Radfahren auf der Herrenhausroute in Dänemark: Herrenhäuser und Schlösser auf Fünen
Seit vielen Jahren gehört Fünen zu den fahrradfreundlichsten Regionen nicht nur Dänemarks, sondern ganz Skandinaviens. Besonders gut lässt sich der Charakter der Insel auf der Herrenhausroute (Herregårdsruten) erleben, einer 660 Kilometer langen Route, die Radreisende durch ruhige Landschaften und historische Städte sowie vorbei an Dutzenden von Herrenhäusern, Schlössern und Burgen zwischen Feldern, Wäldern und Obstgärten führt. Doch die Herrenhausroute ist mehr als nur eine thematische Radroute. Sie ist eine Reise durch die dänische Kulturlandschaft, in der prächtige Landgüter, kleine Dörfer und das Meer seit Jahrhunderten Seite an Seite existieren. Im Juni verbrachten wir mehrere Tage mit dem Fahrrad auf Fünen und der benachbarten Insel Ærø, um herauszufinden, warum dieser Teil Südskandinaviens bei Radreisenden so beliebt ist.
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GPX file (GPS track): cyclingthread.com-funen-2026.gpx
Herrenhausroute in Dänemark - Inhaltsverzeichnis
- Radfahren auf Fünen: Dänemarks drittgrößte Insel
- Die Herrenhausroute (Herregårdsruten) in Dänemark
- Burgen oder Herrenhäuser auf der Herrenhausroute?
- Straßenverhältnisse im Radwegenetz auf Fünen
- Fahrradfreunde-Service auf Fünen
- Fahrradfreundliche Unterkünfte auf Fünen
- Hervorragende Beschilderung der Radroute
- Planung der Tour auf der Herrenhausroute
- Ausgangspunkt: Middelfart und der Kleine Belt
- Brückenwanderung über dem Kleinen Belt
- Radeln ohne Alter in Dänemark
- Eine der am besten ausgeschilderten Radrouten Dänemarks
- Historische dänische Herrenhäuser
- Radfahren auf ruhigen dänischen Landstraßen
- Zwei faszinierende Museen in Krengerup
- Essen und Restaurants auf Fünen
- Das historische Herrenhaus Brahesborg vor Assens
- Das historische Assens und seine Museen entdecken
- Eines der größten Landgüter Dänemarks
- Ein Hotel mit Fokus auf Qualität und Komfort
- Ein unentdecktes historisches Herrenhaus
- Ein Wald voller spektakulärer Gespinstmottennetze
- Die markanteste Kirche auf Fünen
- Dänemarks lebendige ländliche Kulturlandschaft
- Mit dem Fahrrad zum berühmten Königinnenblick
- Eines der ältesten durchgehend bewohnten Herrenhäuser
- Radfahren durch die malerischen Fünischen Alpen
- Die historische Stadt Faaborg entdecken
- Die traditionellen Farben dänischer Häuser
- Inselhüpfen durch das Südfünische Inselmeer
- Radfahren am dänischen Meer
- Marstal und sein Schifffahrtsmuseum
- Fahrräder auf den dänischen Inselfähren
- Über die markante Langelandbrücke
- Das beeindruckende Schloss Valdemars Slot
- Die Variante der Herrenhausroute auf Fünen
- Traditionelle dänische Fachwerkhöfe
- Dänemarks nationale Radroute 8
- Ein deutscher Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg auf Fünen
- Die schönsten Sehenswürdigkeiten im historischen Svendborg
- Fahrradfreundliche Hotels auf Fünen
- Radfahren auf einer ehemaligen Bahnstrecke
- Das berühmte Schloss Broholm
- Die größte eisenzeitliche Siedlung Skandinaviens
- Das historische Landgut Glorup Gods
- Als Nyborg zur Hauptstadt Dänemarks wurde
- Rückfahrt mit dem dänischen InterCity
- Einer der schönsten Radurlaube in Dänemark
Radfahren auf Fünen: Dänemarks drittgrößte Insel
Obwohl Dänemark ein kleines Land ist, besitzt es eine bemerkenswert abwechslungsreiche Küste. Ein großer Teil des Landes liegt auf der Halbinsel Jütland, während sich die Hauptstadt Kopenhagen auf der Insel Seeland befindet. Dazwischen liegt Fünen, Dänemarks drittgrößte Insel, im Herzen des Landes. Sie ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, denn die wichtigsten Straßen- und Bahnverbindungen zwischen Ost- und Westdänemark führen über die Insel. Zu den weiteren größeren dänischen Inseln gehören Lolland, Falster, Møn, das weiter entfernte Bornholm sowie zahlreiche kleinere Inseln zwischen Nordsee und Ostsee. Diese Insellandschaft verleiht Dänemark eine große landschaftliche Vielfalt, und Radfahren bedeutet hier oft, das Meer ganz in der Nähe zu haben und manchmal sogar mit der Fähre zur nächsten Insel überzusetzen.
Die Herrenhausroute (Herregårdsruten) in Dänemark
In Dänemark gibt es rund 700 historische Herrenhäuser, Schlösser und Burgen, die von der langen Geschichte und dem landwirtschaftlichen Erbe des Landes zeugen. Die größte Konzentration davon findet sich auf Fünen. Dank ihrer fruchtbaren Böden und des milden Klimas entwickelte sich die Insel zu einer der wichtigsten Landwirtschaftsregionen Dänemarks, was die Entstehung wohlhabender Landgüter und beeindruckender Residenzen begünstigte. Hier entstand die 660 Kilometer lange Herrenhausroute (Herregårdsruten). Sie führt in einer großen Runde über die Insel, durch Küstenlandschaften, Wälder und historische Städte. Im Süden führen zusätzliche Abzweigungen auf die benachbarten Inseln Ærø und Langeland und ermöglichen es Radreisenden, einen Teil des Südfünischen Inselmeers zu entdecken.
Burgen oder Herrenhäuser auf der Herrenhausroute?
Der Name der Route ist eine kurze Erklärung wert. Das dänische Wort herregård bezeichnet keine Burg im mittelalterlichen Sinne. Vielmehr steht es für ein historisches Landgut - meist ein Herrenhaus, Schloss oder größeres Anwesen, das einst dem Adel gehörte. Aus diesem Grund kann die wörtliche englische Bezeichnung Castle Route etwas irreführend sein, da sie den Eindruck erweckt, die Route verbinde ausschließlich Burgen und Schlösser. Tatsächlich handelt es sich bei den meisten historischen Gebäuden entlang der Route um elegante Herrenhäuser und Schlösser, die von Parks und landwirtschaftlichen Flächen umgeben sind und die dänische Kulturlandschaft viel besser widerspiegeln als die befestigten Burgen, die in anderen Teilen Europas häufiger anzutreffen sind. Das macht die Route keineswegs weniger reizvoll. Im Gegenteil: Wer die Bedeutung ihres Namens versteht, kann ihren wahren Charakter besser schätzen und vermeidet Enttäuschungen durch falsche Erwartungen.
Straßenverhältnisse im Radwegenetz auf Fünen
Die Herrenhausroute bietet weit mehr als nur die Möglichkeit, die historischen Landgüter Fünens zu entdecken. Sie vermittelt auch einen guten Eindruck von der dänischen Fahrradkultur. Anders als auf vielen Radrouten im benachbarten Deutschland sind separate Radwege hier überraschend selten. Das liegt nicht daran, dass die Fahrradinfrastruktur vernachlässigt wurde, sondern daran, dass sie vielerorts kaum notwendig sind. Der größte Teil des Straßennetzes auf Fünen besteht aus ruhigen, asphaltierten Nebenstraßen, die hauptsächlich von Bewohnern der umliegenden Dörfer, Bauernhöfe und historischen Landgüter genutzt werden. Der Durchgangsverkehr wurde weitgehend auf die wenigen größeren Straßen der Insel verlagert, sodass auf der überwiegenden Mehrheit der Nebenstraßen nur sehr wenig Verkehr herrscht. Dadurch ist das Radfahren sicher und angenehm, während dänische Autofahrer daran gewöhnt sind, die Straße mit Radfahrern zu teilen. All das macht Fünen zu einem außergewöhnlich fahrradfreundlichen Reiseziel.
Fahrradfreunde-Service auf Fünen
Auf Fünen gibt es außerdem das Fahrradfreunde-Programm, ein Netzwerk aus lokalen Geschäften, Cafés, Sehenswürdigkeiten, Servicestellen und anderen Betrieben, die Radreisenden kostenlos Hilfe anbieten. Auf der ganzen Insel gibt es Hunderte von Fahrradfreunde-Standorten. Jeder von ihnen bietet mindestens drei grundlegende Serviceleistungen: eine Fahrradpumpe, Trinkwasser und Zugang zu einer Toilette. Viele stellen außerdem einfaches Reparaturwerkzeug, Ladestationen für E-Bikes oder einfach einen Platz für eine Pause zur Verfügung, bevor die Fahrt weitergeht. Obwohl diese Angebote einfach sind, lösen sie viele praktische Probleme, die auf mehrtägigen Radreisen auftreten können. Das ist ein gutes Beispiel für den dänischen Ansatz im Radtourismus, bei dem die Unterstützung der Radreisenden während der gesamten Reise als ebenso wichtig angesehen wird wie die Route selbst.
Fahrradfreundliche Unterkünfte auf Fünen
Ergänzt wird die Route durch ein Netzwerk zertifizierter fahrradfreundlicher Unterkünfte. Hotels, Pensionen und Campingplätze, die an dem Programm teilnehmen, akzeptieren Übernachtungen für nur eine Nacht und bieten sichere, abschließbare Fahrradabstellmöglichkeiten, Möglichkeiten zum Trocknen von Kleidung, grundlegende Reparaturausrüstung und häufig auch Fahrradwaschplätze sowie Ladestationen für E-Bikes. Dank dieser einheitlichen Standards wissen Radreisende genau, welche Einrichtungen sie in jeder zertifizierten Unterkunft auf Fünen erwarten können. Eine Liste der zertifizierten Unterkünfte ist auf der offiziellen Website der Region verfügbar und erleichtert die Planung einer mehrtägigen Radreise erheblich.
Hervorragende Beschilderung der Radroute
Dank der hervorragenden Wegweisung ist die Orientierung auf den Radrouten auf Fünen ebenfalls sehr einfach. Die Herrenhausroute ist mit blauen Schildern gekennzeichnet, auf denen ein Herrenhaus-Symbol und der dänische Name Herregårdsruten zu sehen sind. Auf vielen Abschnitten werden sie von einer weißen Nummer 8 auf rotem Hintergrund begleitet, die darauf hinweist, dass die Route hier gemeinsam mit dem dänischen Ostseeküsten-Radweg verläuft. Wegweiser an Kreuzungen zeigen deutlich die weitere Fahrtrichtung an, sodass es selbst ohne GPS-Navigation schwierig ist, von der Route abzukommen. Ein interessantes Detail ist, dass Dänemark zu den wenigen Ländern gehört, in denen Fahrradschilder auf Augenhöhe der Radfahrenden angebracht sind und nicht weit oben an Pfosten, wodurch sie während der Fahrt viel leichter zu erkennen sind.
Planung der Tour auf der Herrenhausroute
Wir begannen unsere Reise über Fünen in Middelfart an der Westküste der Insel. Von dort folgten wir dem südlichen Abschnitt der Herrenhausroute und ergänzten ihn um den Abzweig über die Inseln des Südfünischen Inselmeers, bevor wir unsere Fahrt in Nyborg auf der Ostseite der Insel beendeten. Einschließlich des Inselabschnitts war unsere Route rund 270 Kilometer lang. Die Alternative, die ausschließlich über Fünen führt, ist mit etwa 250 Kilometern etwas kürzer. Beide Varianten eignen sich ideal für eine entspannte viertägige Reise, bei der genügend Zeit bleibt, historische Residenzen, charmante Städte und weitere Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke zu besuchen. Von Nyborg fuhren wir mit einem direkten InterCity-Zug zurück nach Middelfart, wo wir unser Auto abgestellt hatten.
Ausgangspunkt: Middelfart und der Kleine Belt
Middelfart ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für eine mehrtägige Radreise auf Fünen. Die Stadt entwickelte sich über Jahrhunderte dank ihrer Lage am Kleinen Belt, der Meerenge zwischen Fünen und der Halbinsel Jütland und einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen Dänemarks. Seit 1935 verbindet die Kleine-Belt-Brücke die beiden Ufer, 1970 kam eine parallel verlaufende Autobahnbrücke hinzu. Dadurch wurde Middelfart zu einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte im Westen Dänemarks. Heute verbindet die Stadt die Atmosphäre einer kleinen Küstenstadt mit einer gut entwickelten touristischen Infrastruktur. Sie bietet eine gute Auswahl an Unterkünften, eine günstige Lage als wichtigstes Tor nach Fünen aus westlicher Richtung und mehrere Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch wert sind, bevor man sich auf die Herrenhausroute begibt.
Brückenwanderung über dem Kleinen Belt
Eine der bekanntesten Attraktionen von Middelfart ist das Brückenwandern, eine geführte Wanderung über die alte Kleine-Belt-Brücke, mit der auch wir unseren Besuch auf Fünen begannen. Ausgestattet mit Sicherheitsanzügen und Gurten und ohne persönliche Gegenstände wie Mobiltelefone folgen die Besucher einem speziell angelegten Laufsteg hoch über dem Wasser. Es ist eine außergewöhnliche Möglichkeit, den Kleinen Belt und die umliegende Landschaft aus einer völlig anderen Perspektive zu erleben. Unter der Brücke fahren Schiffe durch die Meerenge, während sich im Wasser manchmal Schweinswale und andere Meeressäuger beobachten lassen. Hinter der Biegung ist auch die neuere Kleine-Belt-Brücke zu sehen, über die die Autobahn zwischen Fünen und Jütland führt. Die Wanderung dauert etwa eine Stunde und vermittelt einen guten Eindruck von der strategischen Bedeutung dieser schmalen Wasserstraße, die seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Verkehrskorridoren Dänemarks gehört.
Middelfart bietet noch einige weitere Sehenswürdigkeiten, die man sich vor Beginn der Radreise ansehen sollte. Dazu gehören das CLAY Keramikmuseum Dänemark mit einer der bedeutendsten Sammlungen dänischer Keramikkunst des Landes sowie das Dänische Psychiatriemuseum, das sich mit der Geschichte der psychiatrischen Versorgung und der psychiatrischen Kliniken in Dänemark beschäftigt. Auch ein Spaziergang durch das Stadtzentrum mit seinem Hafen, den historischen Straßen und Gebäuden lohnt sich. Sie erinnern an die lange Geschichte Middelfarts als bedeutendes Handels- und Verkehrszentrum. Die eindrucksvollste historische Sehenswürdigkeit der Umgebung ist jedoch das Hindsgavl Herrenhaus, das wunderschön am Ufer des Kleinen Belts liegt.
Das Herrenhaus Hindsgavl steht an der Stelle einer mittelalterlichen königlichen Festung, die einst einen der wichtigsten Übergänge zwischen Fünen und Jütland bewachte. Die Festung wurde während der Kriege mit Schweden im 17. Jahrhundert schwer beschädigt und nach einem heftigen Sturm im Jahr 1694 nicht wieder aufgebaut. Das heutige klassizistische Herrenhaus wurde 1784 von Kammerherr Christian Holger Adeler fertiggestellt, der die ehemalige königliche Festung in einen eleganten Landsitz verwandelte. Heute dient das Gebäude als Hotel und Konferenzzentrum, doch Besucher können den umliegenden Park und das ehemalige Gut frei erkunden. Besonders schön sind die Wege hinunter zum Kleinen Belt, die weite Ausblicke auf die Meerenge und die Brücken zwischen Fünen und Jütland bieten. Ein weiteres Highlight ist die Damwildherde, die häufig schon auf der von Bäumen gesäumten Zufahrt von Middelfart zum Herrenhaus zu sehen ist.
Radeln ohne Alter in Dänemark
Auf dieser Allee begegneten wir einer ungewöhnlichen Gruppe von Radfahrenden, auf deren Fahrzeugen die Worte Cykling uden Alder („Radeln ohne Alter“) zu lesen waren. Diese dänische soziale Initiative ermöglicht älteren Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität Fahrradausflüge in speziell entwickelten Fahrradrikschas. Die Fahrräder werden von Freiwilligen gefahren, sodass die Fahrgäste vertraute Orte wieder besuchen, Zeit im Freien verbringen und mit ihrer lokalen Gemeinschaft verbunden bleiben können. Die Idee entstand in Dänemark und hat sich inzwischen in vielen Ländern Europas und darüber hinaus verbreitet. Mehrere dieser Rikschas ruhig über die Allee fahren zu sehen, war nicht nur ein interessanter Anblick, sondern auch ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es der dänischen Gesellschaft ist, ältere Menschen dabei zu unterstützen, aktiv zu bleiben und am Alltag teilzunehmen.
Eine der am besten ausgeschilderten Radrouten Dänemarks
Nachdem wir Middelfart verlassen hatten, folgten wir den blauen Schildern der Herrenhausroute. Schnell wurde klar, dass dies eine der am besten ausgeschilderten Radrouten war, die wir in den letzten Jahren gefahren sind. Man könnte die gesamte Route problemlos ohne GPS oder digitale Navigation zurücklegen. An fast jeder Kreuzung und überall dort, wo ein Richtungswechsel erforderlich war, standen Wegweiser, sodass wir nur selten anhalten und auf die Karte schauen mussten. Als inoffizieller Guide unserer Gruppe vertraute ich der Beschilderung schon bald vollständig und konnte alle beruhigt in ihrem eigenen Tempo fahren lassen, auch ohne Navigation. Die einzige Überraschung war das Fehlen von Entfernungsangaben. Anders als auf vielen anderen Radrouten gibt es keine Schilder, die die verbleibende Entfernung bis zur nächsten Stadt oder Sehenswürdigkeit anzeigen. Vielleicht sind sie für die Zukunft noch geplant.
Historische dänische Herrenhäuser
Schon bald tauchten entlang der Route die ersten dänischen herregårde auf. Diese historischen Landgüter prägen den Charakter der Herrenhausroute und sind entlang der gesamten Strecke zu finden. Einige sind große Anwesen mit einem eindrucksvollen Herrenhaus oder Schloss, umgeben von Wirtschaftsgebäuden. Andere sind deutlich kleiner und intimer und bestehen oft aus einem einzigen drei- oder vierflügeligen Gebäude, das einen Innenhof umschließt. Zu vielen führen lange, von Bäumen gesäumte Alleen, während Parks, Teiche und ehemalige Wirtschaftsgebäude das Ensemble vervollständigen. Trotz ihrer Unterschiede in Größe, Architektur und Alter fügen sie sich alle ganz natürlich in die ruhige Landschaft Fünens ein.
Radfahren auf ruhigen dänischen Landstraßen
Schon bald stellten wir fest, dass Dänemark nicht so flach ist, wie viele denken. Auf Fünen gibt es keine langen oder steilen Anstiege, doch die Route führt ständig auf und ab und sammelt dadurch deutlich mehr Höhenmeter, als man vor der Reise erwarten würde - oft mehr als 500 Meter pro Tag. Die Anstiege sind kurz und meist sanft, sodass sie auch für weniger erfahrene Radfahrende keine besondere Herausforderung darstellen. Es gibt jedoch genug davon, um die Anstrengung am Ende des Tages in den Beinen zu spüren. Die Belohnung wartet oben, wo sich von vielen Hügeln weite Ausblicke über Felder, Wälder und stellenweise bis zur Küste bieten.
Mit jedem Kilometer bekamen wir ein besseres Gefühl für das Radfahren auf Fünen. Der größte Teil der Herrenhausroute verläuft auf normalen öffentlichen Straßen mit überraschend wenig Verkehr. Oft fuhren wir mehrere Dutzend Minuten, ohne einem einzigen Auto zu begegnen, und hatten die Straße fast ganz für uns allein. Und wenn doch einmal Autos auftauchten, waren die Fahrer geduldig, hielten beim Überholen ausreichend Abstand und nahmen deutlich Rücksicht auf Radfahrende. Dadurch ist das Radfahren entspannt und angenehm. Obwohl ich grundsätzlich ein großer Befürworter separater Radwege und einer guten Fahrradinfrastruktur bin, kann ich mich tatsächlich an keinen einzigen Moment auf der Herrenhausroute erinnern, an dem wir sie vermisst hätten.
Zwei faszinierende Museen in Krengerup
Der Höhepunkt unseres ersten Tages war Krengerup. Obwohl es oft als Schloss bezeichnet wird, handelt es sich tatsächlich um eine klassische dänische herregård - ein historisches Landgut. Die Geschichte des Gutes reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück, während das heutige Herrenhaus in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut und später mehrfach umgestaltet wurde. Es befindet sich noch immer in Privatbesitz und ist von ehemaligen Wirtschaftsgebäuden, einem Landschaftspark und weitläufigen Grünflächen umgeben. Besucher können den Innenhof und den Park frei erkunden, während die Innenräume nur im Rahmen von Führungen und an ausgewählten Tagen zugänglich sind.
Auf dem Gut befinden sich außerdem zwei Museen. Eines erzählt die Geschichte des Flachsanbaus, Spinnens und Webens und zeigt die Bedeutung dieser traditionellen Handwerke für die Region. Das andere befindet sich in einem der ehemaligen Wirtschaftsgebäude und präsentiert eine beeindruckende Sammlung hervorragend erhaltener Škoda-Automobile - von Vorkriegsmodellen bis hin zu deutlich jüngeren Fahrzeugen, die die Entwicklung des tschechischen Herstellers im Laufe der Jahrzehnte veranschaulichen. Die Sammlung ist kein Zufall: Die Eigentümer von Krengerup waren viele Jahre lang Škoda-Importeure und -Händler in Dänemark, wodurch sie diese außergewöhnliche Sammlung aufbauen konnten.
Essen und Restaurants auf Fünen
Schon an unserem ersten Tag stellten wir fest, dass es außerhalb der größeren Städte auf Fünen nicht ganz einfach ist, eine gute Mahlzeit zu finden. Auf vielen Radrouten im benachbarten Deutschland kann man problemlos in einem Restaurant, einer Gaststätte oder einem traditionellen Gasthof einkehren. Auf dem Land in Fünen sind solche Möglichkeiten jedoch deutlich seltener. Die verlässlichste Option für ein schnelles Mittagessen ist oft eines der dänischen Fast-Food-Lokale, die meist neben Supermärkten oder an größeren Straßen liegen. In den größeren Städten ist die Situation besser: Dort gibt es eine größere Auswahl an Restaurants und man findet problemlos eine richtige Mahlzeit. Bei der Planung der Route lohnt es sich daher, vorher zu prüfen, wo sich eine Mittagspause anbietet, oder für die ruhigeren Abschnitte der Strecke etwas Proviant mitzunehmen.
Das historische Herrenhaus Brahesborg vor Assens
Eines der am schönsten gelegenen Landgüter auf der ersten Etappe unserer Reise war Brahesborg, kurz vor Assens. Obwohl das heutige Herrenhaus aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammt, ist das Gut selbst wesentlich älter und seit Langem mit einer der bedeutendsten Adelsfamilien Dänemarks verbunden. Es wurde von Jørgen Brahe erbaut, der einst als „Kleiner König von Fünen“ bekannt war, während sein heutiges, klassizistischeres Erscheinungsbild auf einen Umbau im 18. Jahrhundert zurückgeht. Das Anwesen befindet sich in Privatbesitz und ist nicht für Besucher geöffnet, doch von der nahe gelegenen Straße bieten sich hervorragende Ausblicke. Besonders malerisch ist der Blick über einen kleinen Teich, in dessen ruhigem Wasser sich die weiße Fassade des Herrenhauses unter alten Bäumen spiegelt. Für diesen Anblick lohnt es sich, hier ein paar Minuten anzuhalten.
Das historische Assens und seine Museen entdecken
Nach Middelfart war Assens die nächste Küstenstadt auf unserer Route, wunderschön am Kleinen Belt gelegen. Sie gehört zu den ältesten Städten Fünens und erhielt bereits im 13. Jahrhundert ihre Stadtrechte. Über Jahrhunderte florierte sie als wichtiger Handelshafen an der Westküste der Insel. Im 19. Jahrhundert wurde sie außerdem zu einem der wichtigsten Fährhäfen Dänemarks für Verbindungen nach Jütland, bevor ihre Bedeutung nach der Eröffnung der modernen Querungen über den Kleinen Belt zurückging. Heute hat Assens seine ruhige Kleinstadtatmosphäre bewahrt. Bei einem Spaziergang durch die gepflasterten Straßen kommt man an farbenfrohen Kaufmannshäusern, kleinen Plätzen und dem Hafen vorbei. Damit ist die Stadt einer der angenehmsten Orte für eine Pause oder eine Übernachtung bei einer Reise durch den Westen Fünens.
Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Assens gehören die gut erhaltene historische Altstadt und zwei interessante Museen. Bei einem Spaziergang entlang der Østergade, der Hauptstraße der Stadt, lohnt sich ein Blick durch die Tore, die zu kleinen Innenhöfen und versteckten Gärten führen - einige der reizvollsten Ecken der Stadt. Das Museum Ernst, das sich im ehemaligen Wohnhaus des örtlichen Industriellen Frederik Ernst befindet, zeigt eine beeindruckende Sammlung von Kunst, Porzellan, Antiquitäten und Silberwaren und erzählt zugleich die Geschichte der historischen Silberwarenfabrik der Stadt. Das Museum Willemoes, untergebracht in einem Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert, ist Peter Willemoes gewidmet, einem der bekanntesten Seehelden Dänemarks.
Eines der größten Landgüter Dänemarks
Hinter Assens führt die Herrenhausroute durch Hagenskov, eines der größten Landgüter auf Fünen. Die Geschichte des Gutes reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, während das heutige Schloss in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als elegante klassizistische Residenz inmitten eines großen Parks erbaut wurde. Eine Zeit lang trug es zu Ehren von König Friedrich V. den Namen Frederiksgave, bevor im 20. Jahrhundert der historische Name Hagenskov wieder eingeführt wurde. Das Gut befindet sich weiterhin im Privatbesitz der Familie Ahlefeldt-Laurvig und ist nicht für Besucher geöffnet, doch die Radroute führt durch das Anwesen. Von der Straße aus ist außerdem ein nahe gelegener Hügel mit den Überresten einer früheren Befestigungsanlage zu sehen, die hier stand, bevor die heutige Residenz errichtet wurde.
Ein Hotel mit Fokus auf Qualität und Komfort
Für die Nacht übernachteten wir im Gl. Brydegaard, einem Hotel wenige Kilometer hinter Assens. Es ist zugleich ein großartiger Ort, um die Atmosphäre eines traditionellen Bauernhofs auf Fünen zu erleben, dessen Innenhof auf allen vier Seiten vollständig von ehemaligen Wirtschaftsgebäuden umschlossen ist. Bevor der Hof in ein kleines Hotel umgewandelt wurde, diente er über Generationen als landwirtschaftlicher Betrieb. Diese geschlossene Bauweise, die für historische Bauernhöfe auf Fünen typisch ist, schützte einst Menschen, Tiere und Ernte vor den starken Winden vom Meer. Heute bieten dieselben alten Gebäude den Gästen einen ruhigen Rückzugsort vom Tempo des modernen Lebens.
Die Zimmer sind schlicht und hell und im nordischen Stil eingerichtet, ohne Fernseher oder Minibar. Das ist eine bewusste Entscheidung und Teil der Philosophie des Hotels, bei der Ruhe, Natur und eine Auszeit vom Alltag im Mittelpunkt stehen. Sie spiegelt die dänische Vorstellung von Komfort wider - weniger besitzen und dafür mehr Zeit und Raum genießen. Dieselbe Philosophie findet sich auch im Restaurant des Hotels. Die Speisekarte basiert auf saisonalen Zutaten aus der Region, aus denen moderne Interpretationen traditioneller dänischer Gerichte entstehen. Auch das Frühstück ist bewusst einfach gehalten. Statt Dutzender verschiedener Optionen bietet das Buffet eine kleine Auswahl sorgfältig zubereiteter, hochwertiger Produkte, die größtenteils von lokalen Erzeugern stammen. Qualität und regionale Herkunft sind hier wichtiger als Quantität.
Ein unentdecktes historisches Herrenhaus
Der nächste Morgen begann mit einer unerwarteten Entdeckung - einem wunderschönen Herrenhaus direkt an der Route, über das erstaunlich wenige Informationen zu finden waren. Es ist nicht einmal auf Google Maps verzeichnet, und weder die von uns ausprobierten Bildsuchmaschinen noch KI-Tools konnten es identifizieren, als hätte es zuvor fast niemand fotografiert. Es war eine schöne Erinnerung daran, dass es selbst auf einer so kleinen Insel wie Fünen noch weitgehend unentdeckte Orte gibt, die dazu einladen, die Route für eine Weile zu verlassen und auf eigene Faust auf Entdeckungstour zu gehen.
Ein Wald voller spektakulärer Gespinstmottennetze
Später an diesem Tag stießen wir auf etwas, mit dem wir überhaupt nicht gerechnet hatten. Über mehrere hundert Meter waren die Bäume und Büsche am Straßenrand vollständig von einem dichten weißen Gespinst überzogen, sodass die Szenerie aussah wie direkt aus einem Horrorfilm. Verantwortlich dafür waren jedoch keine Spinnen, sondern die Raupen von Gespinstmotten (Yponomeuta). Im Frühjahr und Frühsommer überziehen sie ganze Pflanzen mit feinen Seidenfäden und bilden schützende Gespinste, die die Kolonie vor Vögeln und anderen Fressfeinden schützen. In ihrem Inneren fressen Tausende von Raupen an den Blättern. Obwohl die Bäume und Sträucher danach wie abgestorben aussehen, erholen sie sich normalerweise vollständig und treiben noch in derselben Saison wieder aus. Eine solche Kolonie hatte ich zuvor nur einmal gesehen, als ich auf der Velo-Dunajec-Route in Polen unterwegs war.
Die markanteste Kirche auf Fünen
Einige Kilometer später hielten wir an der Kirche von Dreslette, einer der markantesten Kirchen auf Fünen. Sie steht auf einem kleinen Hügel mit Blick über die Helnæs-Bucht und das Wasser des Kleinen Belts. Die Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert, doch ihr heutiges Erscheinungsbild geht auf einen umfassenden Umbau zwischen 1785 und 1787 zurück, der auf Initiative von Niels Ryberg, dem Besitzer des nahe gelegenen Gutes Frederiksgave, durchgeführt wurde. Mit ihrer auffälligen roten Fassade und dem ungewöhnlichen Turm mit Aussichtsplattform erinnert sie eher an einen klassizistischen Landsitz als an eine Dorfkirche. Auch ein Blick ins Innere lohnt sich: Dort sind eine harmonische klassizistische Ausstattung und Dänemarks älteste noch spielbare Orgel zu sehen, die 1787 vom dänischen Orgelbauer Hartvig Jochum Müller gebaut wurde.
Dänemarks lebendige ländliche Kulturlandschaft
Mit jedem Kilometer hatten wir mehr und mehr das Gefühl, durch ein Freilichtmuseum zu radeln und nicht durch die moderne dänische Landschaft. Auf Fünen gibt es unzählige traditionelle Bauernhäuser, die noch immer ganz normal genutzt werden und nicht als Museumsstücke erhalten wurden. In fast jedem Dorf kamen wir an weiß getünchten Fachwerkhäusern mit dunklen Holzbalken, dicken Reetdächern und kleinen Fenstern vorbei. Viele sind von Steinmauern, alten Bäumen und kleinen Gärten umgeben und vermitteln gemeinsam den Eindruck, dass sich hier in den vergangenen ein oder zwei Jahrhunderten nur wenig verändert hat. Eine Radtour über Fünen fühlt sich manchmal an wie eine Fahrt durch eine sorgfältig zusammengestellte Sammlung der schönsten ländlichen Architektur Dänemarks - mit einem wichtigen Unterschied: Dies sind keine Museumsstücke, sondern Orte, an denen Menschen noch immer jeden Tag leben und arbeiten.
Ebenso häufig begegneten uns entlang der Route schöne dänische Kirchen. Ihre charakteristische Architektur - weiß getünchte Mauern, orangefarbene Ziegeldächer und massive Türme mit Treppengiebeln - erinnerte uns sofort an unsere Radreise auf Bornholm vor vielen Jahren. Fast jede Kirche war von einem gepflegten Friedhof mit viel Grün, alten Bäumen und sorgfältig gepflegten Grabsteinen umgeben. Niedrige Steinmauern oder ordentlich geschnittene Hecken fassten diese ruhigen und gepflegten Anlagen ein. Wir hielten dort oft für ein paar Minuten an, nicht nur um Fotos zu machen, sondern auch um die fast immer vorhandenen öffentlichen Toiletten zu nutzen - etwas, das entlang der übrigen Route überraschend schwer zu finden war.
Mit dem Fahrrad zum berühmten Königinnenblick
Einer der Anstiege des Tages endete am Dronningeudsigten, dem „Königinnenblick“, einem Aussichtspunkt am Fuße des Trebjerg. Sein Name geht auf das Jahr 1842 zurück, als Königin Caroline Amalie hier Halt machte und das Panorama über diesen Teil Fünens bewunderte. Heute befindet sich hier ein angenehmer Rastplatz mit Picknicktischen und Bänken, der sich ideal für eine Pause eignet. An klaren Tagen reicht der Blick über die Helnæs-Bucht und das Südfünische Inselmeer. Bei besonders guter Sicht kann man sogar die Insel Alsen und die Küste der Halbinsel Jütland erkennen. Wer etwas mehr Zeit hat, sollte auch den kurzen Spaziergang zum nahe gelegenen Trebjerg unternehmen, mit 128 Metern über dem Meeresspiegel die zweithöchste natürliche Erhebung Fünens.
Eines der ältesten durchgehend bewohnten Herrenhäuser
Unter den vielen historischen Gebäuden entlang der Route verdient Østrupgaard besondere Aufmerksamkeit. Es gilt als eines der ältesten durchgehend bewohnten Herrenhäuser auf Fünen. Die Geschichte des Gutes reicht bis ins Mittelalter zurück, und der älteste Teil des Herrenhauses aus Backstein und Feldstein wurde im 15. Jahrhundert errichtet. Sein heutiges Erscheinungsbild entstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als zwei Fachwerkflügel hinzugefügt wurden. Ebenso beeindruckend sind die großen Wirtschaftsgebäude rund um den weitläufigen Innenhof mit seinem historischen Steinbrunnen. Leider ist der älteste Teil des Herrenhauses von der Straße aus nur schwer zu sehen und nicht für Besucher geöffnet, sodass die monumentalen Wirtschaftsgebäude den sichtbarsten Teil des Anwesens bilden. Fast 300 Jahre lang gehörte das Gut der einflussreichen Familie Brahe und ist bis heute ein privat geführter Land- und Forstwirtschaftsbetrieb.
Radfahren durch die malerischen Fünischen Alpen
Kurz vor Faaborg, hinter dem Golfplatz, führt die Herrenhausroute durch eines der bemerkenswertesten Naturgebiete Fünens - Svanninge Bakker und Svanninge Bjerge, die gemeinsam als die Fünischen Alpen bekannt sind. Hier befindet sich die markanteste eiszeitlich geprägte Landschaft der Insel, die am Ende der letzten Eiszeit durch vorrückende Gletscher entstand. Die Hügel erstrecken sich über etwa 16 Kilometer und erreichen Höhen von 126 bis 128 Metern über dem Meeresspiegel. Ihre sanften, aber überraschend spürbaren Anstiege, weiten Ausblicke und die abwechslungsreiche Landschaft aus Wäldern, Wiesen und Weiden machen diesen Abschnitt zu einem der landschaftlich schönsten auf Fünen.
Hier lässt die Route die Dörfer hinter sich und folgt schmalen Schotterwegen, die sich durch die hügelige Landschaft schlängeln. Unterwegs passiert man steile Höhenzüge, tiefe Schmelzwassertäler und zahlreiche Spuren früherer menschlicher Nutzung - Steinmauern, Erdwälle, alte Wege und die Umrisse ehemaliger Felder, die seit Jahrhunderten in der Landschaft erhalten geblieben sind. Dies ist einer der landschaftlich schönsten Abschnitte der gesamten Herrenhausroute. Aufgrund des Geländes fährt man ihn am besten von Westen nach Osten, so wie wir es getan haben, und kann dabei die lange Abfahrt in Richtung Faaborg genießen.
Die historische Stadt Faaborg entdecken
Faaborg machte auf uns sofort einen sehr guten Eindruck. Die Stadt ist ein perfektes Beispiel für eine dänische Küstenstadt. Das historische Zentrum erstreckt sich rund um den Hafen, der seit Jahrhunderten das wirtschaftliche Herz der Stadt bildet und heute als Tor zu den Inseln des Südfünischen Inselmeers dient. Die regelmäßig verkehrenden Fähren nehmen auch Fahrräder mit und machen Faaborg zu einem wichtigen Knotenpunkt für Radreisende zwischen den Inseln im Süden Dänemarks. Bereits im Mittelalter war Faaborg einer der wichtigsten Häfen im Süden Fünens und profitierte vom Handel mit Städten im gesamten Ostseeraum. Die engen gepflasterten Gassen, farbenfrohen Kaufmannshäuser und kleinen Plätze machen die Stadt zu einem wunderbaren Ort für einen Spaziergang, bei dem es zahlreiche historische Gebäude, Geschäfte und Cafés zu entdecken gibt.
Auf dem Marktplatz von Faaborg steht der markante Ymerbrønden-Brunnen, der den nordischen Riesen Ymir darstellt. Ganz in der Nähe befindet sich die Nikolaikirche, deren älteste Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen. Seit Jahrhunderten bildet der Platz das Herz der Stadt und hat einen großen Teil seines mittelalterlichen Grundrisses bewahrt. Die Kirche diente sowohl den Einwohnern als auch den Seeleuten, die auf die Ostsee hinausfuhren, während ihr Turm zur Beobachtung der in die Bucht einlaufenden Schiffe genutzt wurde. Viele Jahrhunderte lang war Faaborg von einem vollständigen Ring aus Stadtmauern mit mehreren Stadttoren umgeben, von denen heute nur noch wenige Fragmente erhalten sind. Es lohnt sich, nach diesen Resten der mittelalterlichen Mauern und Tore Ausschau zu halten - Erinnerungen an die Zeit, als Faaborg zu den am besten befestigten Städten auf Fünen gehörte.
Eine der interessantesten Sehenswürdigkeiten von Faaborg ist das Øhavsmuseet, ein modernes Museum, das sich der Natur, Geschichte und den Bewohnern des Südfünischen Inselmeers widmet. Statt traditioneller Vitrinen nutzt es interaktive Ausstellungen, Tonaufnahmen und multimediale Installationen, um zu erklären, wie diese eiszeitlich geprägte Landschaft entstand und wie die Menschen hier seit Jahrtausenden mit dem Meer leben. Eine ungewöhnliche Besonderheit ist, dass Besucher vor dem Betreten eines Teils der Ausstellung ihre Schuhe ausziehen sollen, um dort verschiedene natürliche Materialien und Oberflächen barfuß zu erkunden. Faaborg eignet sich außerdem hervorragend für eine längere Pause oder eine Übernachtung, bevor die Reise durch den Süden Fünens weitergeht.
Die traditionellen Farben dänischer Häuser
Wer mit dem Fahrrad über Fünen fährt, dem fallen unweigerlich die charakteristischen Farben der Häuser auf. Seit Jahrhunderten prägen zwei erdige Farbtöne die Landschaft - Ockergelb und Dunkelrot. Ihre Beliebtheit war nicht nur eine Frage des Stils. Natürliche Pigmente auf Basis von Eisenoxiden waren haltbar, weit verbreitet und gut geeignet, Holz und Putz vor dem feuchten Küstenklima zu schützen. Der dunkelrote Farbton, der in ganz Skandinavien als Falunrot bekannt ist, wurde besonders häufig für Holzbauten verwendet, während Ockergelb zu einer der charakteristischen Farben der dänischen Architektur wurde. Obwohl ab dem 18. Jahrhundert hellere Creme- und Grautöne beliebter wurden, verleihen Ocker und Rot den historischen Städten Dänemarks bis heute einen großen Teil ihres unverwechselbaren Charakters.
Inselhüpfen durch das Südfünische Inselmeer
Zwischen Faaborg und Svendborg teilt sich die Herrenhausroute in zwei Varianten. Eine bleibt auf Fünen und führt an weiteren historischen Landgütern und Sehenswürdigkeiten im Süden der Insel vorbei. Die andere zeigt eine ganz andere Seite Dänemarks - das Südfünische Inselmeer. Von Faaborg aus kann man mit einer regulären Fähre nach Søby auf der Insel Ærø übersetzen, die Insel mit dem Fahrrad durchqueren und anschließend mit einer weiteren Fähre nach Langeland fahren. Von dort kann man entweder der eigenen Schleife der Herrenhausroute rund um Langeland folgen oder über die Brücken und die Insel Tåsinge zurück nach Svendborg auf Fünen fahren. Wir entschieden uns für diese Variante und können sie sehr empfehlen. Die beiden Fährüberfahrten, die ruhigen Inseln und die Küstenlandschaft machen sie zu einem der schönsten und abwechslungsreichsten Abschnitte der gesamten Herrenhausroute.
Die größte Attraktion von Ærø ist die Insel selbst. Die Route beginnt im ruhigen Hafen von Søby und führt durch kleine Dörfer, landwirtschaftlich geprägte Landschaften und sanfte Hügel, bevor sie die historischen Städte Ærøskøbing und Marstal erreicht. Das Meer ist nur selten außer Sichtweite, während die Klippen von Voderup Klint, traditionelle Windmühlen sowie die kleinen Häfen und Marinas der Insel für zusätzliche Abwechslung sorgen. Ærø ist kein Ort spektakulärer Sehenswürdigkeiten. Der größte Reiz der Insel liegt in ihrer friedlichen Landschaft und der entspannten Atmosphäre, die einen den ganzen Tag begleitet.
Am schönsten in Erinnerung geblieben ist uns jedoch Ærøskøbing, der Hauptort der Insel. Bei einem Spaziergang durch das Zentrum fühlt man sich ins 18. Jahrhundert zurückversetzt. Der Straßenverlauf und die meisten Gebäude sind seit der Blütezeit der Stadt im 18. Jahrhundert nahezu unverändert erhalten geblieben, was Ærøskøbing zu einer der am besten erhaltenen historischen Städte Dänemarks macht. Pastellfarbene Fischer- und Kaufmannshäuser, gepflasterte Straßen, kleine Plätze und liebevoll gepflegte Gärten bilden eines der schönsten historischen Stadtzentren des Landes. Große Monumente oder Touristenmassen gibt es hier nicht. Stattdessen bezaubert Ærøskøbing mit der ruhigen Atmosphäre einer kleinen Hafenstadt, die man so kaum anderswo findet.
Einer der besten Orte, um diese Atmosphäre zu erleben, ist Hammerichs Hus. Dieses kleine Kaufmannshaus ist fast genauso erhalten geblieben, wie es seine letzten Bewohner hinterlassen haben. Beim Gang durch die Räume hat man das Gefühl, die Familie sei gerade erst vor die Tür gegangen. Originale Möbel, Küchenutensilien, Porzellan, Gemälde, Familienfotos, Bücher und Alltagsgegenstände befinden sich noch immer an ihrem Platz. Statt wie ein traditionelles Museum wirkt das Haus wie ein echtes Zuhause, in dem sich über Generationen hinweg ganz normales Familienleben abgespielt hat. Es war eines der eindrucksvollsten historischen Interieurs, die wir während unserer Reise über Fünen und die benachbarten Inseln besuchten.
Radfahren am dänischen Meer
Auf Ærø umfasst die Herrenhausroute mehrere wunderschöne Abschnitte, die fast direkt am Meer entlangführen - zunächst auf ruhigen Asphaltstraßen und später auf schmalen Schotterwegen. Einige Kilometer vor Ærøskøbing gerieten wir in einen kurzen, aber heftigen Regenschauer, der die umliegenden Wiesen und Felder noch grüner erscheinen ließ. Kurz darauf fuhren wir auf einer schmalen Küstenstraße in Richtung Marstal, teilweise geschützt vor der Meeresbrise durch blühende Wildrosenbüsche. Die Wolken verschwanden schnell, die Sonne kam heraus, und innerhalb weniger Minuten war die Temperatur so weit gestiegen, dass wir unsere Jacken ausziehen konnten. Ein solcher Wetterwechsel ist auf den dänischen Inseln völlig normal und zeigt, wie stark das umgebende Meer das lokale Klima beeinflusst.
Marstal und sein Schifffahrtsmuseum
Wir verließen Ærø von Marstal aus und nahmen die Fähre nach Langeland. Vor der Abfahrt hatten wir noch etwas Zeit, die Stadt zu erkunden und das Schifffahrtsmuseum von Marstal zu besuchen. Marstal lebt seit Jahrhunderten vom Meer. Im 19. Jahrhundert gehörte seine Handelsflotte zu den größten Dänemarks, und die Schiffe fuhren Häfen auf der ganzen Welt an. Damals war fast jeder in der Stadt mit dem Meer verbunden - als Seemann, Kapitän, Reeder oder Schiffbauer. Heute leben diese maritimen Traditionen im Hafen, in den dort liegenden historischen Schiffen und im Schifffahrtsmuseum von Marstal weiter, einem der bedeutendsten Museen Dänemarks zur Seefahrtsgeschichte des Landes.
Fahrräder auf den dänischen Inselfähren
Um die Fahrradmitnahme auf den lokalen Fähren muss man sich keine Sorgen machen. Radfahrende gehören hier zum Alltag und nutzen die Fähren nicht nur auf Radreisen, sondern auch für tägliche Fahrten zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen. Jede Fähre verfügt über einen eigenen Bereich für Fahrräder, normalerweise an den Seiten des Fahrzeugdecks. Nach dem Auffahren weist die Besatzung den Radfahrenden den richtigen Stellplatz zu. Wir buchten unsere Tickets im Voraus auf den Websites der Fährgesellschaften, und sowohl die Fahrpreise für Passagiere als auch die Zuschläge für Fahrräder waren angemessen. Sobald die Fähre ablegt, lassen alle ihre Fahrzeuge zurück. Autofahrer, Motorradfahrer und Radfahrende gehen hinauf auf die Passagierdecks, von denen man den Blick auf die Inseln des Südfünischen Inselmeers genießen kann.
Langeland hat seinen ganz eigenen Charme, auch wenn wir dort nur einen kurzen Zwischenstopp im Hauptort der Insel, Rudkøbing, einlegten. Noch bevor die Fähre den Hafen erreicht, fällt sofort ein Gebäude ins Auge - der historische Speicher direkt am Wasser. Er wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut und diente jahrzehntelang zur Lagerung von Getreide und anderen Waren, die zwischen den dänischen Inseln transportiert wurden. Er erinnert an eine Zeit, in der der Hafen das wichtigste Tor der Stadt zur Außenwelt war. Nur wenige Schritte entfernt beginnt das historische Zentrum mit seinen gepflasterten Straßen, farbenfrohen Kaufmannshäusern und gut erhaltenen Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Rudkøbing die entspannte Atmosphäre einer kleinen dänischen Hafenstadt verleihen.
Auch einem Selfie mit Hippo Ballerina konnten wir nicht widerstehen, der fast eine Tonne schweren Skulptur einer Balletttänzerin in Gestalt eines Nilpferds. Sie wurde von Bjørn Okholm Skaarup geschaffen, einem international bekannten Bildhauer, der in Rudkøbing geboren wurde und für seine humorvollen, von menschlichen Figuren inspirierten Tierskulpturen bekannt ist. Hippo Ballerina ist eine spielerische Hommage an die berühmten Ballerinen, die Edgar Degas malte und modellierte. Ursprünglich als temporäres Kunstwerk aufgestellt, wurde die Skulptur so beliebt, dass die Einwohner Geld sammelten, um sie dauerhaft in der Stadt zu behalten. Heute gehört sie zu den bekanntesten Wahrzeichen von Rudkøbing.
Über die markante Langelandbrücke
Hinter Rudkøbing überquerten wir die Langelandbrücke (Langelandsbroen), eine fast 800 Meter lange Brücke, die 1962 eröffnet wurde und erstmals eine dauerhafte Straßenverbindung zwischen Langeland und den benachbarten Inseln schuf. Ihre hohe mittlere Spannweite ermöglicht Segelbooten und größeren Schiffen die Durchfahrt durch den Langelandbelt. Dies ist wahrscheinlich der am wenigsten interessante Abschnitt der gesamten Herrenhausroute, da der Radweg mehrere Kilometer entlang einer stark befahrenen Hauptstraße verläuft. Schließlich biegt die Route nach rechts in Richtung Valdemars Slot ab, bevor sie zur Hauptstraße zurückkehrt und über eine weitere Brücke wieder nach Fünen und in die Stadt Svendborg führt.
Das beeindruckende Schloss Valdemars Slot
Valdemars Slot beeindruckt durch seine Lage ebenso wie durch seine Geschichte. Das barocke Schloss steht an der Ostküste der Insel Tåsinge mit Blick über die Bucht Lunkebugten. Es wurde zwischen 1639 und 1644 im Auftrag von König Christian IV. für seinen Sohn Valdemar Christian erbaut, obwohl der Prinz nie die Gelegenheit hatte, dort zu leben. Über Jahrhunderte und bis heute blieb das Gut im Besitz der Nachkommen des berühmten dänischen Admirals Niels Juel. Heute ist es eines der größten und am besten erhaltenen historischen Landgüter Dänemarks. Nach mehreren Jahren der Schließung ist es inzwischen wieder für Besucher zugänglich. Seit 2025 finden zwischen Mai und September im Schloss und den umliegenden Gebäuden Ausstellungen zeitgenössischer Kunst statt. Historische Innenräume werden mit modernen Kunstwerken kombiniert und schaffen einen ungewöhnlichen Kontrast zwischen dem kulturellen Erbe des Anwesens und der Gegenwartskunst.
Die Variante der Herrenhausroute auf Fünen
Svendborg markiert das Ende der Inselvariante der Herrenhausroute, doch auch Radreisende, die von Faaborg aus der Route über Fünen folgen, kommen hier an. Auch diese Variante hat ihre eigenen Höhepunkte. Kurz hinter Faaborg führt die Herrenhausroute an Holstenshuus vorbei, einem Gut, dessen Ursprünge auf ein befestigtes Herrenhaus aus dem frühen 14. Jahrhundert zurückgehen. Im Laufe der Jahrhunderte gehörte es mehreren dänischen Adelsfamilien und befindet sich seit 1753 im Besitz der Familie Holstein-Holsteinborg. Das heutige Herrenhaus entstand beim Wiederaufbau nach einem Brand im Jahr 1908. Obwohl sich das Gut in Privatbesitz befindet, ist es von der Route aus gut zu sehen. Der umliegende Park und die ehemaligen Wirtschaftsgebäude bilden einen der am besten erhaltenen historischen Herrenhauskomplexe im Süden Fünens.
Nur einen kurzen Spaziergang von der Straße entfernt, nahe dem Eingang zum Park von Holstenshuus, liegen die Ruinen der mittelalterlichen Kirche von Finstrup. Erhalten sind nur noch die steinernen Fundamente, doch der ungewöhnliche, nahezu symmetrische kreuzförmige Grundriss der Kirche macht sie zu einer der interessantesten mittelalterlichen Kirchenstätten Dänemarks. Historiker vermuten, dass sie einst als Wallfahrtskirche diente und Besucher aus weit entfernten Teilen des Landes anzog. Warum sie verschwand, ist bis heute nicht genau bekannt, obwohl sie bereits Ende des 16. Jahrhunderts als verlassene Ruine beschrieben wurde.
Traditionelle dänische Fachwerkhöfe
Wer der Herrenhausroute folgt, sollte nicht nur auf Schlösser und Herrenhäuser achten, sondern auch auf die traditionellen Bauernhöfe entlang der Strecke. Viele haben ihre ursprüngliche Fachwerkbauweise mit Holzkonstruktionen, deren Zwischenräume mit Ziegeln oder Lehm ausgefüllt sind, und dicken Reetdächern bewahrt. Diese Bauweise war perfekt an das feuchte und windige Klima Dänemarks angepasst. Das Reet sorgte für eine hervorragende Wärmedämmung, während sich die Holzkonstruktion relativ einfach reparieren oder erweitern ließ. Dank regelmäßiger Pflege sind viele dieser Häuser heute 200 oder sogar 300 Jahre alt und noch immer ein lebendiger Teil des Alltags auf der Insel.
Einer der ungewöhnlicheren Stopps entlang der Herrenhausroute ist der Strand von Nab mit Blick auf den Faaborg-Fjord und die Inseln des Südfünischen Inselmeers. Er ist einer der besten Orte für eine längere Pause während der Radtour. Am Strand gibt es einen Badesteg, Picknicktische und Bänke, sodass man hier ideal eine Mahlzeit zubereiten, zu Mittag essen oder einfach im Schatten entspannen kann. Die Rasenfläche eignet sich perfekt für ein kurzes Nickerchen, und an warmen Tagen bietet sich ein Bad im Meer an. Nab ist ein offizieller Badestrand mit guter Wasserqualität und einem flach abfallenden Ufer. Es ist einer dieser Orte, an denen man nur ein paar Minuten bleiben möchte und am Ende viel länger verweilt. Das Einzige, was fehlt, ist eine öffentliche Toilette.
Dänemarks nationale Radroute 8
Als ich unsere Gruppe an der Ostseeküste entlangradeln sah, wurde ich daran erinnert, dass Teile der Herrenhausroute auf Dänemarks nationaler Radroute 8 verlaufen - der Ostsee-Radroute. Die 820 Kilometer lange Route, die von der nationalen Tourismusorganisation Dänemarks als „Hygge auf zwei Rädern“ beschrieben wird, gehört zum nationalen Radwegenetz und verbindet die wichtigsten südlichen Inseln des Landes durch mehrere Fährverbindungen. Auf vielen Abschnitten folgt sie außerdem dem Verlauf von EuroVelo 10, der internationalen Radroute rund um die Ostsee. Entlang der Südküste Fünens und auf der malerischen Insel Ærø teilt sie sich mehrere Abschnitte mit der Herrenhausroute. Während die nationale Radroute 8 meist in Küstennähe bleibt, führt die Herrenhausroute häufiger ins Landesinnere und bringt Radreisende zu historischen Herrenhäusern, Schlössern und Burgen.
Ein deutscher Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg auf Fünen
An die Geschichte Fünens während des Zweiten Weltkriegs erinnert der deutsche Bunker in Ollerup. Er wurde 1944 als Teil eines Komplexes aus Bunkern und unterirdischen Gängen errichtet, der für rund 800 deutsche Soldaten gebaut wurde, die in den örtlichen Volkshochschulen stationiert waren. Drei Stahlbetonbunker sind bis heute erhalten und durch rund 100 Meter unterirdische Gänge miteinander verbunden. Ihre massive Bauweise bildet einen auffälligen Kontrast zu den mittelalterlichen Burgen und Schlössern entlang der übrigen Route und zeigt, wie sich die Verteidigungsarchitektur im Laufe der Jahrhunderte als Reaktion auf Luftangriffe und moderne Artillerie verändert hat. Die Bunker sind heute für Besucher geöffnet und beherbergen kleine Ausstellungen zur Geschichte des Ortes. Picknicktische und Bänke vor den Bunkern machen diesen Ort außerdem zu einem angenehmen Platz für eine kurze Pause vor dem letzten Abschnitt nach Svendborg.
Die schönsten Sehenswürdigkeiten im historischen Svendborg
Svendborg war eine weitere Stadt auf Fünen, in der wir gerne einen ganzen Nachmittag verbrachten und die wir am nächsten Morgen nur ungern verließen. Es ist eine lebendige Hafenstadt mit Restaurants und Cafés entlang der Uferpromenade sowie Jachthäfen voller Segelboote und Fähren. Über Jahrhunderte beruhte der Wohlstand der Stadt auf Schifffahrt und Seehandel. Heute ist sie weiterhin die wichtigste Stadt im Süden Fünens und das Tor zum Südfünischen Inselmeer. Von hier fahren Fähren nach Ærø, Skarø, Drejø und zu mehreren weiteren Inseln in der Umgebung. Das historische Zentrum beginnt nur wenige Gehminuten vom Hafen entfernt, sodass Uferpromenade und Altstadt nahtlos ineinander übergehen und sich hervorragend zu Fuß erkunden lassen.
Das Herz der Altstadt ist die Gågade, eine lebhafte Fußgängerzone mit Geschäften, Cafés und Restaurants, von der schmale gepflasterte Gassen zwischen farbenfrohen historischen Gebäuden abzweigen. Sehenswert sind außerdem die gotische Nikolaikirche, das moderne Naturama-Museum mit seinen eindrucksvollen Ausstellungen über die dänische Tierwelt und der Jachthafen. Eine weitere interessante Sehenswürdigkeit ist Danmarks Forsorgsmuseum, das in einem ehemaligen Armenhaus untergebracht ist und sich mit der Geschichte der sozialen Fürsorge in Dänemark beschäftigt.
Fahrradfreundliche Hotels auf Fünen
Eine der fahrradfreundlichen Unterkünfte, in denen wir übernachteten, war das Hotel Ærø in Svendborg. Den Gästen steht ein separater, abschließbarer Fahrradraum mit Luftpumpe und grundlegenden Reparaturwerkzeugen zur Verfügung. Dies ist ein Standard, den immer mehr Radreisende auf mehrtägigen Touren erwarten. Dadurch mussten wir unsere Fahrräder weder unbeaufsichtigt draußen stehen lassen noch mit aufs Zimmer nehmen. Der Fahrradraum war deutlich ausgeschildert und leicht zu finden. Da wir unsere Fahrräder dort sicher abstellen konnten, konnten wir die Stadt unbesorgt zu Fuß erkunden und die Räder auch über Nacht ohne Sorgen dort lassen.
Radfahren auf einer ehemaligen Bahnstrecke
An unserem letzten Tag verließen wir Svendborg auf besonders schöne Weise. Zunächst führte uns ein hervorragender Radweg entlang des Svendborgsunds aus dem Stadtzentrum hinaus. Kurz darauf folgte die Herrenhausroute der Trasse der ehemaligen Bahnstrecke Svendborg-Nyborg, die Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet wurde. Jahrzehntelang beförderten die Züge sowohl Passagiere als auch Güter zwischen dem Süden und Osten Fünens. Eine besonders wichtige Rolle spielte die Strecke beim Transport von Obst aus den Plantagen an der Ostküste der Insel in andere Teile Dänemarks. Die Bahnstrecke wurde 1964 stillgelegt, und heute hat ihr ehemaliger Bahndamm eine neue Funktion als landschaftlich reizvolle Strecke für Läufer, Spaziergänger und Radfahrende auf der Herrenhausroute gefunden.
Das berühmte Schloss Broholm
Einer der Höhepunkte an der Ostküste Fünens ist Schloss Broholm. Die Geschichte des Gutes reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, doch das beeindruckende Herrenhaus, das man heute mit seinem charakteristischen Torturm und dem breiten Wassergraben sieht, wurde Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut. Das Anwesen blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Während der Grafenfehde (1534-1536), dem letzten Bürgerkrieg in der Geschichte Dänemarks, wurden die früheren Befestigungsanlagen an dieser Stelle von Stadtbewohnern niedergebrannt. Heute beherbergen die restaurierten Gebäude ein Hotel und ein Restaurant. Im Schloss befindet sich außerdem eine außergewöhnliche private archäologische Sammlung mit Zehntausenden Artefakten aus der Steinzeit. Broholm nimmt auch in der Geschichte der Hundezucht einen besonderen Platz ein, denn hier wurde im 19. Jahrhundert die Hunderasse Broholmer wiederbelebt. Sie gilt bis heute als eine der nationalen Hunderassen Dänemarks.
Die größte eisenzeitliche Siedlung Skandinaviens
In diesem Gebiet verläuft die Route für kurze Zeit auf einem hervorragenden Radweg - einem breiten Zweirichtungsradweg entlang der Straße nach Gudme. Heute ist Gudme ein kleiner Ort, doch um 300 n. Chr. war es die größte Siedlung in ganz Skandinavien. Rund 500 Menschen lebten hier, und die Siedlung war bis zu fünfmal größer als ein typischer Ort dieser Zeit. Archäologen haben Hunderte Gegenstände aus Gold und Silber sowie die Überreste monumentaler Hallen von fast 50 Metern Länge entdeckt, die vermutlich als Residenz eines lokalen Herrschers dienten. Der Name Gudme bedeutet „Heim der Götter“, und die Namen der umliegenden Hügel und Orte deuten darauf hin, dass es sich um eines der wichtigsten religiösen und politischen Zentren im eisenzeitlichen Skandinavien handelte. Heute wird diese bemerkenswerte Geschichte auf Gudme Kongsgård präsentiert, wo man den Grundriss der ehemaligen Königshalle und eine kleine Ausstellung zu den archäologischen Funden sehen kann.
Eine weitere faszinierende Erinnerung an die Vergangenheit ist das Netz aus Steinmauern rund um den Wald von Rygård. Viele von ihnen markieren Grenzen, die bis in die Eisenzeit, Wikingerzeit oder ins Mittelalter zurückreichen, und gehören damit zu den ältesten erhaltenen Elementen der Kulturlandschaft Dänemarks. Über Jahrhunderte kennzeichneten sie die Grenzen von Landgütern, und viele folgen noch heute ihrem ursprünglichen Verlauf. Im Laufe der Zeit haben sie sich außerdem zu wertvollen Lebensräumen für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten entwickelt. Aus diesem Grund stehen heute alle historischen Steinmauern in Dänemark als bedeutende Kulturdenkmäler und dauerhafte Zeugnisse jahrhundertelanger Landnutzung unter Schutz.
Das historische Landgut Glorup Gods
Nur wenige Minuten später folgt mit Glorup Gods ein weiteres prächtiges Landgut entlang der Route - und längst nicht das letzte an diesem Tag. Die Geschichte des Anwesens reicht bis ins späte 14. Jahrhundert zurück, während das heutige Schloss in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bei der barocken Umgestaltung einer früheren Renaissanceresidenz mit vier Ecktürmen entstand. Das weiße Herrenhaus ist von formalen Gärten und einem weitläufigen Landschaftspark umgeben, der als einer der frühesten englischen Landschaftsparks Dänemarks gilt. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts gehört das Gut der Familie Moltke-Huitfeldt und dient weiterhin als private Residenz. Glorup gilt als eines der schönsten Beispiele dänischer Herrenhausarchitektur und wurde 2006 in den dänischen Kulturkanon aufgenommen. Auch Hans Christian Andersen war hier häufig zu Gast und schrieb in seinen Briefen begeistert über das Schloss und den umliegenden Park.
Etwas weiter führt die Route an der Kongshøj Mølle vorbei, einer ehemaligen Wassermühle und Eisenhütte, die an die Veränderungen erinnert, welche die Industrielle Revolution nach Dänemark brachte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete ein lokaler Unternehmer gemeinsam mit dem Besitzer von Glorup Gods einen für die damalige Zeit modernen Industriekomplex, der durch das aufgestaute Wasser des Flusses Kongshøj Å angetrieben wurde. Der sieben Meter hohe Damm ist bis heute der höchste auf Fünen. Obwohl die Eisenhütte Anfang des 20. Jahrhunderts geschlossen wurde, blieb die Mühle noch viele Jahre in Betrieb, und ab 1921 trieb sie eine Turbine zur Stromerzeugung an. Bemerkenswerterweise ist das Wasserkraftwerk bis heute in Betrieb und speist Strom in das dänische Stromnetz ein.
Als Nyborg zur Hauptstadt Dänemarks wurde
Kurz vor Nyborg verlassen wir die Herrenhausroute und folgen stattdessen der nationalen Radroute 8, um das wunderschön gelegene Schloss Holckenhavn zu besuchen. Die Geschichte des Gutes reicht bis ins späte 16. Jahrhundert zurück, als Kanzler Jacob Ulfeldt eine von einem Wassergraben umgebene Renaissanceresidenz errichten ließ. Seinen heutigen Namen erhielt das Schloss 1672 von Eiler Holck, einem der engsten Berater König Christians V. Seitdem befindet es sich ununterbrochen im Besitz seiner Nachkommen und gehört damit zu den am längsten durchgehend in Familienbesitz befindlichen Landgütern Dänemarks. Die roten Backsteinfassaden, Ecktürme und das umgebende Wasser bilden einen der markantesten Anblicke an der Ostküste Fünens.
Nyborg markierte das Ende unserer Reise. Einen besseren Ort für das Ende der Herrenhausroute kann man sich kaum vorstellen. Die Stadt verbindet einige der wichtigsten Kapitel der dänischen Geschichte mit der entspannten Atmosphäre einer Hafenstadt am Meer und diente lange als natürliches Tor zwischen Fünen und Seeland. Über Jahrhunderte befand sich hier der wichtigste Übergang des Königreichs über den Großen Belt, wodurch Nyborg zu einer der bedeutendsten Städte Dänemarks wurde. Die gut erhaltenen mittelalterlichen Befestigungsanlagen, das historische Zentrum und Schloss Nyborg - eine der wichtigsten königlichen Residenzen des mittelalterlichen Dänemarks und das letzte Schloss auf unserer Route - erinnern bis heute an diese bemerkenswerte Vergangenheit.
Über mehrere Jahrhunderte regierten die dänischen Könige nicht von einer einzigen festen Hauptstadt aus. Stattdessen reisten sie mit ihrem Hof durch das Königreich und hielten sich in verschiedenen königlichen Schlössern auf. Nyborg war eine ihrer bevorzugten Residenzen und wurde regelmäßig zum politischen Zentrum Dänemarks. Hier fanden die Versammlungen des Danehof statt, bei denen König, Adel und Bischöfe zusammenkamen, um die wichtigsten politischen Entscheidungen des Königreichs zu treffen. Im Jahr 1282 unterzeichnete König Erik V. Klipping in Nyborg eine Urkunde, die häufig als erste Verfassung Dänemarks bezeichnet wird. Sie beschränkte die Macht des Monarchen und legte den Grundsatz fest, dass auch der König dem Gesetz unterworfen war. Während unseres Besuchs war Schloss Nyborg noch für die Öffentlichkeit geschlossen. Nach jahrelangen bürokratischen Verzögerungen und Auseinandersetzungen um den Denkmalschutz, die ein umfangreiches Restaurierungsprojekt zum Stillstand gebracht hatten, gehen die Arbeiten nun endlich wieder voran. Der gesamte Komplex wird derzeit restauriert und soll 2028 wiedereröffnet werden.
Rückfahrt mit dem dänischen InterCity
Von Nyborg fuhren wir mit dem InterCity zurück nach Middelfart, und insgesamt war es trotz einer kleinen logistischen Herausforderung eine sehr positive Erfahrung. InterCity ist die schnellste Kategorie konventioneller Züge in Dänemark, und das „L“ in der früheren Bezeichnung ICL stand für das dänische Wort für „Blitz“. Die Fahrt quer durch Fünen, von Osten nach Westen, dauerte nur etwa 50 Minuten. Die Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme im Zug waren hervorragend, doch die Nachfrage war groß, und im ersten Zug konnten wir nur für zwei unserer sieben Fahrräder Stellplätze reservieren. Glücklicherweise verkehren die Züge am Nachmittag stündlich, sodass die übrigen fünf Mitglieder unserer Gruppe einfach die nächste Verbindung nahmen. Eine interessante Besonderheit dieser Züge ist ihre Länge. Die Züge, die Fünen durchqueren, können aus einem Dutzend oder mehr Wagen bestehen, die unterwegs in mehrere kürzere Zugteile getrennt werden und anschließend zu unterschiedlichen Zielen weiterfahren.
Einer der schönsten Radurlaube in Dänemark
Die Herrenhausroute zeigte uns eine ganz andere Seite Fünens als jene, die die meisten Besucher mit Kopenhagen oder den Badeorten Dänemarks verbinden. Hier prägen ruhige Dörfer, historische Landgüter, kleine Häfen und eine sanft hügelige Landschaft das Bild, das viele Besucher bei ihrer ersten Reise überrascht. Obwohl nur Teile der Route auf separaten Radwegen verlaufen, ist das Radfahren dank des geringen Verkehrsaufkommens und der rücksichtsvollen dänischen Autofahrer sicher und angenehm. Das dichte Netz lokaler Straßen sorgt dafür, dass der größte Teil der Reise ruhig und weitgehend frei von starkem Verkehr verläuft.
Dazu kommen das milde Klima der Insel, bei dem selbst der Sommer nur selten extreme Hitze bringt, und das dichte Netz ausgeschilderter Radrouten. Damit ist Fünen einer der besten Orte in Dänemark für einen Radurlaub. Die Entfernungen sind kurz genug, um Schlösser und Herrenhäuser, historische Städte, Küstenhäfen und die friedlichen Landschaften im Süden Dänemarks auf einer einzigen Reise miteinander zu verbinden, ohne sich jemals gehetzt zu fühlen. Die Herrenhausroute ist eine hervorragende Möglichkeit, nicht nur die Geschichte Fünens zu entdecken, sondern auch zu erleben, warum die dänischen Inseln zu den schönsten und fahrradfreundlichsten Reisezielen Europas gehören.
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Simon Thread
(Szymon Nitka)
I'm a passionate cycling traveler and the voice behind Cycling Thread. I explore Europe on two wheels, documenting the most scenic routes, inspiring places and cyclist-friendly practices. My writing blends personal experience with practical insights and a deep love of travel. I'm also a contributor to National Geographic Traveler magazine.


