Nord-Süd-Route in der Schweiz: mit dem Fahrrad über die Alpen
Die Nord-Süd-Route gehört zu den bekanntesten Radrouten der Schweiz. Sie ist als Route 3 ausgeschildert und Teil von Veloland Schweiz, dem Netz der neun nationalen Radrouten des Landes. Von Basel im Norden führt sie quer durch die Schweiz bis nach Chiasso an der Grenze zu Italien. Unterwegs überquert sie auf dem legendären Gotthardpass den Alpenhauptkamm. Auf mehr als 360 Kilometern bietet die Nord-Süd-Route eine abwechslungsreiche Radreise durch die Schweiz - mit einigen Abschnitten, die deutlich anspruchsvoller sind als auf anderen Routen aus den Schweizer "Top 9".
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Route on the map
GPX file (GPS track): cyclingthread.com-switzerland-2024.gpx
Nord-Süd-Route - Inhaltsverzeichnis
- Mit dem Fahrrad durch die schönsten Landschaften der Schweiz
- Von Süden nach Norden durch die Schweiz
- Mit Auto oder Bahn in die Schweiz
- Im Zug fast wie im Wohnzimmer
- Die ersten Kilometer mit Seen im Hintergrund
- Guten Morgen, Lugano
- Eine Kampagne für gegenseitige Rücksichtnahme
- Ein schwieriger Start auf dem Rad
- Die ersten roten Radfahrstreifen
- Unser Pech mit den Schweizer Feiertagen
- Drei Burgen auf der UNESCO-Welterbeliste
- Anspruchsvolle Fahrt durch das Tessintal
- Romanische Kirchen im malerischen Giornico
- Willkommen im Land des Gotthardpasses
- Das Gotthardmuseum erzählt die Geschichte der Tunnel
- Ein Dutzend Kilometer vorwärts, einen Kilometer aufwärts
- Mehr als 30 Kurven auf historischem Kopfsteinpflaster
- Viele Autofahrer oben auf dem Pass
- Man kann auch mit dem Bus hinauffahren
- Lieber auf Kopfsteinpflaster hinauf als hinunter
- Zwei Gründe, die Route in umgekehrter Richtung zu fahren
- Ein Engpass in der Schlucht hinter Andermatt
- Die ersten Blicke auf den Vierwaldstättersee
- Eine der schönsten Straßen für Radfahrer
- Kostenloser Ersatztransport für Radfahrer
- Raddampfer und ein heiliger Ort der Schweiz
- Zur Route gehört auch eine Fährüberfahrt
- Zwei minus eins und ein Radweg auf Stelzen
- Der Löwe von Luzern und der Gletschergarten
- Hinter Luzern wird die Route sanfter
- Schön bemalte Häuser in Aarau
- Basel und das größte Open-Air-Kino
- Veloland führt durch die Radrouten der Schweiz
- Teil des EuroVelo-Netzes
- Die anspruchsvollste Radroute der Schweiz
Mit dem Fahrrad durch die schönsten Landschaften der Schweiz
Die Nord-Süd-Route war für uns ein weiterer Schritt auf dem Weg, die großartigen Radrouten der Schweiz kennenzulernen. Unsere erste Reise führte uns auf der landschaftlich unglaublich abwechslungsreichen Rhein-Route von Andermatt nach Basel. Danach folgte die Seen-Route, der wir aus der Region Zürich bis nach Genf folgten. Die dritte Schweizer Route, die wir erkundeten, war die Jura-Route vom Genfersee bis nach Basel. So entdecken wir nach und nach einige der schönsten Ecken der Schweiz mit dem Fahrrad, genießen die beeindruckenden Landschaften und erleben die hervorragende Fahrradinfrastruktur des Landes. Diese Infrastruktur ist auch auf touristischen Routen präsent und sorgt für mehr Komfort und Sicherheit. Allerdings... gab es diesmal auf der Nord-Süd-Route auch einige Abschnitte, auf denen wir uns eine bessere Fahrradinfrastruktur gewünscht hätten.
Von Süden nach Norden durch die Schweiz
Obwohl der Name eine Fahrt von Norden nach Süden nahelegt, entschieden wir uns ganz bewusst für die entgegengesetzte Richtung. Wer nach Süden fährt, fährt direkt in die Sonne - zusammengekniffene Augen und zusätzliche Falten inklusive, selbst mit der besten Sonnenbrille. Noch wichtiger ist aber, dass man dadurch während der Fahrt schlechtere Ausblicke auf die Berge hat. Auf dem Weg nach Norden hatten wir die Sonne im Rücken - als ständigen Verbündeten, der die spektakuläre Alpenlandschaft vor uns beleuchtete, statt uns zu blenden. Die Sonne im Rücken half außerdem dabei, unsere Gesichter vor zu starker Bräunung zu schützen - Sonnencreme ist wichtig, aber noch besser ist es, das Gesicht möglichst im Schatten und von der Sonne abgewandt zu halten.
Mit Auto oder Bahn in die Schweiz
Wie kommt man mit dem Fahrrad in die Schweiz? Basel ist hervorragend an das Bahnnetz angebunden und aus vielen Teilen Europas gut erreichbar. Von Berlin zum Beispiel kommt man mit einem schnellen ICE in etwa neun Stunden nach Basel - bei frühzeitiger Buchung schon für rund 40 Euro. Wenn die Bahn keine Option ist, lässt sich die Schweiz natürlich auch mit dem Auto erreichen - so machten wir es, da wir anschließend noch weitere Pläne hatten. Unser Auto ließen wir im deutschen Lörrach bei Basel auf einem günstigen Langzeitparkplatz stehen. Von dort fuhren wir mit dem Zug zum Ausgangspunkt unserer Reise. Die Bahn war dabei nicht nur eine bequeme und preislich vernünftige Art der Anreise, sondern auch eine perfekte Ergänzung zu unserer Radreise. Und wenn ihr schon in Basel seid, solltet ihr euch die große und optisch beeindruckende Fahrradstation unter dem Bahnhof nicht entgehen lassen!
Im Zug fast wie im Wohnzimmer
Um unsere Reise von Süden nach Norden zu beginnen, stiegen wir zunächst in Basel in einen Schweizer InterCity nach Lugano. Diese Fahrt erwies sich als perfekte Einführung in unsere Reise und gab uns bereits einen Vorgeschmack auf die Landschaften und Eindrücke, die uns in den kommenden Tagen begleiten würden. Beeindruckt waren wir auch von den Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme - elegante Halterungen, beleuchtete Bereiche und Teppichboden ließen den Raum eher wie ein gemütliches Interieur als wie einen gewöhnlichen Gepäckbereich in einem Fernzug wirken. Für uns gehört dieser Zug inzwischen zu den fahrradfreundlichsten Zügen, die wir auf unseren Reisen erlebt haben.
Die ersten Kilometer mit Seen im Hintergrund
Für eine relativ kurze Route - nur 360 Kilometer, ideal für fünf Tage oder höchstens eine Woche - ist die Nord-Süd-Route landschaftlich erstaunlich abwechslungsreich. Die Reise beginnt in der "Schweizer Seenregion", an der natürlich auch Italien seinen Anteil hat. Die Route startet in Chiasso, nur wenige Kilometer vom berühmten italienischen Comer See entfernt. Schon bald führt sie über mehr als 20 Kilometer am Ufer des malerischen Lago di Lugano entlang. Die Landschaft verbindet alpine Gipfel mit mediterranem Flair. Am Ufer sorgen elegante Villen und Gärten mit Zypressen, Palmen und blühenden Sträuchern für eine Atmosphäre, die bereits deutlich an Südeuropa erinnert. Die Straße verläuft dicht am Wasser und bietet immer wieder schöne Ausblicke auf den tiefblauen See zwischen steilen Berghängen. Und kaum verlassen wir die Gegend um den Lago di Lugano, kommt bereits der Lago Maggiore in Sicht.
Guten Morgen, Lugano
Unsere Reise auf der Nord-Süd-Route begann in Lugano, einer der am schönsten gelegenen Städte der Schweiz, im Tessin, dem einzigen vollständig italienischsprachigen Kanton des Landes. Die Hitze, der großartige Blick vom hoch über dem See gelegenen Bahnhof und überall der Klang der italienischen Sprache - das waren unsere ersten Eindrücke am Kilometer null unserer Route. Lugano ist von Bergen wie dem Monte Brè und dem Monte San Salvatore umgeben und bietet beeindruckende Ausblicke auf den See und die umliegenden Gipfel. Der Monte Brè gilt als der sonnigste Berg der Schweiz, doch mehr Besucher zieht der Monte San Salvatore mit seinem großartigen 360-Grad-Panorama der Alpen an. Wir nehmen uns einen Moment Zeit für die wichtigste Sehenswürdigkeit Luganos, die Kathedrale San Lorenzo, drehen anschließend eine kurze Runde durch die Stadt, bewundern die Jugendstilfassaden und schauen im oft erwähnten Parco Civico-Ciani vorbei, wo sogar Polizisten auf Fahrrädern patrouillieren. Danach fahren wir auf den Promenaden am See entlang in Richtung unserer Route.
Eine Kampagne für gegenseitige Rücksichtnahme
Während wir durch Lugano fahren, entdecken wir unter unseren Rädern immer wieder grün-schwarze Logos mit der Aufschrift "Riguardami". Eine kurze Suche im Internet zeigt, dass es sich um eine Kampagne für gegenseitige Rücksichtnahme zwischen Fußgängern und Radfahrern handelt, die 2022 von der Stadt Lugano gemeinsam mit lokalen Mobilitätsorganisationen gestartet wurde. Sie war eine gemeinsame Reaktion von Stadtverwaltung und Aktivisten auf die zunehmende Zahl von Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern, die sich den öffentlichen Raum teilen. Die Kampagne betonte die Bedeutung klarer Kommunikation, besonderer Rücksicht auf Kinder und Fußgänger sowie angemessener Geschwindigkeiten beim Radfahren.
Ein schwieriger Start auf dem Rad
Die Ausfahrt aus Lugano ist nicht gerade angenehm - die schmale Straße, die sich am See entlangzieht, ist stark befahren, und Autos, Motorräder und Busse fahren dicht an uns vorbei. Leider ist dies die einzige Möglichkeit, unsere Route zu erreichen, aber zum Glück sind es von Lugano nach Melide nur 6 Kilometer. In Melide entdecken wir schließlich die Schilder der Nord-Süd-Route, der Verkehr wird ruhiger und wir können endlich beginnen, die Schönheit der Schweiz zu genießen. Schon bald fahren wir durch Morcote, einst ein Fischerdorf und heute einer der malerischsten Orte unserer Reise - zugleich der südlichste Punkt unserer Tour. Hoch am Hang fällt uns die Silhouette der Kirche Santa Maria del Sasso ins Auge, während entlang der Straße am See prächtige historische Villen unseren Weg säumen. Die Architektur verbindet sich wunderbar mit der üppigen mediterranen Vegetation - Palmen, Bambus, Zypressen, Zedern, Kiefern, Kampferbäume, Eukalyptus und blühende Azaleen.
Die ersten roten Radfahrstreifen
Der nächste Abschnitt der Route führt uns weiter nach Norden in Richtung Bellinzona. Vor uns liegen etwa 30 Kilometer mit sanfter Steigung entlang des kleinen Flusses Vedeggio. Hier sehen wir aus nächster Nähe, wie die Schweiz Fußgänger und Radfahrer vor den Gefahren des Straßenverkehrs schützt. Gelb markierte Flächen kennzeichnen Bereiche, die ausschließlich für ungeschützte Verkehrsteilnehmer vorgesehen sind, darunter auch Radfahrstreifen an stärker befahrenen Straßen. An einigen Stellen sind diese Spuren rot eingefärbt und führen Radfahrer sicher durch besonders gefährliche Abschnitte. Zum ersten Mal begegnen wir diesem System an der Einfahrt zu einem Steinbruch, kurz darauf führt uns ein ähnlicher roter Streifen an einer Tankstelle vorbei. Wenig später verschwindet der rote "Teppich" wieder und ein gelb markierter Radfahrstreifen bringt uns auf einer schnellen Abfahrt in Richtung Bellinzona.
Unser Pech mit den Schweizer Feiertagen
Unser Aufenthalt in Bellinzona sollte etwas Besonderes werden - wir hatten die gesamte Reise so geplant, dass wir am Schweizer Nationalfeiertag hier sein würden. Der Feiertag am 1. August erinnert an den Bundesbrief von 1291, der als Gründungsdokument der Schweizer Eidgenossenschaft gilt. Tagsüber war das Wetter perfekt - angenehme Temperaturen, leichte Bewölkung und kein Regen - doch am Abend kam starker Wind auf. Die Böen waren so heftig, dass das Feuerwerk über dem Castelgrande aus Sicherheitsgründen abgesagt wurde. Tausende Menschen, die auf das Spektakel gewartet hatten, gingen enttäuscht nach Hause, nachdem sie zuvor nur ein eher wenig beeindruckendes Konzert mit amerikanischen (!) Coversongs gesehen hatten. Es war bereits unser zweiter Versuch, den Schweizer Nationalfeiertag mitzuerleben, und zum zweiten Mal hatten wir Pech - als wir 2020 am Rhein entlangradelten, wurde das Feuerwerk in Schaffhausen wegen der COVID-19-Pandemie abgesagt.
Drei Burgen auf der UNESCO-Welterbeliste
Überraschenderweise führt die Nord-Süd-Route nicht durch das Zentrum von Bellinzona. Dadurch fahren viele Radreisende möglicherweise unwissentlich an einer der 13 UNESCO-Welterbestätten der Schweiz vorbei. In Bellinzona besteht sie aus drei Burgen - Castelgrande, Montebello und Sasso Corbaro - die zusammen einen großen Befestigungskomplex bilden. Die Burgen gehören zu den bedeutendsten Beispielen mittelalterlicher Militärarchitektur in den Alpen und wurden strategisch so angelegt, dass sie das Tessintal und den Zugang zu den Alpenpässen in Richtung Norditalien und Mailand kontrollieren konnten. Die Burgen und ihre Türme sind bis heute hervorragend erhalten, und ihre Architektur fügt sich harmonisch in die natürliche Topografie der Region ein - ein echtes Highlight für alle, die die Schweiz bereisen.
Anspruchsvolle Fahrt durch das Tessintal
Hinter Bellinzona folgt die Nord-Süd-Route dem langen, schmalen Alpental des Flusses Ticino bis nach Airolo, einem Ort am Fuß des Gotthardpasses. Die Landschaft des Tals verändert sich dabei allmählich - von der sanften, grünen Umgebung Bellinzonas zu den steileren und wilderen Hängen der Alpen bei Airolo. Dieser Abschnitt des Tessintals ist zugleich eine der wichtigsten Verkehrsachsen zwischen dem Norden und Süden der Schweiz. Anfangs verläuft die Radroute auf ruhigen Nebenstraßen, Wirtschaftswegen und sogar einigen Waldwegen. Doch je schmaler das Tal und je steiler das Gelände wird, desto häufiger führt die Route auf die Hauptstraße, wo der starke Transitverkehr das Radfahren deutlich weniger angenehm macht. Besonders anspruchsvoll ist der Abschnitt von Lavorgo nach Airolo - so sehr, dass Ola sich für den Zug entscheidet und damit die steile, schmale und stark befahrene Bergstraße auslässt, die nur wenig Fahrspaß bietet.
Romanische Kirchen im malerischen Giornico
Zum Glück hatten wir noch Zeit, das schöne kleine Dorf Giornico im Leventinatal zu besuchen, bevor Ola in den Regionalzug stieg. Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten sind zwei benachbarte mittelalterliche Kirchen - San Nicola und San Michele. San Nicola fällt durch ihre beeindruckende romanische Architektur, gut erhaltene Fresken und einen feierlichen, fast geheimnisvollen Innenraum auf. Die etwas tiefer gelegene Kirche San Michele wiederum beeindruckt durch ihre Schlichtheit und fügt sich harmonisch in die Berglandschaft ein. Giornico ist außerdem für seine Weinberge bekannt, die das Dorf umgeben und seit Langem eng mit der lokalen Wirtschaft und Tradition verbunden sind. Eine weitere historische Sehenswürdigkeit ist das alte Kraftwerk, das bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle für den Eisenbahnverkehr im Tal spielte. Von der Brücke oberhalb des Dorfes bietet sich ein wunderschönes Panorama auf Giornico mit seiner malerischen Steinbrücke über den Ticino.
Willkommen im Land des Gotthardpasses
Unsere wichtigste Erinnerung an Airolo? Vor allem... das kleine, familiengeführte italienische Hotel, in dem wir übernachteten. Einfache Bedingungen, fast keine Inneneinrichtung und Gemeinschaftsbäder auf dem Flur. Besonders machte diesen Ort aber das italienische Restaurant im Erdgeschoss, wo wir den Tag mit einer köstlichen Pizza beendeten. Ansonsten ist Airolo vor allem ein Tor zu den Bergen, bekannt für eine Käserei und vor allem... für Tunnel. Oder genauer gesagt für zwei Tunnel - einen für Autos und einen für Züge - die nicht nur für die Schweiz, sondern für das gesamte europäische Verkehrsnetz von großer Bedeutung sind. Der 1980 eröffnete Gotthard-Strassentunnel gehört mit 16,9 Kilometern noch immer zu den längsten Strassentunneln der Welt. Er verbindet die nördliche Schweiz mit dem Tessin im Süden und verkürzt die Reise durch die Alpen erheblich. Besonders im Sommer herrscht hier starker Verkehr, und wer die Nord-Süd-Route in der Hauptsaison fährt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit Staus vor dem Tunneleingang sehen.
Das Gotthardmuseum erzählt die Geschichte der Tunnel
Neben dem Strassentunnel verlaufen zwei Eisenbahntunnel unter dem Gotthardpass. Der erste wurde 1882 eröffnet und spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Eisenbahnverkehrs in Europa. Der zweite, wesentlich neuere Tunnel wurde 2016 eröffnet und ist der längste Eisenbahntunnel der Welt. Der Gotthard-Basistunnel ist 57,1 Kilometer lang und wurde in 17 Jahren gebaut. Er hat den Güter- und Personenverkehr deutlich verbessert und die Reisezeiten durch die Alpen verkürzt - wir konnten das auf unserer Zugfahrt von Basel nach Lugano selbst erleben. Wer mehr über die Bedeutung des Gotthardpasses als wichtige Verkehrsachse erfahren möchte, sollte das Museum auf dem Pass besuchen. Besonders interessant ist eine Filmvorführung über die Geschichte der Straßen und Tunnel in der Region, die gleichzeitig auf drei Leinwänden gezeigt wird. Für mich waren vor allem die historischen Fotos und Filmaufnahmen vom Bau dieser technischen Meisterwerke spannend. Doch bevor man im Multimedia-Raum des Museums Platz nehmen kann, muss man erst einmal hinaufkommen.
Ein Dutzend Kilometer vorwärts, einen Kilometer aufwärts
Der Anstieg zum Gotthardpass ist die entscheidende Herausforderung der Nord-Süd-Route - ihr eigentlicher Kern. Zwei Straßen führen hinauf zum Pass: die Nationalstrasse 2, auf der viel touristischer Transitverkehr unterwegs ist, der den Gotthardtunnel meidet, und die historische Tremolastrasse, die um 1830 gebaut wurde. Natürlich wählen Radfahrer die Tremola - eine schmale, kurvenreiche und gepflasterte Straße, die als längstes historisches Straßendenkmal der Schweiz gilt. Heute ist dieses Symbol alpiner Ingenieurskunst eine klassische Herausforderung für Radfahrer in den Bergen und eine der Straßen, die man in den europäischen Bergen einmal gefahren sein sollte. Große Panoramablicke gibt es hier leider nicht besonders viele, denn die Tremola windet sich in engen Serpentinen den steilen Berghang hinauf. Für Radfahrer besteht die wichtigste Attraktion einfach darin, die nächste Kehre zu bezwingen.
Mehr als 30 Kurven auf historischem Kopfsteinpflaster
Der Aufstieg über das Kopfsteinpflaster der Tremola mit Packtaschen ist keine schnelle Angelegenheit - vom Bahnhof in Airolo sind es rund 13 Kilometer und 970 Höhenmeter. Insgesamt warten 39 Kurven, die meisten davon klassische alpine Serpentinen. Das lässt viel Zeit für Beobachtungen - und besonders aufgefallen sind mir die Fahrräder, mit denen die Menschen auf den Gotthardpass fuhren. Zu meiner Überraschung waren unter den Dutzenden, vielleicht sogar hundert Radfahrern, die ich während des Aufstiegs sah, nur wenige - vielleicht höchstens zehn - mit E-Bikes unterwegs. Die große Mehrheit bewältigte die Herausforderung ausschließlich mit eigener Muskelkraft, was mich wirklich beeindruckte. Die meisten fuhren Rennräder, während Radreisende mit Packtaschen wie wir klar in der Minderheit waren.
Viele Autofahrer oben auf dem Pass
Der Gotthardpass selbst gehört nicht zu den schönsten Orten entlang der Route - ein paar Gebäude, das bereits erwähnte Museum mit einem interessanten Film, zwei Denkmäler, einige Imbisswagen und... viele Menschen. Die meisten Besucher kommen mit dem Auto und nutzen den Pass nur für eine kurze Pause auf einer längeren Reise. Das ist ein deutlicher Kontrast zur Tremolastrasse, auf der Radfahrer dominieren und Autos nur selten zu sehen sind - hier fahren eigentlich nur diejenigen Autofahrer, die sich bewusst für eine anspruchsvolle Bergstraße statt für die deutlich schnellere und einfachere Nationalstrasse 2 entscheiden. Der meistfotografierte Ort oben auf dem Pass - auch von uns - ist das Denkmal für einen Schweizer Piloten, der bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe des Passes ums Leben kam.
Man kann auch mit dem Bus hinauffahren
Ich bezeichne den Anstieg zum Gotthardpass als Höhepunkt der Nord-Süd-Route, als ihre wichtigste Attraktion - aber er ist kein Muss. Wer sich diese Herausforderung nicht zutraut, kann einfach einen gelben Postbus nehmen, während das Fahrrad auf einem Fahrradträger am Heck mitfährt. Genau das machte Ola - zuerst feuerte sie mich aus dem Bus an, später dann oben auf dem Pass. Den Fahrplan findet man in der SBB-App, also in derselben App, die auch für die Buchung von Zugtickets in der Schweiz verwendet wird. Ein wichtiger Hinweis - wenn ein Fahrradplatz frei ist, kann man auch ohne Reservierung mitfahren, es empfiehlt sich jedoch, vorher telefonisch unter der in der App angegebenen Nummer kostenlos einen Platz für das Fahrrad zu reservieren. Diese Regel gilt für alle Schweizer "Postautos", nicht nur für die Verbindung über den Gotthardpass.
Lieber auf Kopfsteinpflaster hinauf als hinunter
Die Abfahrt über das Kopfsteinpflaster der Tremola mit Packtaschen war deutlich weniger angenehm als der Aufstieg. Beim langsamen Bergauffahren musste man sich kaum Gedanken über Unebenheiten oder rutschige Steine machen - bergab war das mit einem voll beladenen Fahrrad, das schnell Geschwindigkeit aufnehmen wollte, eine ganz andere Geschichte. Zum Glück ist der nördliche Abschnitt der Tremola in Richtung Andermatt kurz, und schon bald wechselten wir auf den glatten Asphalt der Nationalstrasse - nur um dort direkt in einem langen Stau zu landen. Glücklicherweise war zu dieser Tageszeit nur wenig Verkehr bergauf unterwegs, sodass wir immer wieder für einige hundert Meter auf die linke Fahrspur wechseln konnten und schnell hinunter in das malerische Hospental kamen und anschließend - durch einen weiteren Stau - nach Andermatt. Seit unserer Fahrt auf der Rhein-Route hat dieser Ort einen besonderen Platz in unseren Herzen. Wir fahren am Campingplatz vorbei, auf dem wir 2020 übernachteten, bewundern die schönen Holzhäuser im Ortszentrum, halten kurz an dem uns bereits bekannten Brunnen auf der Brücke und setzen dann unsere Reise fort.
Zwei Gründe, die Route in umgekehrter Richtung zu fahren
Die unterschiedlichen Straßen zum Gotthardpass sind ein weiterer Grund, die Nord-Süd-Route in umgekehrter Richtung zu fahren. In unserer Variante konnten wir den klassischen Anstieg über die Tremola fahren, die fast autofrei ist, sich wegen ihres unebenen historischen Belags aber deutlich weniger gut für eine Abfahrt eignet. Und wenn wir schon von Abfahrten sprechen - in Richtung Andermatt ist der gepflasterte Abschnitt der Tremola kurz, danach folgt eine glatte Asphaltstraße mit weiten Serpentinen und sehr gutem Belag. Wer diese Strecke bergauf fährt, muss sich dagegen eine schmale Straße ohne Seitenstreifen mit starkem Autoverkehr teilen - keine besonders attraktive Alternative zum ruhigen, fast autofreien Anstieg über die Tremola. Ähnlich sieht es beim Vergleich zwischen dem Anstieg durch das Tessintal (von Bellinzona nach Airolo) und dem Reusstal (von Flüelen nach Andermatt) aus - trotz einiger schwieriger Abschnitte bietet das Tessintal deutlich bessere Bedingungen für einen langen, gleichmäßigen Anstieg.
Ein Engpass in der Schlucht hinter Andermatt
Eine lange Abfahrt durch ein schmales, tiefes und schattiges Alpental trennt Andermatt vom Vierwaldstättersee. Leider verläuft nur ein sehr kurzer Abschnitt am Anfang auf einem komfortablen Radweg. In der Nähe der Teufelsbrücke über die Schöllenenschlucht werden Radfahrer in beiden Fahrtrichtungen - vermutlich aus Sicherheitsgründen - voneinander getrennt. Wer in Richtung Vierwaldstättersee fährt, wird auf die Hauptstraße geleitet, während der schmale Radweg durch die Schlucht den Radfahrern vorbehalten ist, die nach Andermatt hinauffahren. Und so stehen wir an diesem Tag zum dritten Mal mitten im Autoverkehr. Diesmal staut es sich allerdings in beide Richtungen, sodass wir auf riskante Überholmanöver verzichten und langsam neben den Autos bergab rollen. Das ist ein weiterer "Engpass" für Radfahrer auf der Nord-Süd-Route und zugleich ein ärgerlicher Verlust an landschaftlichem Erlebnis - auf der Hauptstraße zwischen den Autos bleibt kaum Gelegenheit, die beeindruckenden Ausblicke auf die Teufelsbrücke und die Schöllenenschlucht zu genießen.
Zum Glück biegen nach einigen Kilometern die meisten Autos auf die Autobahn ab, und bei Göschenen bleibt uns eine fast leere Straße, auf der nur gelegentlich ein Fahrzeug vorbeikommt. Die Fahrt wird ruhig und angenehm, unterwegs begleiten uns schöne Landschaften und hübsche Dörfer - doch wir haben wenig Zeit und halten uns nicht lange auf. Der Aufstieg zum Gotthardpass hatte mit all den Fotostopps länger gedauert als erwartet, dann kam noch der Museumsbesuch dazu, auf den wir nicht verzichten wollten, und jetzt lagen noch rund 40 Kilometer vor uns. In der zweiten Hälfte der Abfahrt wechseln wir von der Hauptstraße auf Hochwasserschutzdämme und fahren zügig durch Wassen, Amsteg, Erstfeld und Altdorf.
Die ersten Blicke auf den Vierwaldstättersee
Erst in Flüelen machen wir schließlich eine Pause, beeindruckt von unseren ersten Blicken auf den Vierwaldstättersee. Die Lage des Ortes ist ebenso schön wie problematisch - Flüelen liegt dort, wo die Reuss, die uns seit Andermatt begleitet hat, in den See mündet, und war in der Vergangenheit immer wieder von Überschwemmungen betroffen. Heute ist Flüelen ein wichtiger Knotenpunkt im Schweizer Tourismus- und Verkehrsnetz. Da der Ort am gegenüberliegenden Ende des Vierwaldstättersees von Luzern liegt, ist er ein beliebtes Ziel für Schifffahrten und Ausflüge auf dem See. Außerdem liegt hier ein wichtiger Punkt des sogenannten "Wegs der Schweiz", eines landschaftlich reizvollen Wanderwegs, der von Brunnen über Sisikon und Flüelen nach Rütli führt - zur legendären "Wiege der Schweiz".
Eine der schönsten Straßen für Radfahrer
Nach einer kurzen Pause an der Skulptur des Wiesmann Roadster MF3 - einem ungewöhnlichen Stück Automobilkunst in der Nähe des Bahnhofs von Flüelen - fahren wir auf einen Abschnitt, der sich als einer der spektakulärsten unserer gesamten Reise erweist. Die Route führt hier direkt am Axenfelsen entlang, weshalb die Straße Axenstrasse heißt. Teile der Radroute verlaufen durch Tunnel und Galerien, die ursprünglich für die erste Straße entlang dieses Seeufers gebaut wurden. Manchmal fahren wir unter Felsüberhängen hindurch, an anderen Stellen schützen uns Barrieren vor herabfallenden Steinen. Gelegentlich trifft die alte, heute den Radfahrern überlassene Straße für kurze Abschnitte auf die moderne Straße, auf der Autos durch größere Tunnel parallel zu unserem Weg fahren. Der gesamte Abschnitt ist beeindruckend - ohne Zweifel eine der schönsten für Radfahrer ausgebauten Straßen Europas. An einer Stelle passieren wir direkt unterhalb unserer Route, unmittelbar am Wasser, die Tellskapelle - eine Kapelle, die an die legendäre Flucht des Schweizer Volkshelden Wilhelm Tell aus den Händen eines Landvogts erinnert.
Kostenloser Ersatztransport für Radfahrer
Leider... kommen wir genau zur Zeit von Bauarbeiten an der Axenstrasse, die zu Verkehrseinschränkungen zwischen Flüelen und Brunnen führen. Die erste Hälfte dieses Abschnitts von Flüelen nach Sisikon, wo wir übernachten, können wir noch mit dem Fahrrad fahren und dabei diese außergewöhnliche Radroute genießen. Am nächsten Morgen müssen wir die zweite Hälfte - von Sisikon nach Brunnen - jedoch mit einem speziell eingerichteten Ersatztransport für Radfahrer zurücklegen. Ja, genau - wenn in der Schweiz eine beliebte Radroute vorübergehend aus Gründen gesperrt wird, auf die Radfahrer keinen Einfluss haben, stellt das für die Bauarbeiten verantwortliche Unternehmen einen Shuttlebus mit Fahrradanhänger bereit, der Radfahrer über den gesperrten Abschnitt bringt. So legen wir einen Teil der Strecke am Vierwaldstättersee in einem Kleinbus zurück, gemeinsam mit einem französischen Paar und zwei deutschen Radfahrern. Der Shuttle fährt einmal pro Stunde, und sämtliche Kosten übernimmt das für die Bauarbeiten zuständige Unternehmen - Radfahrer müssen nichts bezahlen.
Raddampfer und ein heiliger Ort der Schweiz
In Brunnen halten wir am Schiffsanleger und genießen einen großartigen Blick auf den Vierwaldstättersee. Von hier steigen steile Berghänge direkt aus dem Wasser auf und bilden einen eindrucksvollen Kontrast zwischen dem tiefblauen See und den hohen Felsgipfeln. Die unregelmäßige Form des Sees mit seinen zahlreichen Buchten und schmalen Passagen macht die Landschaft noch interessanter. Rundherum erheben sich markante Berge wie Pilatus, Rigi und Stanserhorn, die das Panorama prägen. Besonders charakteristisch für diese Region sind die Straßen direkt am Seeufer, die sich oft zwischen Berghängen und Wasser hindurchzwängen. Viele von ihnen führen durch in den Fels gebaute Tunnel und Galerien und bieten nicht nur spektakuläre Ausblicke, sondern auch ein besonderes Fahrerlebnis. Eine davon ist die Axenstrasse, auf der wir erst wenige Stunden zuvor unterwegs waren.
Während wir am Anleger in Brunnen stehen, legt der historische Raddampfer Uri zu einer Fahrt über den Vierwaldstättersee ab. Das 1901 gebaute Schiff ist eines von fünf Dampfschiffen, die zur historischen Flotte auf diesem malerischen See gehören. Die Uri gilt als Meisterwerk ihrer Zeit und besitzt wunderschön erhaltene Holzelemente, einen elegant ausgestatteten Innenraum und eine vollständig restaurierte originale Dampfmaschine. Während wir dieses schwimmende Schmuckstück bewundern, fällt unser Blick auf eine helle Fläche am steilen Ufer im Hintergrund, die auf der linken Seite unseres Fotos zu sehen ist. Das ist die Rütliwiese, ein Ort, der für die Schweizer fast schon heilig ist. Hier soll am 1. August 1291 der Schwur der drei Kantone den Grundstein für die Schweizer Eidgenossenschaft gelegt haben. Heute wird der 1. August als Schweizer Nationalfeiertag gefeiert.
Zur Route gehört auch eine Fährüberfahrt
Schon bald betrachten wir den Vierwaldstättersee von der Mitte des Sees aus - ganz wörtlich. Zur Nord-Süd-Route gehört eine Fährüberfahrt von Beckenried nach Gersau, die zugleich Teil der Grand Tour of Switzerland ist, einer Auswahl besonders sehenswerter Reiseziele des Landes. Der rote "Rahmen", der diesen Ort markiert, trägt den Namen der Fähre Tellsprung, also "Tells Sprung" - eine direkte Anspielung auf die legendäre Flucht Wilhelm Tells, die ich bereits bei der Beschreibung der Axenstrasse erwähnt habe. Ein kleiner Tipp - verwechselt die Autofähre zwischen Gersau und Beckenried nicht mit der nahe gelegenen Anlegestelle für Ausflugsschiffe in Gersau. Wir selbst wären beinahe auf das falsche Schiff gestiegen, doch dann fiel uns auf, dass es sieben Minuten Verspätung hatte - etwas, das in der Schweiz einfach nicht passieren kann.
Zwei minus eins und ein Radweg auf Stelzen
Wir fahren weiter in Richtung Luzern auf einem Abschnitt, den wir bereits zwei Jahre zuvor auf der Seen-Route gefahren sind. Im Grunde ist das bereits ein Vorstadtabschnitt, entsprechend viele Radfahrer sind hier an Wochenenden unterwegs. Hier ist ein beeindruckender Radweg direkt an die Straße am Seeufer angebaut - vermutlich auf Stelzen, die im Seegrund verankert sind. Etwas weiter, im Ort Hergiswil, fahren wir auf dem vielleicht verkehrsreichsten Beispiel einer "2-minus-1-Straße", das wir bisher gesehen haben. Ähnliche Lösungen kennen wir aus den Niederlanden, gelegentlich aus Dänemark und sogar aus Deutschland - doch hier haben die Schweizer sie mitten im Zentrum einer kleinen Stadt umgesetzt. Und es funktioniert! Der Verkehr fließt ruhig, und die Autofahrer warten geduldig auf eine Gelegenheit, die auf den markierten Spuren fahrenden Radfahrer zu überholen.
Der Löwe von Luzern und der Gletschergarten
Für Luzern nehmen wir uns mehr Zeit und bleiben zwei Nächte, um die Stadt zu erkunden und uns eine wohlverdiente Pause zu gönnen. Endlich besuchen wir den Gletschergarten, einen faszinierenden Ort, der 20 Millionen Jahre geologische Geschichte der Region zeigt. Hier kann man mehrere Meter tiefe Gletschertöpfe sehen - perfekt erhaltene Formationen, die einst von den Bewegungen des Eises geschaffen wurden. Zu sehen sind außerdem Fossilien aus einer Zeit, als diese Region von tropischer Vegetation bedeckt war und hier Palmen statt Alpengipfel die Landschaft prägten. Während unseres Besuchs entdecken wir auch einen polnischen Beitrag zur Ausstellung - ein Werk von Daria Lelonek, das mithilfe von Solarfotografie entstanden ist. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit der umstrittenen Praxis, Gletscher mit reflektierenden Folien abzudecken, um ihr Abschmelzen zu verlangsamen. Diese Methode verzögert zwar den Eisverlust, belastet aber gleichzeitig die empfindliche alpine Umwelt mit Mikroplastikfasern.
Direkt vor dem Eingang zum Gletschergarten befindet sich der Löwe von Luzern, der als eines der bewegendsten Denkmäler der Welt gilt. Ihn mit eigenen Augen zu sehen, wirkt viel stärker als jedes Foto - das Denkmal ist direkt in eine hohe Felswand gehauen und liegt in einer ruhigen, grünen Umgebung, die zum Innehalten einlädt. Die Skulptur zeigt einen riesigen sterbenden Löwen, der von einem abgebrochenen Speer getroffen wurde, und erinnert an die 750 Schweizer Gardisten, die während der Französischen Revolution ums Leben kamen. Historische Quellen deuten allerdings darauf hin, dass der Initiator des Denkmals, ein Offizier der Schweizer Garde, der während der tragischen Ereignisse auf Urlaub war und deshalb nicht daran teilnahm, die Zahl der Opfer möglicherweise übertrieben hat. Auch das Denkmal selbst ist bis heute Gegenstand lokaler Diskussionen und Kontroversen. Und noch ein interessantes Detail - die Grotte rund um den Löwen soll in ihrer Form an ein Wildschwein erinnern, angeblich ein subtiler Protest des schlecht bezahlten Bildhauers, der die endgültige Ausführung übernahm.
Hinter Luzern wird die Route sanfter
Hinter Luzern geht die Landschaft allmählich vom Hochland ins Tiefland über. Grüne Hügel und landwirtschaftlich geprägte Landschaften bestimmen zunehmend das Bild, durchzogen von gewundenen Flüssen und kleineren Seen. Die hohen Alpen bleiben am Horizont sichtbar, doch das Gelände wird sanfter und damit sowohl für Radfahrer als auch für Wanderer leichter zugänglich. Je näher wir der Grenze zu Deutschland und Frankreich kommen, desto deutlicher macht sich das kontinentalere Klima bemerkbar, das gute Bedingungen für Weinberge an den sanften Hängen bietet. Typisch für diese Region sind außerdem große Waldgebiete, darunter die Jurawälder östlich von Basel. Die Landschaft ist hier von welligen Hügeln, kleinen Tälern und gewundenen Flüssen geprägt.
Schön bemalte Häuser in Aarau
Gegen Ende unserer Reise hinterlässt Aarau bei uns einen bleibenden Eindruck. Es ist eine dieser kleineren Schweizer Städte, die oft im Schatten bekannterer Orte wie Zürich, Basel oder Luzern stehen. Die mittelalterliche Altstadt von Aarau ist ein Gewirr aus schmalen Gassen und historischen Gebäuden, doch besonders auffällig sind die einzigartig bemalten Dachuntersichten der Bürgerhäuser. Immer wieder legen wir den Kopf in den Nacken, um die kunstvollen Verzierungen unter den weit vorspringenden Dächern zu betrachten - nirgendwo sonst haben wir eine solche Konzentration dieser besonderen Dekorationen gesehen. In Aarau lohnt sich außerdem ein Besuch des Schlössli, des ältesten Teils der ehemaligen Stadtbefestigung. Es liegt am nordöstlichen Rand der Altstadt, knapp außerhalb der früheren Stadtmauern, und besitzt einen 25 Meter hohen Wohnturm aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der aus großen, grob behauenen Megalithblöcken errichtet wurde.
Von Aarau schlängelt sich die Nord-Süd-Route durch malerische Landschaften entlang der Aare. Zunächst führt der Weg durch ein Naturschutzgebiet bis zum Wehr bei Erlinsbach, wo sich drei wichtige Schweizer Radrouten kreuzen (3, 5 und 8). Der Anstieg zum Schafmattpass belohnt uns mit schönen Ausblicken, danach folgt eine schnelle Abfahrt in das malerische Dorf Oltingen. Die ruhige ländliche Umgebung zeigt eine ganz andere Seite der Schweiz, mit zahlreichen Obstgärten und Weinbergen an den umliegenden Hügeln. Durch die hügelige Landschaft - geprägt von Obstbäumen und lokalen Weingütern - fahren wir durch Rothenfluh, Ormalingen und Gelterkinden, bevor wir Liestal, den Hauptort des Kantons Basel-Landschaft, erreichen. Liestal empfängt uns mit einer schönen Altstadt und einem malerischen Rathaus. Von dort führt die Route durch die stärker industrialisierten Gebiete zwischen Liestal und Münchenstein, wo Chemie- und Pharmaindustrie das Bild prägen, bevor wir schließlich Basel erreichen.
Basel und das größte Open-Air-Kino
In Basel folgt die Route der Birs und führt am St. Jakob-Park vorbei, dem größten Fußballstadion der Schweiz. Unsere Radreise endet offiziell im Herzen der Stadt, in der Nähe des Basler Münsters, von wo sich ein schöner Blick auf den Rhein bietet. Ein perfekter Ort für eine wohlverdiente Pause. Bei einem Spaziergang durch die Stadt erinnern wir uns an unseren vorherigen Besuch in Basel nach dem Ende unserer Fahrt auf der Rhein-Route - damals besuchten wir das Historische Museum in einer ehemaligen Franziskanerkirche und das Naturhistorische Museum. Diesmal entdecken wir auf dem Platz beim Münster eine riesige Leinwand und zahlreiche Sitzplätze, wo am Abend zuvor das Allianz Cinema - ein großes Open-Air-Kino - stattgefunden hatte. Vielleicht beim nächsten Mal?
Veloland führt durch die Radrouten der Schweiz
Wenn unsere Reise euch Lust gemacht hat, die Schweiz mit dem Fahrrad zu entdecken, empfehlen wir einen Blick auf Veloland, die offizielle Website mit den Radrouten der Schweiz. Dort findet ihr alle neun nationalen Routen, darunter auch diejenigen, die wir bereits gefahren sind, sowie zahlreiche regionale und lokale Routen. Jede der Hauptrouten ist in Etappen unterteilt, deren Beschreibungen auf die wichtigsten Sehenswürdigkeiten hinweisen. Natürlich gibt es auch Karten und Höhenprofile. Besonders praktisch ist die interaktive Karte, auf der kleine Fotosymbole zeigen, welche Straßen und Oberflächen auf den einzelnen Abschnitten der Route zu erwarten sind. Das ist eine ausgezeichnete Hilfe bei der Planung und macht es leichter einzuschätzen, welches Gelände unterwegs wartet. Dieselben Informationen einschließlich der vollständigen Routenkarte sind auch in der gut funktionierenden SchweizMobil-App verfügbar, die sich unterwegs hervorragend zur Navigation eignet.
Teil des EuroVelo-Netzes
Auf der Nord-Süd-Route durch die Schweiz fällt immer wieder das charakteristische Zeichen von EuroVelo 5 auf - eine große Fünf auf blauem Hintergrund, integriert in die lokale Routenbeschilderung. Es zeigt deutlich, dass die Nord-Süd-Route Teil des EuroVelo-Netzes ist, eines Systems von Fernradrouten, das Europa mit dem Fahrrad verbindet. Die vollständige Route trägt offiziell den Namen EuroVelo 5 - Via Romea (Francigena) und führt von Canterbury in Großbritannien bis nach Brindisi im Süden Italiens. Der Schweizer Abschnitt verläuft von Basel nach Chiasso und entspricht damit unserer gesamten Strecke durch die Schweiz. Als eine der 17 EuroVelo-Routen folgt EV5 historischen Pilgerwegen und alten Handelsrouten und verbindet auf ihrem Weg durch Europa Kulturgeschichte mit Radreisen.
Die anspruchsvollste Radroute der Schweiz
Mit drei oder vier besonders anspruchsvollen Abschnitten fühlt sich die Nord-Süd-Route für uns wie die schwierigste Schweizer Radroute an, die wir bisher gefahren sind. Gleichzeitig gehören der Aufstieg zum Gotthardpass und die Fahrt auf der Axenstrasse hoch über dem Vierwaldstättersee zu den eindrucksvollsten Momenten unserer bisherigen Radreisen. Wieder einmal hat uns die Schweiz überrascht, neugierig gemacht und - was am wichtigsten ist - unsere Lust auf Radfahren und Reisen voll erfüllt. Und genau das wünschen wir auch euch!
Back to topHave a safe ride! 💚
Simon Thread
(Szymon Nitka)
I'm a passionate cycling traveler and the voice behind Cycling Thread. I explore Europe on two wheels, documenting the most scenic routes, inspiring places and cyclist-friendly practices. My writing blends personal experience with practical insights and a deep love of travel. I'm also a contributor to National Geographic Traveler magazine.


