu 24 Grad Celsius erreicht. Dank einer Sichttiefe von bis zu sechs Metern ist das Wasser nahezu von Trinkwasserqualität. Im Winter verwandelt sich der See in eine riesige Natureisfläche und zieht zahlreiche Niederländer an, die hier eine alternative Ausgabe der berühmten Elfstedentocht veranstalten - des Eisschnelllauf-Marathons der elf Städte, der aufgrund des Klimawandels auf den zugefrorenen Kanälen Frieslands kaum noch stattfinden kann. Es fällt leicht, sich den Weissensee als ruhiges, schneeweisses Paradies für Eisläufer und Langläufer vorzustellen - völlig anders als im Sommer und doch genauso reizvoll.
Die Überquerung des Sees ist ein Erlebnis für sich. Die einzige Möglichkeit, den Weissensee zu queren, führt über das Wasser. Das Nordufer steht unter Naturschutz und ist nur über die Wanderwege des Slow-Trails-Netzwerks zugänglich, während am Südufer eine anspruchsvolle MTB-Strecke verläuft, die sich für Reiseräder mit Gepäcktaschen kaum eignet. An einem malerisch über dem Wasser schwebenden Steg warten wir auf das Hybridschiff Alpenperle. Es bleibt sogar Zeit, unsere Ankunft mit einem kleinen Bier zu feiern - in dieser Umgebung schmeckt es besonders gut. Wenige Minuten später gleitet die Alpenperle, Österreichs erstes Elektro-Hybrid-Schiff, lautlos an den Anleger. Sie gehört zu den wenigen Fahrzeugen, die trotz des Verbots motorisierten Verkehrs auf dem Weissensee verkehren dürfen. Velofahrer sind hier ein alltäglicher Anblick, denn die Schifffahrt ist Teil der offiziellen Strecke der Kärnten Seen-Schleife, und auf dem unteren Deck gibt es einen speziell eingerichteten Bereich für Fahrräder.
Ein perfekter Ort für Familienferien mit dem Velo
Der malerische Weissensee ist ein beliebtes Sommerziel vieler Veloreisender, und während unseres Aufenthalts begegneten wir zahlreichen Familien mit Kindern. Vor den Restaurants standen Dutzende Fahrräder, und auf dem Campingplatz am westlichen Ende des Sees war kaum ein Zelt oder Wohnmobil ohne daneben abgestellte Velos zu finden. Am Nordufer liegt Techendorf, das touristische Zentrum des Weissensees. Hier befinden sich Geschäfte, Verleihe für Wassersportgeräte und Fahrräder, mehrere Hotels und Pensionen sowie die Anlegestelle des Schiffes, das den See überquert. Ein Spaziergang über die Brücke, die beide Ufer verbindet, gehört zum Pflichtprogramm, denn von dort eröffnen sich einige der schönsten Ausblicke auf den Weissensee. Ebenso lohnt sich eine Pause in einem der zahlreichen Cafés, die regionale Backwaren und alpine Spezialitäten mit Blick auf das Wasser servieren. Trotz seiner touristischen Bedeutung hat sich der Ort eine angenehme, überschaubare Atmosphäre bewahrt und bietet alles für einen aktiven und entspannten Tag am See.
Noch eine Attraktion mit der Kärnten Card
Bevor wir am nächsten Tag den Anstieg zum Kreuzbergsattel in Angriff nahmen, der Teil unserer Route durch Kärnten war, wollten wir noch eine weitere Attraktion der Kärnten Card nutzen. Mit einem Sessellift fuhren wir hinauf zur Naggler Alm, von wo sich ein beeindruckender Blick auf den Weissensee und die umliegenden Alpen bietet. Für uns war es eine kurze landschaftliche Pause vor der Weiterfahrt, doch die meisten Fahrgäste machten sich von dort aus auf Wanderungen oder erkundeten die als Mountainbike-Singletrails angelegten Strecken. Eine ähnliche Unterbrechung der Veloreise lässt sich auch in Spittal an der Drau einplanen, wo die lokale Seilbahn auf den Goldeck in den Gailtaler Alpen führt. Auch diese Attraktion ist in der Kärnten Card enthalten und deshalb besonders interessant für aktive Reisende.
Durch das malerische Gailtal radeln
Vom Kreuzbergsattel, in der Nähe eines weiteren Aussichtspunktes mit Panoramablick auf den Weissensee, begann für uns eine mehrere Kilometer lange Abfahrt durch das Gitschtal in Richtung der kleinen Stadt Hermagor im Gailtal. Der erste Abschnitt besteht aus einer Reihe steiler Kehren, auf denen man leicht die Geschwindigkeit der Autos erreicht - entsprechend ist besondere Vorsicht geboten. Unterwegs passieren wir einige winzige Ortschaften, in denen das Leben deutlich ruhiger zu verlaufen scheint als in den touristischen Zentren der Region. Später wird die Abfahrt sanfter, doch die Strasse führt weiterhin stetig bergab und schlängelt sich durch malerische Wiesen, Wälder und Almflächen.
Entlang der Gail nutzt die Kärnten Seen-Schleife den Verlauf des schönen Gailtal Radwegs. Über weite Strecken erwartet uns hervorragender Asphalt, während sich erst näher bei Villach einige gut gepflegte Schotterabschnitte finden. Unterwegs laden kleine Rastplätze mit Sitzbänken und Informationstafeln über die Region zu kurzen Pausen ein. Besonders markant in der Landschaft des Tals ist die mächtige Silhouette des Dobratsch, eines freistehenden Bergmassivs mit einer Höhe von 2.166 Metern. Hier befindet sich Kärntens erster Naturpark, der aufgrund seiner aussergewöhnlichen Natur- und Geologieformen unter Schutz steht. Der Dobratsch ist zudem für seine beeindruckenden Ausblicke und sein dichtes Netz an Wanderwegen bekannt, während seine steilen Hänge Bergsteiger und Naturfreunde anziehen.
Köstliches Slow Food in Kärnten
Viele der Weiden und Felder, an denen wir vorbeifahren, gehören Landwirten, die Teil des einzigartigen Projekts Slow Food Villages sind - des weltweit ersten Netzwerks von Dörfern, die gemeinsam die Prinzipien einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Lebensmittelproduktion umsetzen. Es handelt sich um eine mutige Initiative, die lokale Produzenten rund um Werte wie Qualität, Frische und Respekt vor Traditionen zusammenbringt. Dadurch bewahren die Dörfer ihren unverwechselbaren Charakter und ziehen Reisende an, die authentische Erlebnisse suchen. Die Bauern produzieren hier nicht nur Bio-Fleisch, Milchprodukte, Kräuter, Süsswaren und Weine, sondern bewahren gleichzeitig das kulinarische Erbe der Region und schaffen damit ein wertvolles und glaubwürdiges touristisches Angebot.
Die Ergebnisse dieser Kärntner Slow-Food-Philosophie konnten wir im familiengeführten Restaurant Bärenwirt in Hermagor erleben. Das Restaurant am historischen Hauptplatz der Stadt verwendet ausschliesslich Produkte lokaler Erzeuger, die auf einer Karte in einer Vitrine vor dem Eingang vorgestellt werden. Die Besitzer kennen alle ihre Lieferanten persönlich, was ihnen ermöglicht, die hohe Qualität ihrer Gerichte sicherzustellen. Eier, Käse, Schweine- und Rindfleisch, Obst, Gemüse, Honig und sogar das Bier stammen aus nahegelegenen Höfen und kleinen Betrieben, sodass die Speisekarte die kulinarische Identität der Region authentisch widerspiegelt. Auf meinem Teller landeten köstliche Ziegenrippchen mit Kohl, Honig, Ingwer und Safranöl.
Eine angenehme Pause im Schatten des Dobratsch
Zu einem weiteren Halt entlang der Strecke verlockte uns das gemütliche Restaurant Almwirtschaft Schütt, das direkt am Radweg nahe der Brücke über die Drau liegt. Das Holzgebäude mit seiner schattigen Terrasse, knarrenden Bänken, dem Duft frischer Kräuter und der herzlichen Atmosphäre ist ein idealer Ort für eine ruhige Pause mit Blick auf Almwiesen und den Dobratsch im Hintergrund. Hier werden einfache regionale Gerichte serviert - frisches Brot mit Kräuterbutter, hausgemachter Käse oder Apfelstrudel aus Äpfeln eines nahegelegenen Obstgartens. Auf meinem Teller landeten jedoch erneut Kärntner Knödel, diesmal mit Fleischfüllung und gebratenem Kraut.
Von einem Flussufer zum anderen
Die Kärnten Seen-Schleife überquert die Gail entlang ihres Verlaufs mehrfach. Mal führt die Route gemeinsam mit dem Autoverkehr über eine Brücke, an anderen Stellen über schmale Übergänge, die für Fahrzeuge nicht zugänglich sind. Besonders eindrucksvoll ist die Nepomukbrücke, die nur wenige hundert Meter von der zuvor erwähnten Almwirtschaft Schütt entfernt liegt. Sie ist die längste Brücke dieser Art entlang der Route und befindet sich weit entfernt von jeder Bebauung. Hier breitet sich die Gail in einem weiten Flussbett mit Kiesbänken und flachen Uferbereichen aus, während sich darüber das mächtige Massiv des Dobratsch erhebt - alles eingebettet in das Naturschutzgebiet Schütt. Es ist einer jener Orte, an denen die Natur Kärntens besonders eindrucksvoll wirkt: wild, ursprünglich und authentisch. Mit dem Velo durch diese Landschaft zu fahren, bringt einen ihr erstaunlich nahe.
Das Schutzgebiet Schütt ist ein aussergewöhnlicher Naturraum, der sowohl wegen seiner seltenen alpinen Pflanzenwelt als auch aufgrund seiner besonderen geologischen Entstehung von Bedeutung ist. Die Landschaft wurde durch gewaltige Bergstürze von den Hängen des Dobratsch geformt. Hier befindet sich der grösste Bergsturz der Alpen, bei dem mehr als 300 Millionen Kubikmeter Gestein abgingen und die heutige Landschaft aus Geröllfeldern und sonnigen Trockenwiesen entstehen liessen. Diese besonderen Bedingungen schufen ideale Lebensräume für zahlreiche seltene Arten, darunter den Karpaten-Skorpion, ein kleines und völlig ungefährliches Relikt wärmerer Klimaperioden. Hinzu kommen verschiedene Reptilienarten wie die Äskulapnatter, die Kreuzotter und die Smaragdeidechse sowie bemerkenswerte Schmetterlinge, Käfer und wilde Orchideen. Dank seines warmen Mikroklimas und der abwechslungsreichen Landschaft erinnert die Schütt stellenweise eher an Südeuropa als an eine typische Alpenregion und gehört damit zu den faszinierendsten Naturgebieten ganz Kärntens.
Eine schöne Erinnerung an den Alpe-Adria-Radweg
Als sich der Gailtal Radweg Villach nähert, zaubert uns noch eine Erinnerung an den Alpe-Adria-Radweg ein Lächeln ins Gesicht. Auf etwa zwei Kilometern verlaufen beide Routen gemeinsam - zunächst über eine schmale Radbrücke über die Gail, anschliessend über einen geschotterten Abschnitt direkt am Flussufer, im Schatten der Bäume und mit Blick auf die umliegenden Berge. Dieses kurze Zusammentreffen zeigt, wie gut sich die beiden Routen ergänzen, obwohl die Kärnten Seen-Schleife und der Alpe-Adria-Radweg sehr unterschiedlich sind. Die eine führt durch ruhige Landschaften, kleine Orte und Seenregionen Kärntens, die andere überquert die Alpen und endet an der Adriaküste. Gemeinsam haben beide jedoch die hervorragende Infrastruktur, grossartige Landschaften und die Freude am entspannten Veloreisen. Und Kärnten bietet noch eine dritte herausragende Route - den Drauradweg -, dem wir am nächsten Tag folgen wollten, um unsere Velorunde durch den Süden Österreichs fortzusetzen.
Über den Pressegger See zum Faaker See
Entlang des Gailtals passierten wir den Pressegger See - einen kleinen See mit ausgeprägter Ferienatmosphäre, der bei uns jedoch keinen besonders bleibenden Eindruck hinterliess. Obwohl der volle Parkplatz am Strandbad zeigte, wie beliebt der See bei den Österreichern ist, fehlte uns hier etwas von jenem besonderen Charme, der uns an den zuvor besuchten Seen begeistert hatte. Der Tag endete am Faaker See - dem fünftgrössten See Kärntens und einem der bekanntesten Ferienorte der Region. Sein kristallklares Wasser, die kleinen Sandstrände und die Aussicht auf die Alpen verleihen ihm eine ganz besondere Atmosphäre. Die zahlreichen Campingplätze rund um den See sorgen für eine entspannte sommerliche Stimmung und machen es leicht, länger zu bleiben als ursprünglich geplant.
Dank des dichten Netzes an Campingplätzen in Kärnten lässt sich die Route problemlos Tag für Tag planen. Obwohl der August die Hauptreisezeit in Österreich ist und viele Österreicher ihre Ferien im eigenen Land verbringen, hatten wir nie Schwierigkeiten, ohne Reservierung einen Platz auf einem Campingplatz zu finden. Für zwei Veloreisende mit Zelt braucht es schliesslich nicht viel - ein ebenes Stück Wiese und eine Dusche reichen nach einem langen Tag im Sattel vollkommen aus. Erwähnenswert ist auch, wie ernst man hier Ordnung und Nachtruhe nimmt. Gegen 22 Uhr verstummen die Gespräche, die Lichter gehen aus, und die einzige Bewegung auf unserem Campingplatz spielte sich rund um das beeindruckende Sanitärgebäude ab, das fast schon luxuriös wirkte.
Sehr angenehme 80 Kilometer entlang der Drau
Zurück an der Drau besserte sich unsere Stimmung sofort wieder. Nach einem regnerischen Morgen im Süden Kärntens zeigte sich die Sonne, und wir konnten einen weiteren attraktiven und hervorragend ausgebauten Abschnitt der Kärnten Seen-Schleife geniessen, der hier dem Verlauf des Drauradwegs folgt. Auf dem rund 80 Kilometer langen Abschnitt von Villach in Richtung Klopeiner See gibt es weder grössere noch mittelgrosse Städte, und über weite Strecken verläuft der Radweg direkt am Flussufer. Die Drau wird hier durch mehrere Wasserkraftwerke gestaut, wodurch ihr Lauf verlangsamt und in nahezu stehende Stauseen aufgeteilt wird. Das Ergebnis ist eine ruhige, grüne Route mit regelmässigen Ausblicken auf die markante Kette der Karawanken auf der rechten Seite.
Dieser Abschnitt im Drautal hat uns sowohl auf der Kärnten Seen-Schleife als auch während unserer Fahrt auf dem Drauradweg begeistert. Den Teilnehmern der Velovista dürfte es ähnlich gegangen sein. Das Peloton mit rund 400 Fahrern schien kein Ende zu nehmen, und immer wieder blickten mir lächelnde Gesichter entgegen, sobald ich die Kamera hob. Die Freude am Velofahren war ansteckend und auf jedem Kilometer spürbar. Ohne Zweifel gehören diese Dutzenden Kilometer entlang der Drau zu den schönsten Abschnitten einer Veloroute in Europa. Selbst das leicht bewölkte Wetter konnte weder die Begeisterung der Teilnehmer noch die Freude darüber schmälern, Teil einer so besonderen Veranstaltung zu sein.
Originelle Informationstafeln entlang der Route
Genau hier fielen uns die ungewöhnlichen Informationstafeln des Drauradwegs auf. Anstelle einer klassischen topografischen Karte zeigen sie Satellitenbilder, auf denen der Verlauf der Route besonders gut erkennbar ist. Der Radweg entlang des Flusses ist in leuchtendem Grün hervorgehoben, während weiss-rote Symbole interessante Orte für Veloreisende markieren - von Unterkünften bis zu Sehenswürdigkeiten. Auf der linken Seite der Tafel findet sich eine übersichtliche Liste dieser Punkte, und insgesamt fällt es schwer, sich eine klarere Darstellung der Route vorzustellen. Die einzige Überraschung bestand darin, dass die Satellitenbilder jeweils den flussaufwärts gelegenen Abschnitt zeigten - also jenen Teil, den die meisten Radfahrer in der Praxis bereits hinter sich gelassen haben, da sie üblicherweise mit der Strömung fahren.
Der Drauradweg - fünf Sterne vom ADFC!
Dies ist der perfekte Moment, daran zu erinnern, dass der Drauradweg zu den beliebtesten Velorouten Europas gehört. Oder sogar noch mehr: Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der Radwege in ganz Europa bewertet, hat dem Drauradweg die volle Fünf-Sterne-Wertung verliehen - die höchste Auszeichnung überhaupt, die nur vier Routen in ganz Europa erhalten haben. Wer also die Kärnten Seen-Schleife beendet, findet in der Drau eine hervorragende Fortsetzung seiner Reise. Die Route beginnt unterhalb der Dolomiten in Toblach (Dobbiaco) in Südtirol in Italien und endet bei Varaždin im Norden Kroatiens. Insgesamt misst sie rund 510 Kilometer und führt grösstenteils durch das landschaftlich reizvolle Tal der Drau, eingerahmt von den Alpenlandschaften Österreichs.
Sehr touristische Kulisse am Klopeiner See
Der Klopeiner See zählt zu den wärmsten Badeseen Europas und ist ein Zentrum für Wassersport und sommerliche Erholung. Der nahegelegene Ort Sankt Kanzian am Klopeiner See bietet eine breite Palette an Aktivitäten - vom Stand-up-Paddling, Tauchen und Windsurfen über Rudern, Fitnessangebote und Klettern bis hin zu Golf und Thermenbesuchen. Besonders auffällig waren für uns die zahlreichen Stege, die weit in den See hineinragen. Es scheint, als verfüge nahezu jede Unterkunft - von der kleinen Pension bis zum grossen Hotel - über ihren eigenen Badesteg, wodurch das Ufer ungewöhnlich dicht bebaut wirkt. Wir müssen zugeben, dass dieser Anblick nicht ganz unserem Geschmack entsprach, auch wenn der Radweg rund um den Klopeiner See angenehm zu fahren und sehr gut gepflegt ist.
Eine lange Brücke führt uns über den Völkermarkter Stausee, der durch den Bau des Kraftwerks Edling an der Drau entstanden ist. Seine ruhigen Wasserflächen breiten sich malerisch am Fuss der Saualpe aus und spiegeln die Silhouetten der Wälder sowie vorbeifahrende Radfahrer wider. Dieser Abschnitt verläuft teils auf Asphalt, teils auf Schotterwegen entlang schmaler Hochwasserdämme und passiert stille Weiler, Angelstege und kleine Freizeithäfen. Nachdem wir am Schloss Grafenstein vorbeigefahren sind, folgt die Route für längere Zeit der Bahnlinie, bevor sie uns schliesslich nach Klagenfurt bringt.
Charmantes Alpen-Adria-Flair in Klagenfurt
Klagenfurt am Wörthersee ist die Hauptstadt Kärntens und die sechstgrösste Stadt Österreichs. Sie gilt als Ort, an dem verschiedene Kulturen aufeinandertreffen - man hört den charakteristischen melodischen Dialekt der Region, spürt die Nähe zu Italien und erlebt eine Offenheit und Lebensfreude, die auch vom benachbarten Slowenien geprägt ist. Nach den belebten Promenaden und Badeplätzen am Wörthersee empfängt uns die Altstadt mit dem angenehmen Stimmengewirr von Cafés und flanierenden Passanten. Wir stellen die Velos am Hotel ab und schlendern durch die engen Gassen, wo sich problemlos ein freier Tisch in einem Restaurant finden lässt. Hier hoffen wir auf jene versprochene Alpen-Adria-Kulinarik, die österreichische, italienische und slowenische Einflüsse zu einer von Kräutern, Sonne und regionalen Aromen geprägten Genusswelt verbindet.
Eines der Restaurants, das wir entdecken, befindet sich im Innenhof des Landhauses - eines der bedeutendsten Gebäude der Stadt. Es ist Sitz des Kärntner Landtags und wurde im 16. Jahrhundert als befestigter Bau errichtet. Wir nehmen in einem schattigen Gastgarten Platz, geschützt von den Türmen des Landhauses, und während wir auf die Bedienung warten, betrachten wir einen Ort, an dem seit fast 500 Jahren Entscheidungen für ganz Kärnten getroffen werden. Der Kärntner Landtag verabschiedet Landesgesetze, wählt den Landeshauptmann und entsendet Vertreter in den Bundesrat. Wir sitzen dort, wo bereits Generationen von Politikern und Beamten ihre Pausen verbracht haben, und nur wenige Schritte entfernt sind noch die steinernen Aufstiegshilfen erhalten, die einst Reitern das Aufsitzen auf ihre Pferde erleichterten.
Während wir auf unser Essen warten, lohnt sich ein kurzer Gang über die steinerne Treppe in den ersten Stock des Landhauses, wo sich der berühmte Wappensaal befindet. Er zählt zu den bedeutendsten Repräsentationsräumen Kärntens und ist für seine reich ausgestattete Innenarchitektur sowie seine aussergewöhnliche heraldische Sammlung bekannt. An den Wänden sind mehr als 650 Wappen ehemaliger Adelsfamilien der Region dargestellt, die zusammen eine beeindruckende gemalte Chronik der Kärntner Geschichte bilden. Der Saal gilt als einer der schönsten seiner Art in Europa und begeistert nicht nur Geschichtsinteressierte, sondern alle, die handwerkliche Meisterleistungen vergangener Jahrhunderte schätzen. Ein Blick nach oben lohnt sich ebenfalls: Die Decke schmücken Allegorien bürgerlicher Tugenden, die seit Jahrhunderten das Ideal eines verantwortungsvollen Zusammenlebens verkörpern.
Klagenfurt ist definitiv keine Stadt für einen kurzen Zwischenstopp. Wer das Gefühl haben möchte, die Stadt wirklich kennengelernt zu haben, sollte mindestens einen ganzen Tag hier verbringen. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören die beiden zentralen Plätze: der Alte Platz mit dem Alten Rathaus sowie der Neue Platz mit dem Neuen Rathaus und dem berühmten Lindwurmbrunnen - dem mythischen Drachen, der als Wahrzeichen der Stadt gilt. Die Skulptur entstand Ende des 16. Jahrhunderts und wurde im folgenden Jahrhundert durch die Figur des Herkules ergänzt, der eine Schlange hält. Gemeinsam bilden sie das bekannteste Denkmal Klagenfurts. Ebenfalls sehenswert ist der Dom zu Klagenfurt, die Kathedrale St. Peter und Paul, eine eindrucksvolle Barockkirche, die ursprünglich als Jesuitenkirche erbaut wurde und heute die Kathedrale der Diözese Gurk-Klagenfurt ist.
Mehr als 150 Miniaturbauwerke aus aller Welt
Besucher von Klagenfurt werden auch dazu eingeladen, die etwas leichteren und unterhaltsameren Seiten der Stadt kennenzulernen. Die bekannteste Attraktion dieser Art ist Minimundus - ein Park mit Miniaturmodellen berühmter Bauwerke aus aller Welt. Dabei handelt es sich keineswegs um eine beliebige Nachahmung ähnlicher Anlagen. Minimundus gehört zu den Pionieren dieses Konzepts und wurde bereits 1959 eröffnet. Nur acht Jahre später konnte die Anlage bereits ihren millionsten Besucher begrüssen. Ursprünglich mit 20 Modellen gestartet, umfasst sie heute 159 Bauwerke aus 40 Ländern, die im Massstab 1:25 detailgetreu nachgebildet wurden, oft unter Verwendung originaler Materialien. Ein Beispiel ist das Modell des Space Shuttle Atlantis aus dem Kennedy Space Center der NASA in Cape Canaveral, das zu bestimmten Zeiten unter den Originalgeräuschen einer Mission sogar „startet“.
Nach einem Tag in Klagenfurt führt uns die Kärnten Seen-Schleife nach Norden in das Tal der Glan - ein Abschnitt, der erst vor wenigen Jahren in die Route integriert wurde. Zunächst verläuft der Weg direkt entlang des Flusses und nutzt lokale asphaltierte Radwege sowie einige Schotterabschnitte. Dieser Teil des Tals ist ruhig und wenig frequentiert, sodass man die umgebende Landschaft in aller Gelassenheit geniessen kann. Nachdem wir die Burg Hochosterwitz und die Stadt Sankt Veit an der Glan erreicht haben, wendet sich die Route wieder in Richtung Wörthersee und führt durch die Hügel, die parallel zum Tal verlaufen. In diesem Abschnitt stehen jedoch weniger die Strecke selbst als vielmehr die besonderen Orte im Mittelpunkt, zu denen die Kärnten Seen-Schleife ihre Besucher bringt.
Maria Saal - ein bedeutender Wallfahrtsort
Zunächst erreicht man etwa einen Kilometer abseits der Route Maria Saal - einen kleinen Ort mit einer eindrucksvollen Stiftskirche, die dank ihrer beiden mächtigen Türme schon von weitem sichtbar ist. Es handelt sich um einen der bedeutendsten Wallfahrtsorte Kärntens, und die Stille rund um die Kirche verleiht dem Ort die Atmosphäre eines echten Heiligtums. Die steinernen Grabmäler rund um das Gotteshaus zeugen von einer jahrhundertealten Geschichte und laden zu einem Moment der Besinnung ein. Ebenfalls sehenswert ist das kleine Pfarrmuseum mit historischen liturgischen Gewändern und sakralen Kunstgegenständen. Auf dem Rückweg zur Route im Glantal passieren wir zudem das Freilichtmuseum Maria Saal - einen ethnografischen Park mit traditionellen Gebäuden, die das ländliche Leben vergangener Jahrhunderte anschaulich vermitteln.
Der Fürstenstein - ein Symbol Kärntens
Nur wenige Minuten hinter Maria Saal, unweit des Kärntner Freilichtmuseums, befindet sich eines der bedeutendsten historischen Symbole Kärntens - der Herzogsstuhl. Dieser jahrhundertealte doppelte Steinthron spielte einst eine zentrale Rolle bei der Einsetzung der Kärntner Herzöge. Der untere Sitz, der aus römischen Steinblöcken gefertigt wurde, diente dem ersten Teil der Zeremonie, die im örtlichen slowenischen Dialekt abgehalten wurde. Auf dem oberen Sitz erfolgte anschliessend die offizielle Inthronisierung des Herzogs in deutscher Sprache. Heute steht der Herzogsstuhl still und unscheinbar auf einem Feld direkt neben der Route und bietet einen weiten Blick über die umliegenden Hügel. Er erinnert an die vielschichtige Geschichte der Region, in der römisches Erbe, mittelalterliche Traditionen und eine zweisprachige Kultur aufeinandertreffen. Ein unspektakulärer, aber eindrucksvoller Ort, der sich bequem mit dem Velo erreichen lässt.
Eine der eindrucksvollsten Burgen Europas
Nach weiteren Kilometern und dem Ende eines langen, aber sanften Anstiegs lohnt es sich, auf ein Radwegschild zu achten, das auf eine alternative Variante der Kärnten Seen-Schleife hinweist. Hier biegt die Route nach rechts ab und führt zur beeindruckenden Burg Hochosterwitz - ohne Zweifel eine der eindrucksvollsten mittelalterlichen Festungen, die ich je gesehen habe. Obwohl der letzte Abschnitt über eine relativ stark befahrene Strasse führt, sind es weniger als ein Kilometer bis zu einem ausgezeichneten Aussichtspunkt, von dem aus sich die Burg in ihrer spektakulären Lage bewundern lässt. Gleichzeitig bekommt man hier bereits ein Gefühl für die Geschichte, die diesen Ort bis heute prägt.
Die Burg Hochosterwitz erhebt sich auf einem isolierten Kalkfelsen, der nahezu senkrecht aus dem Tal aufragt und weite Ausblicke über die gesamte Umgebung ermöglicht. Schon aus der Ferne wirkt ihre Silhouette wie aus einem Märchen, während die Zufahrtsstrasse durch nicht weniger als vierzehn aufeinanderfolgende Burgtore führt. Jedes von ihnen bildet einen eigenen Verteidigungsring und war Teil eines ausgeklügelten Systems, das die Burg nahezu uneinnehmbar machen sollte. Die Ursprünge der Anlage reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück, ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt sie jedoch vor allem dem Umbau im 16. Jahrhundert durch die Familie Khevenhüller, eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter Kärntens. Selbst aus grosser Entfernung strahlt Hochosterwitz eine mittelalterliche Romantik aus, die sofort die Fantasie anregt und Bilder von Rittergeschichten und Legenden hervorruft.
Die Burg befindet sich bis heute im Besitz der Nachkommen der Familie Khevenhüller und gehört zu den wenigen privaten Festungsanlagen Österreichs, die für Besucher geöffnet sind. Im Inneren befindet sich ein kleines Museum mit einer Sammlung historischer Rüstungen, Waffen und Alltagsgegenstände, die das Leben auf der Burg in vergangenen Jahrhunderten anschaulich machen. Einer Legende zufolge wurde die Festung niemals erobert, und ihr System aus vierzehn Toren genügte, um potenzielle Angreifer abzuschrecken - auch wenn diese Verteidigungsanlage nie ernsthaft auf die Probe gestellt wurde. Bis heute inspiriert Hochosterwitz Künstler und Filmschaffende, und ihre markante Silhouette erscheint regelmässig auf Gemälden, Postkarten und Werbematerialien für Kärnten. Sie zählt zweifellos zu den schönsten Sehenswürdigkeiten entlang der gesamten Kärnten Seen-Schleife.
Noch ein wunderschöner Ort in Kärnten
Doch das Glantal hat weit mehr zu bieten als nur mittelalterliche Burgen. Nach einigen weiteren Kilometern im Sattel und einer Umrundung des nächsten Kärntner Sees, des Längsees, erreiche ich einen Ort, der sofort einen Platz auf meiner persönlichen Liste der schönsten Plätze verdient - diesmal in der Kategorie „Weinberge“. Es handelt sich um Taggenbrunn, ein Weingut an den sanften Südhängen von Sankt Veit an der Glan, eingebettet in ein Panorama aus Tal- und Berglandschaften. Die Reben ziehen sich rund um die Ruine der Burg Taggenbrunn, während das lebendige Ensemble aus Boutique-Hotel, elegantem Restaurant, Ausstellungsräumen und modernem Weingut besteht. Es ist ein aussergewöhnlicher Halt entlang der Kärnten Seen-Schleife - ein Ort, an dem Natur, Kultur und Genuss auf besonders harmonische Weise zusammentreffen.
Das Weingut umfasst rund 45 Hektar und hat seit der Übernahme durch die Familie Riedl - Eigentümer der Uhrenmarke Jacques Lemans - einen beeindruckenden Wandel durchlaufen. Die Burg und ihre Umgebung wurden zu einem Ort entwickelt, an dem nachhaltige Landwirtschaft, Kultur und Design eine harmonische Einheit bilden. Die Reben wachsen auf terrassierten Hängen und profitieren dort von optimaler Sonneneinstrahlung sowie mineralreichen Böden. Besonders auffällig ist eine monumentale Skulptur - eine mehrere Meter hohe Figur mit rohen, natürlichen Formen, die an ein uraltes Totem oder einen Wächter der Zeit erinnert. Geschaffen wurde sie vom österreichischen Künstler André Heller. Sie bereichert nicht nur die Landschaft, sondern symbolisiert auch die Verbindung dieses Ortes mit dem Lauf der Zeit sowie den Zyklen von Natur und Kultur. Wie ein stiller Beobachter erhebt sich die Skulptur über die Weinberge und blickt auf die Veränderungen, die sich in der Landschaft und im Leben der Menschen vollziehen.
Sankt Veit an der Glan als Wendepunkt der Route
Nach einer kurzen Abfahrt auf einer schmalen Strasse erreicht die Kärnten Seen-Schleife Sankt Veit an der Glan - die wichtigste Stadt in diesem Teil des Tals und zugleich eine der ältesten Städte Kärntens. Bereits im Mittelalter war sie Sitz der Kärntner Herzöge, und ihre lange, bewegte Geschichte ist bis heute in der historischen Bausubstanz des Zentrums sichtbar. Der charmante Hauptplatz wird von pastellfarbenen Bürgerhäusern und eleganten Arkaden gesäumt. Sein Mittelpunkt ist das prächtige barocke Rathaus, das auch heute noch einen wichtigen Teil des kulturellen Lebens der Stadt beherbergt. Sankt Veit lädt dazu ein, für eine Weile anzuhalten - für eine Mahlzeit, einen Spaziergang oder einfach, um die ruhige und angenehme Atmosphäre des Ortes zu geniessen.
Und wenn man das Glück hat, einer Probe des Stadtchors in einem der repräsentativen Säle des Rathauses beizuwohnen - so wie es mir passiert ist -, dann endet der Radtag auf ganz besondere Weise. Der Klang des Kärntner Chorgesangs, der die historischen Räume erfüllte, schuf eine Atmosphäre, die man nicht so schnell vergisst. Das Rathaus beeindruckt nicht nur durch seine reich verzierte Fassade und die stilvollen historischen Innenräume, sondern auch dadurch, dass es bis heute ein lebendiger Ort geblieben ist - für Treffen, Konzerte und städtische Veranstaltungen. Es fiel schwer, diesen Ort und diesen Moment wieder zu verlassen.
Wörthersee - überraschend wenig Fahrvergnügen
Der nächste See auf unserer Reise durch Kärnten - der Wörthersee, zugleich das grösste Gewässer der Region - hinterliess bei uns gemischte Eindrücke. Seine Attraktivität und Popularität spiegeln sich nicht unbedingt im Erlebnis aus der Perspektive von Veloreisenden wider. Die Fahrt entlang des Wörthersees erinnerte uns an die Schweiz und an den südlichen Abschnitt des Bodensees auf der Rhein-Route. Wie dort genossen wir das schöne Wetter, die reizvolle Lage des Sees und einige interessante Orte entlang der Strecke. Dennoch konnte das Fahrerlebnis am Wörthersee nicht mit dem beinahe perfekten Weissensee mithalten. Die Orte am Ufer gehen nahezu nahtlos ineinander über, und die begleitende Radinfrastruktur wirkte eher durchschnittlich - mal verlief sie entlang einer stark befahrenen Strasse, dann wieder unmittelbar neben der Bahnlinie oder durch dicht bebaute Wohngebiete.
Die Atmosphäre rund um den See - verstärkt durch die Hitze und die brennende Sonne - erinnerte uns an Südeuropa. Sofort dachten wir an die heisse Emilia-Romagna, die wir einige Jahre zuvor mit dem Fahrrad durchquert hatten. Pörtschach passte perfekt zu diesem Bild - ein kleiner Ort mit charmanten Villen und Schlösschen am Seeufer sowie einer Anlegestelle für den Schaufelraddampfer auf dem Wörthersee. Eine ähnliche Stimmung bot Velden am Wörthersee - ein eleganter Kurort am westlichen Ende des Sees. Es lohnt sich, ins Zentrum zu fahren und das Schloss Velden zu besichtigen, eines der bekanntesten Wahrzeichen am Wörthersee, wunderschön direkt am Ufer gelegen.
Das gastfreundliche Villach beschliesst die Radreise
Das charmante Villach war sowohl Ausgangs- als auch Endpunkt unserer jüngsten Radreise auf Österreichs Radwegen. Eines der deutlichsten Zeichen für die fahrradfreundliche Haltung der Stadt ist der Radbutler - ein Servicepunkt an der Drau, an dem man Fahrrad und Gepäck kostenlos abstellen kann, während man die Stadt erkundet oder dort übernachtet. Solche Einrichtungen tragen wesentlich zum Image einer fahrradfreundlichen Stadt bei - und Villach erfüllt diese Rolle hervorragend. Von unserer Alpenüberquerung vor acht Jahren waren uns die Bahnhofstrasse und der freundliche, breite Hauptplatz in Erinnerung geblieben, der sich von der Draubrücke bis zum Rathaus und zur Stadtpfarrkirche St. Jakob erstreckt. Nach unserer Ankunft drehten wir noch eine kurze Runde durch die Altstadt, fanden unser Hotel und machten uns am nächsten Tag auf den Heimweg.
Ein letzter Blick auf das geliebte Kärnten
Kurz bevor wir Kärnten verliessen, legten wir noch einen Stopp beim Aussichtsturm Pyramidenkogel ein, der wunderschön zwischen Villach und Klagenfurt liegt. Ein Besuch des Pyramidenkogels eignet sich sowohl als Auftakt als auch als spektakulärer Abschluss einer Radreise durch Kärnten. Von der 100 Meter hohen Konstruktion - dem höchsten Holzaussichtsturm der Welt - eröffnet sich ein beeindruckender Blick über die Region: den gesamten Wörthersee mit Velden und Klagenfurt, Villach sowie die Gerlitzen Alpe, die wir zuvor mit der Seilbahn erreicht hatten. Richtung Süden erkennt man den markanten Mittagskogel, ein Symbol Kärntens, und bei guter Sicht sogar den Triglav, den höchsten Gipfel der Julischen Alpen. Neben der Aussicht bietet der Pyramidenkogel auch Nervenkitzel - Mutige können über die längste geschlossene Rutsche Europas hinuntergleiten. Und natürlich ist auch diese Attraktion mit der Kärnten Card kostenlos zugänglich.
Hohe Servicequalität und Verantwortung für die Umwelt
Neben den unbestreitbar schönen Landschaften bleibt uns Kärnten auch wegen seines ausgeprägten Umweltbewusstseins in Erinnerung - etwas, das wir in Österreich immer wieder erleben. Es gehört zu den wenigen Ländern, in denen ein hoher touristischer Standard Hand in Hand mit echter Verantwortung für die Natur geht. Hier spürt man, dass nachhaltige Entwicklung mehr ist als nur ein modernes Schlagwort. Selbst die Tasche mit meinen Pressematerialien von der regionalen Tourismusorganisation war aus einem Werbebanner für den Kärntner Radtourismus genäht worden, das im Sommer zuvor mehrere Monate im Zentrum von Budapest gehangen hatte. Kleine Gesten, die jedoch Eindruck hinterlassen - und die Lust wecken, den nächsten Radurlaub wieder hier in Kärnten zu verbringen.
Kärnten - eine europäische Spitzenregion für den Radtourismus
Wir kehren immer wieder gerne nach Kärnten zurück - dieser Teil Europas enttäuscht Radreisende nie. Sichere und hervorragend ausgeschilderte Wege sorgen für entspanntes Fahren, während die Landschaft von alpinen Tälern bis zu warmen, einladenden Seen reicht. Die Kombination aus reizvoller Natur, freundlichen Orten und ausgezeichneter Infrastruktur ermöglicht es, sich ganz auf das Erlebnis des Radfahrens zu konzentrieren. Auch abseits des Sattels gibt es viel zu entdecken - von mittelalterlichen Burgen und Freilichtmuseen bis hin zu ruhigen Badestellen und regionalen Märkten. Es ist eine Region, in der jede Kurbelumdrehung neue Ausblicke, neue Geschichten und neue Gründe für eine Rückkehr bereithält. Ich frage mich schon jetzt, was mich beim nächsten Mal wieder nach Kärnten bringen wird... :-)
Back to topHave a safe ride! 💚
Simon Thread
(Szymon Nitka)
I'm a passionate cycling traveler and the voice behind Cycling Thread. I explore Europe on two wheels, documenting the most scenic routes, inspiring places and cyclist-friendly practices. My writing blends personal experience with practical insights and a deep love of travel. I'm also a contributor to National Geographic Traveler magazine.


